Acne inversa oder auch Hidradenitis suppurativa ist die umgekehrte Akne. Sie führt zu schwerer Entzündung in den grossen Hautfalten und ist eine tabuisierte und sehr belastende Krankheit. Auch wissen viele Patienten nicht, dass sie davon betroffen sind, denn die Erkrankung wird häufig nicht erkannt.

Die Krankheit kann in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten manifestieren sich erste Anzeichen jedoch bei jungen Erwachsenen rund um das 20. Lebensjahr. Mit zunehmendem Alter sinkt die Wahrscheinlichkeit, an Acne inversa zu erkranken.

«Bei Acne inversa finden sich entzündete Stellen typischerweise im Bereich der Achseln und Leisten. Es handelt sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung», erklärt der Facharzt Alexander Navarini.

In der Regel äussert sie sich durch entzündete Hautbereiche mit Läsionen, Fisteln, Knoten oder Abszessen. Wichtige Einflüsse sind die Hormone ab beginnendem Teenageralter sowie Übergewicht und das Rauchen. Dadurch erhöht sich das Risiko, an Acne inversa zu erkranken, um ein Vielfaches.

Strukturelle Veränderungen

Acne inversa verursacht typischerweise Hautveränderungen in der Nähe bestimmter Schweissdrüsen sowie an Körperstellen, an denen die Haut aneinander reibt.

Neben den Achselhöhlen, der Leistengegend und dem Genitalbereich können daher auch das Gesäss, der Bereich unter der Brust sowie die Innenseiten der Oberschenkel von der Erkrankung betroffen sein. Die entzündeten Hautveränderungen sind meist sehr unangenehm und verursachen teilweise heftige Schmerzen.

«Obwohl die genauen Ursachen der Acne inversa noch unklar sind, lassen Forschungsergebnisse darauf schliessen, dass strukturelle Veränderungen der Haarwurzel und eine Fehlsteuerung im Abwehrsystem der Haut eine Rolle spielen», erläutert Navarini.

Frühzeitige Therapie

Die chronische Erkrankung ist nach heutigem Kenntnisstand nicht heilbar. Es gibt jedoch Behandlungsmöglichkeiten, mit denen die Beschwerden deutlich verbessert werden können. Eine wirksame, frühzeitige und anhaltende Therapie ist wichtig, um langfristige Folgen der Erkrankung, wie zum Beispiel Narbenbildung, zu minimieren.

«Eine umfassende Therapie der Acne inversa ist immer individuell. Vor- und Nachteile der einzelnen Behandlungsoptionen sollten deshalb mit dem behandelnden Arzt besprochen werden», betont Navarini. Grundsätzlich lassen sich zwei Formen der Behandlung unterscheiden: medikamentöse Therapien und chirurgische Eingriffe.

Die beiden Behandlungsoptionen schliessen sich nicht aus, sondern ergänzen sich. Wenn sich Bakterien in den Hautveränderungen ansiedeln und zusätzliche Infektionen bewirken, können bei der medikamentösen Therapie Antibiotika gegen diese Infektionen wirken und so die Hautveränderungen verbessern.

Bei fortgeschrittener Acne inversa können auch Operationen eine Option sein. Dabei kommen verschiedene chirurgische Eingriffe zum Einsatz. Welche Eingriffe sinnvoll sind, hängt von den genauen Beschwerden und davon ab, welcher Körperbereich betroffen ist.

Die Art der Operation und die Grösse des entfernten Gewebebereichs beeinflussen, wie lange es dauert, bis eine operierte Körperstelle wieder verheilt ist.

Je nach Grösse der Operation ist eine nachfolgende Wundbehandlung wichtig, damit die Funktionalität und die Dehnbarkeit des Gewebes erhalten werden können. «Patienten melden sich unter anderem nicht beim Arzt, da sie sich vielfach wegen ihres Übergewichts schämen und es nicht schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören», weiss Navarini aus langjähriger Erfahrung.