Zu der Anzahl Burnout-Erkrankter in der Schweiz ist keine Aussage möglich, da dazu epidemiologische Untersuchungen fehlen. «Es lässt sich allerdings an der Entwicklung von Stress am Arbeitsplatz abschätzen», betont die Fachärztin Barbara Hochstrasser.

Zwischen 2000 und 2010 sei der Anteil der chronisch gestressten Arbeitnehmenden in der Schweiz um sieben Prozent gestiegen. Eine stationäre Behandlung sei angezeigt, wenn jemand im Alltag kaum mehr funktionieren könne. «Meist weisen Betroffene zu diesem Zeitpunkt eine depressive Störung oder eine massive Erschöpfung auf.»

Weshalb heute viele Menschen an einem Burnout erkranken, führt Hochstrasser darauf zurück, dass die heutige Arbeitswelt mit der konstanten Verfügbarkeit medialer Kommunikation, erhöhtem Wettbewerb und gestiegener Arbeitsbelastung mehr Risiken zur Entwicklung von Stress birgt.

Häufige Umstrukturierungen von Unternehmen führten zum Verlust von vertrauten Arbeitsbeziehungen und wenig positivem Feedback. «Zudem ist auch die Arbeitssicherheit gefährdet.»

Im Gleichgewicht bleiben

Als präventive Massnahmen gegen Stressfolgeerkrankungen empfiehlt Hochstrasser ein bewusstes Gleichgewicht zwischen Arbeitseinsatz und Erholung. «Es braucht genug Entspannung und Freude an persönlichen Aktivitäten, um im Gleichgewicht zu bleiben.» Positiv beurteilt sie das Schweizerische Betriebliche Gesundheitsmanagement.

«Dieses kann einen wichtigen Beitrag zur Verminderung von belastenden Arbeitssituationen leisten.» Die Motivierung der Mitarbeitenden durch entsprechende Angebote, ihrer Gesundheit mehr Beachtung zu schenken, wirke gesundheitsfördernd, betont Hochstrasser.