Wann sollen Angehörige eines depressiven Menschen eingreifen, bei ersten Anzeichen oder erst nach der Diagnose?

Generell fällt es Betroffenen – insbesondere bei einer Ersterkrankung – schwer, ihre Probleme als Krankheit zu erkennen und rechtzeitig Hilfe zu suchen. Angehörige können ihnen dabei helfen und werden so auch selber unterstützt. Lieber früher professionelle Hilfe suchen als später, denn dies ermöglicht eine effiziente Behandlung der Depression und vermindert weiteres Leiden des Betroffenen und seiner Angehörigen.

Welche Fehler sollten vermieden werden?

Ein Herunterspielen des Problems ist falsch, Dramatisieren ebenso. Appelle an den Willen sind bei Depressiven nicht hilfreich; Vorwürfe und Aufforderungen sich zusammenzureissen wirken kontraproduktiv. Angehörige sollen ihre beunruhigenden Beobachtungen, ihre Sorgen ruhig, aber klar aufzeigen, Hilfe für Veränderungen anbieten, ohne sich in die Überforderung hineinziehen lassen. Also das Problem erstnehmen, frühzeitig für professionelle Unterstützung sorgen, medizinisch und in der Arbeits-Organisation.

Kann ein Angehöriger Burnout verhindern?

Hilfreich ist, wenn ein Angehöriger bei einer Überlastung oder einem beginnenden Burnout eines Nahestehenden sich genügend um sein eigenes Gleichgewicht sorgt und sich dafür trotz aller Anteilnahme auch genügend abgrenzt. Dies hilft, nicht selber in ein Burnout zu fallen. Den Burnout eines Nahestehenden verhindern, das kann ein Angehöriger nicht – er kann dem Betroffenen einzig helfen, dies selber und mit professioneller Hilfe zu tun.

Muss sich ein Angehöriger bei einem Burnout anders verhalten als bei einer Depression?

Bei einem beginnenden Burnout stehen Überlastung, sinkende Leistungsfähigkeit sowie Überdruss im Vordergrund. Hier kann durch eine Änderung der Arbeits- und Freizeitgestaltung viel erreicht werden. Angehörige können einem Nahestehenden mit beginnendem Burnout dabei helfen. Ein fortgeschrittenes Burnout entspricht aus medizinischer Sicht meist einer Erschöpfungsdepression. Erst nach deutlicher Besserung der Depression können das Arbeits- und Freizeitverhalten längerfristig verändert und persönliche Schwierigkeiten angegangen werden. Dabei ist es wertvoll, wenn die Angehörigen offen sind für neue Entwicklungen und Lösungen.

Kann man durch den Lebensstil oder das Freizeitverhalten als Vorbild dienen?

Hilfreich ist, sich dem Muster des Depressiven oder des Burnout-Betroffenen nicht anzugleichen, sondern eigene Positionen zu halten, beispielsweise einen sozialen Rückzug nicht mitzumachen, sondern eigene Aktivitäten und Beziehungen aufrecht zu erhalten. Dies ist für das eigene Wohlbefinden der Angehörigen wichtig, und es ermöglicht ihnen, sich auch längerfristig für den Nahestehenden engagieren. Zugleich kann es als Vorbild hilfreich sein.