Eine neue, minimal-invasive Behandlungsmethode mittels Lasertechnik verspricht dauerhaft Besserung bei Hyperhidrose. Dr. med. Konstantina Belouli und Dr. med. Nathalie Krügel sind Fachärztinnen für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie in Zürich.

Welche neuen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei ­Hyperhidrose?
Ein neuartiges Verfahren zur Behandlung des übermässigen Schwitzens in den Achselhöhlen ist ein risikoarmer operativer Eingriff. Dieser erfolgt mit einem Laser, welcher die Schweissdrüsen sozusagen «ausschaltet. Allerdings kann dieses Verfahren nur bei übermäs­sigem Schwitzen in den Achselhöhlen angewendet werden.

Welche Vorteile bietet der ­Eingriff mittels Laser?
Ein wesentlicher Vorteil ist sicherlich, dass dieses Verfahren viel sanfter ist als ältere Methoden, wie etwa die Schweissdrüsenabsaugung. Dennoch ist sie äusserst effektiv. Zudem ist die Operation sehr kurz und dauert weniger als eine Stunde. Der Eingriff erfolgt ambulant und der Patient hat danach keine Schmerzen. Einzig ein Spannungsgefühl kann auftreten. Zudem kann man nach der Behandlung sofort wieder arbeiten und bereits am nächsten Tag wieder duschen.

Wie erfolgt die Operation?
In örtlicher Betäubung wird über zwei kleine Stiche die Laser-Faser direkt unter die Haut eingeführt. Der Laser bringt dann die Schweissdrüsen regelrecht zum Schmelzen. Schweissdrüsen, die einmal zerstört sind, wachsen nicht wieder nach. Deshalb kann als Resultat nur noch erheblich weniger Schweiss produziert werden. Das vermehrte Schwitzen im behandelten Bereich ist also für immer reduziert.

Wie stehen danach die ­ Erfolgs-aussichten einer dauerhaften Besserung?
Sehr gut. Nur bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten muss zweimal behandelt werden, um den gewünschten Effekt zu erreichen. Im Idealfall bemerken die gelaserten Patienten im behandelten Bereich nur noch bei Hitze eine kleine Menge Schweiss. In Situationen, in denen andere schwitzen, werden diese dann auch schwitzen – nur weniger. Kompensatorisches Schwitzen gibt es nach der Laserbehandlung der Schweissdrüsen nicht. Komplikationen durch veränderte Schweissproduktion des Gesamtorganismus kommen nicht vor.

Für wen eignet sich diese ­Methode?
Für alle, die sich durch ein vermehrtes Schwitzen in den Achselhöhlen und den damit verbundenen Schweissrändern an der Kleidung gestört fühlen und das Problem gerne ein für alle Mal gelöst haben möchten. Die älteren Methoden wie Absaugen der Schweissdrüsen sind für viele zu drastisch und invasiv. Dafür ist die Laserbehandlung jetzt eine gute Alternative.

Eine beliebte Behandlungsform,bei Hyperhidrose ist auch der Einsatz von Botulinumtoxin. Wann kommt dieses Verfahren zum Einsatz?
Die Behandlung des übermässigen Schwitzens mit Botulinumtoxin ist eine nicht-invasive, einfache, schnelle und effektive Methode, welche kaum Nebenwirkungen zeigt. Schon nach 3 bis 4 Tagen ist die Schweissproduktion deutlich vermindert, die Wirkung hält 6 bis 9 Monate an. Sie kann neben den Achselhöhlen auch an den Händen problemlos angewendet werden. Soll das Schwitzen jedoch anhaltend reduziert werden, muss die Behandlung 1 bis 2 Mal jährlich durchgeführt werden.

 


 

Dr. med. Jana Geiss
Fachärztin Derma- tologie FMH und ästhetische Medizin

Frage: Ist übermässiges Schwitzen ein verbreitetes Leiden?
Antwort: Ja. Tatsächlich leiden etwa 3 Prozent der Bevölkerung unter übermässigem Schwitzen - der sogenannten Hyperhidrose. Mehr als die Hälfte davon schwitzen übermässig im Bereich der Achselhöhlen.

Ob beim Sport, bei Hitze oder Fieber - Schwitzen ist ein normaler Mechanismus zur Regulierung der Körpertemperatur. Wenn es nun aber zu spontaner, vermehrter Schweissbildung kommt, spricht man von Hyperhidrose. «Bei einer Hyperhidrose führen etwa Stresssituationen zu einer Überaktivität der sogenannten ekkrinen Schweissdrüsen. Das äussert sich vor allem dort mit einer störenden übermässigen Schweissmenge, wo es am meisten ekkrine Schweissdrüsen gibt – an Achselhöhlen, Handflächen und Fusssohlen», erklärt Jana Geiss, Dermatologin in der Praxis für Dermatologie und ästhetische Medizin Zürich.
 

«Nicht nur körperlich ist die Hyperhidrose für Betroffene eine grosse Belastung.»

Verstärkte Reaktion des ­vegetativen Nervensystems
Die Ursache der lokalisierten Hyperhidrose der Achselhöhlen ist eine verstärkte Reaktion des vegetativen Nervensystems auf Reize wie Stress oder Angst, aber auch körperliche Aktivität, Alkoholkonsum oder scharfes Essen. Dasselbe gilt für den isolierten Befall der Handflächen oder Fusssohlen. In manchen Fällen ist die Hyperhidrose auch anlagebedingt und wird weitervererbt. «Eine diffuse Hyperhidrose am ganzen Körper kann hingegen auch infolge von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenfunktionsstörungen auftreten oder seltenere internistische Ursachen haben», so Jana Geiss.

Behandlung der übermässigen Schweissproduktion
Doch nicht nur körperlich ist die Hyperhidrose für die Betroffenen eine grosse Belastung. «Oft führt die Hyperhidrose zu einer ausgeprägten psychosozialen Belastung, manchmal sogar zum sozialen Rückzug», weiss die Dermatologin. Umso wichtiger ist, dass die Betroffenen wissen, dass es zahlreiche Möglichkeiten zur Behandlung von Hyperhidrose gibt. «Am einfachsten ist die Verwendung von lokalen, meistens aluminiumsalzhaltigen Antitranspirantien. Aluminiumsalze verändern die Schweissdrüsen, sodass die Schweissproduktion reduziert wird. Auch eine sogenannte Leitungswasser-Iontopherese an Handflächen und Fusssohlen kann hilfreich sein. Hier erfolgt die Behandlung mit schwachem Gleichstrom», so Geiss. Ein grösserer Eingriff mit dauerhafter Wirksamkeit ist die operative Entfernung der axillären Schweissdrüsen. Sehr selten wird eine Operation im Bereich der Nerven, welche die Schweissproduktion regeln, durchgeführt. Mit ganz oberflächlichen Injektionen von Botulinumtoxin A kann die Schweissproduktion der Achseln, sowie an Händen und Füssen schon nach wenigen Tagen für einige Monate deutlich vermindert werden.