Herr Prof. Dr. Schmid, Sie arbeiten in der Allergiestation der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich.

Ob Heuschnupfen, Staub, Milben, Tierhaare und Anderes: Viele Menschen leiden an irgend einer Allergie.  Wie sieht es mit den Therapiemöglichkeiten aus?

Prof. Dr. Schmid (PS): Von den verschiedenen Allergien lassen sich diejenigen der  Atemwege, insbesondere wenn durch Pollen oder Hausstaubmilben verursacht, zunehmend besser behandeln. Auch gewisse Medikamentenüberempfindlichkeiten lassen sich heutzutage gut therapieren. Und selbst schwere Allergien auf Insektengift  etwa von Bienen oder Wespen können mit ausgezeichnetem Erfolg behandelt werden.

Auf welche Art und Weise?

Zum einen stehen heute für viele allergische Beschwerden ausgezeichnete Medikamente zur Verfügung, die diese wirksam angehen und oft ausgezeichnet verträglich sind. Zudem ist die allergenspezifische Immuntherapie – im Volksmund auch als Allergieimpfung bezeichnet - als ursächliche Therapie ein idealer Ansatz, um ausgeprägte Allergien etwa auf Pollen, Milben oder Insektengift sehr wirksam anzugehen.

Bei welchen Allergieformen ist Impfen besonders zu empfehlen?

Impfen ist sehr wirksam bei Insektengift mit einer Erfolgschance von über 90 Prozent, ebenso bei gewissen Pollen- und Hausstaubmilbenallergien (um die 80 Prozent Erfolg) und je nach erhältlichem Extrakt auch bei Tierhaarallergien, etwa auf Katzen.

Wie sieht es bei einer Ueberempfindlichkeit auf Medikamente oder Nahrungsmittel aus?

Bei Medikamentenüberempfindlichkeit hängt es von der Form der Reaktion ab, ob eine Desensibilisierung möglich und erfolgversprechend ist. Bei einer Nahrungsmittel-Allergie ist eine Immuntherapie bisher leider auch nicht sehr erfolgreich; allerdings zeigen sich hier erste Erfolge mit der Anwendung über Hautpflaster (EPIT, Epikutan-Immuntherapie) ab.

Wann raten Sie von einer Impfung eher ab?

Bei schwerem unkontrolliertem Asthma, bösartigen Begleiterkrankungen oder Erkrankungen des Immunsystems muss eine Immuntherapie sicher sehr genau  gegenüber den Risiken abgewogen werden.

In den Medien ist immer wieder zu lesen, dass es zunehmend Allergien wegen einer Lebensmittelunverträglichkeit gibt? Stimmt das eigentlich?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da Allergien und Unverträglichkeiten gemischt werden.

Der Schluss, dass Allergien wegen Lebensmittelunverträglichkeiten zunehmen, ist so direkt sicher nicht erlaubt. Allergien im eigentlichen Sinn (auch auf Nahrungsmittel) wie gewisse Unverträglichkeiten etwa auf histaminreiche Speisen können aber in der Tat z.B. über die bakterielle Besiedlung des Darms (Mikrobiom) beeinflusst werden.

Die Regulierung ist aber von Individuum zu Individuum sehr vielfältig und unterschiedlich, so dass sich zum aktuellen Zeitpunkt noch keine allgemeingütigen Regelungen ableiten lassen.