Winterzeit ist erfahrungsgemäss Erkältungs- und Grippezeit. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit fallen bedingt durch Grippe pro Jahr zwischen 100 000 und 250 000 Arztbesuche sowie rund 1000 bis 5000 Hospitalisationen an. Die Todesfälle bewegen sich zwischen 400 und 1500. Über 90 Prozent der Betroffenen sind älter als 65 Jahre. Eine normal verlaufende Grippe ist aber kein Grund zur Beunruhigung. «Die meisten Krankheitsepisoden durch den saisonalen Influenzavirus klingen nach wenigen Tagen ab, so dass meist eine symptom­orientierte Behandlung genügt, für die es in der Regel keinen Arztbesuch braucht», sagt der Facharzt Stefan Neuner-Jehle. Alarmzeichen sind aber Fieber über mehr als fünf Tage und ein stark geschwächter Körperzustand, besonders bei hohem Alter mit Gebrechlichkeit oder bei vorbestehenden Herz-oder Lungenkrankheiten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass man die Anzeichen einer bakteriellen Folgeinfektion wie vereiterte Mandeln, Ohrenschmerzen oder Atemnot rechtzeitig erkennt. Bei einer schweren Grippe tritt in der Regel rasch hohes Fieber auf, eventuell mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Kopfweh und Müdigkeit, begleitet von Schnupfen, Halsweh und Husten. Nach wenigen Tagen hat das Immunsystem Erfolg bei der Abwehr: Das Fieber sinkt, die Symptome schwächen sich ab. Eine normale Grippe dauert so in der Regel 5 bis 10 Tage, bis sie ganz überwunden ist.
 

«Es bringt nichts, wenn man sich den ganzen Winter über in den eigenen vier Wänden verkriecht.»

Linderung der Symptome
Bei der Diagnose steht an erster Stelle die ausführliche Befragung und Untersuchung des Patienten, mit Blick auf mögliche Komplikationen oder schwere Krankheitsverläufe. Eine Blutuntersuchung hilft, den Schweregrad der Infektion richtig einzuschätzen. «Die Therapie ist im Wesentlichen auf die Linderung der Symptome ausgerichtet. Verordnet werden Schmerzmittel, abschwellende und schleimlösende Massnahmen, eventuell Mittel gegen Übelkeit oder bronchienerweiternde Inhalationen», erläutert Neuner-Jehle. Die meisten dieser symptomlindernden Mittel können auch in Form bekannter Hausmittel eingesetzt werden. Wichtig ist, dass man genügend Flüssigkeit zu sich nimmt, da der Körper wegen des Fiebers einen erhöhten Flüssigkeitsverbrauch hat. Allerdings können während des Krankheitsverlaufs bakterielle Folgeinfektionen auftreten. Dies betrifft in erster Linie Nasennebenhöhleninfekte, Mittelohrentzündungen und tiefere Infekte der Luftwege bis zur Lungenentzündung. Bei immungeschwächten Menschen, etwa Personen in sehr hohem Alter, bei Säuglingen oder Immunerkrankten kann sich der Virus unter Umständen ungebremst ausbreiten und in seltenen Fällen zum tödlichen Organversagen führen.

Kein Grund zur Panik
Bei der saisonalen Grippe handelt es sich um eine typische Tröpfcheninfektion. Sie wird über Husten und Niesen übertragen. Die Sekrete aus dem Nasen- und Rachenraum gelangen aber auch auf die Hände und können von dort weiterverbreitet werden. Mit andern Worten: Während der Grippesaison sollten sich nicht nur erkrankte, sondern auch gesunde Menschen häufig die Hände waschen. Küssen sollte man nach Möglichkeit vermeiden. Gegen Grippe geimpft werden sollten insbesondere Risikopersonen: Ältere Menschen ab 65, chronisch Kranke wie Diabetiker, Herz- und Lungenkranke sowie Krebskranke, ebenso Schwangere, Wöchnerinnen und Frühgeborene ab dem Alter von 6 Monaten. «Impfen lassen sollten sich aber auch Personen, die entweder privat oder beruflich häufig Kontakt zu Risikogruppen haben, in erster Linie, um Gefährdete nicht zusätzlich einer Gefahr auszusetzen», betont Neuner-Jehle. Einen 100-prozentigen Schutz gebe es durch keine Massnahme, sagt der Facharzt. Das sei aber noch kein Grund zur Panik. Er rät älteren Mensch dazu, nicht übervorsichtig oder gar überängstlich zu sein. «Es bringt nichts, wenn man sich den ganzen Winter über in den eigenen vier Wänden verkriecht. Viel wichtiger ist ein gesundes Mass aus Vorsicht und Zuversicht.» Neben der Grippeimpfung empfiehlt Stefan Neuner-Jehle einen gesunden Lebensstil mit genügend Schlaf und Entspannung und eine ausgewogene Ernährung sowie genügend Bewegung. Auf den übermässigen Gebrauch schädlicher Substanzen wie etwa Nikotin oder Alkohol sollte wenn möglich ganz verzichtet werden. Vorbeugend Antibiotika einzunehmen sei erstens nutzlos und zweitens wegen der Nebenwirkungen und der Resistenzbildung sogar schädlich, sagt Neuner-Jehle.