Schätzungen gehen davon aus, dass rund 10 Prozent der Kinder im Schulalter nachts ins Bett machen. Eines nützt dagegen ganz sicher nichts: Nämlich strafen. Die Blasenkontrolle setze frühestens im zweiten Lebensjahr ein, betont Thomas J. Neuhaus, Chefarzt Pädiatrie am Kinderspital Luzern. «Tagsüber sind mit vier Jahren etwa 90 Prozent der Kinder, mit sechs Jahren fast alle trocken.» Beim Schuleintritt nässen nachts noch rund 10 Prozent der Knaben und etwa 7 Prozent der Mädchen ein. «Somit ist Einnässen bis zum Kindergarten beziehungsweise Schuleintritt normal», betont Neuhaus. Bettnässen kann aber eine ernsthafte Krankheit anzeigen, wenn Kinder im Alter von sechs Jahren nicht nur nachts, sondern auch tagsüber einnässen, wiederholte Harnwegsinfektionen durchmachen, die körperliche Untersuchung des Genitales auffällig oder auch die Stuhlentleerung gestört ist.

Meist eine Entwicklungsverzögerung
Für das Bettnässen besteht eine angeborene Veranlagung. Es kommen dafür immer mehrere Ursachen in Frage, insbesondere eine verzögerte Reifung der Entwicklung der Blasenkontrolle. Füllt sich bei Säuglingen und Kleinkindern die Blase mit Urin, löst die entsprechende Dehnung der Blasenwand reflexartig eine unwillkürliche Entleerung aus. Mit zunehmender Reifung der Blase und des Blasenzentrums im Gehirn kann dieser Reflex unterdrückt werden. Wenn keine Fehlbildung der Nieren oder Harnwege vorliegt, besteht in der Regel kein Grund zur Beunruhigung. Bettnässen ist dann keine Krankheit, sondern eine Entwicklungsverzögerung.

In der Regel einfach und erfolgreich
Wenn Kinder einnässen, sollten Eltern das Problem ernst nehmen, sagt Neuhaus. Druckversuche oder gar Strafen seien meistens kontraproduktiv. «Am besten versucht man dem Kind zu erklären, dass es sich einfach etwas langsamer entwickelt.» Zudem sollten Eltern darauf achten, dass das Kind vor dem Schlafengehen nicht zu viel trinkt und vorher noch auf die Toilette geht. Eine Therapieoption ist ein Weckapparat. Dabei löst ein Sensor in der Unterhose einen Alarm aus, wenn das Kind nachts einnässt. Denkbar sind auch Medikamente, welche die Urinmenge reduzieren. Grundsätzlich, so Neuhaus, sei die Therapie des Bettnässens bei vielen, aber eben nicht allen Kindern erfolgreich.