TIPPS

1.  Ausreichende Trinkmenge von 1,5 bis 2 Litern pro Tag, an heissen Tagen natürlich mehr

2. Keine übertriebene Genitalhygiene, Scheidendesinfektionen und -spülungen sind unnötig und stören die normale Flora der Scheide

3. Für jüngere Frauen, die unter rezidivierenden Blasenentzündungen leiden: keine Barrieremethoden zur Schwangerschaftsverhütung anwenden (Pessare, Kondome etc.)

4. Frauen nach der Menopause sollten mit ihrem Frauenarzt / ihrer Frauenärztin unbedingt eine Hormoncreme/-tablette für die Scheide und das äussere Genitale diskutieren.

Etwa 50 bis 70 Prozent aller Frauen haben mindestens einmal in ihrem Leben eine Blasenentzündung. Weshalb sind Frauen so häufig davon betroffen?

Der Grund hierfür ist, dass Frauen eine relativ kurze Harnröhre haben und Bakterien deshalb viel leichter von aussen in die Blase vordringen können.
 

Gibt es Frauen, die besonders anfällig dafür sind?

Ja, die gibt es. Dabei können zum Teil Faktoren der Immunabwehr eine Rolle spielen. Es gibt manchmal fehlende Abwehrstoffe im Blasenbereich, bei älteren Frauen auch gewisse Hormonmängel, die Blasenentzündungen begünstigen können.
 

Welche Symptome zeigen sich bei einer Blasenentzündung?

Die klassischen Symptome sind häufiges und schmerzhaftes Wasserlösen sowie ständiger Harndrang mit nur kleinen Harnportionen. Weiter kann auch Blut im Urin vorkommen.
 

Wie wird eine Blasenentzündung diagnostiziert?

Bei jungen Frauen sprechen alleine schon die eindeutigen Symptome für eine Blasenentzündung und es braucht in der Regel keine weiteren Abklärungen. Anders sieht es aus, wenn immer wieder Blasenentzündungen auftreten. Bis zwei Blaseninfekte pro Jahr sind normal, kommen diese häufiger vor, sollten die vorhandenen Bakterien genauer untersucht werden.
 

Welche Faktoren können eine Blasenentzündung begünstigen?

Bei jungen Frauen ist einer der Hauptfaktoren die sexuelle Aktivität. Bei älteren Frauen hingegen sind oft anatomische Veränderungen  wie Beckenbodenschwäche, Senkung der Harnblase oder der Gebärmutter und ein Hormonmangel Hauptgründe für Blasenentzündungen.
 

Sie haben eben erwähnt, dass bei jungen Frauen einer der Hauptgründe für Harnwegsinfekte sexuelle Aktivität ist. Wie ist das zu verstehen?

Hier muss ich klarstellen: Blasenentzündungen werden nicht durch sexuelle Kontakte übertragen. Vielmehr können sexuelle Kontakte eine Blasenentzündung begünstigen.

Nämlich, indem beim vaginalen Geschlechtsverkehr Bakterien durch die Reibung des Penis in die Harnröhre der Frau gelangen. Zudem können Spermizide, mit welchen auch Kondome imprägniert sind, Harnwegsinfekte begünstigen.
 

Bei mehr als drei Blasenentzündungen in einem Jahr wird von häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten gesprochen. Was kann man vorbeugend dagegen tun?

Da gibt es eine ganze Menge. Bei Frauen nach den Wechseljahren sollte man eine lokale Hormontherapie in Betracht ziehen, sie erhöht die Abwehr im Blasenbereich. Zudem hat sich der Einfachzucker, D-Mannose, als sehr wirksam erwiesen.

Dieser hindert die Darmbakterien daran, sich an der Blasenwand festzusetzen. Ebenso kann eine  Schluckimpfung prophylaktisch gegen Blasenentzündungen eingesetzt werden. Auch pflanzliche Stoffe erweisen sich oftmals als sehr wirksam.
 

Nasse Badekleider, kalte Füsse, String-Unterwäsche – begünstigen diese Faktoren tatsächlich eine Blasenentzündung?

Dafür gibt es wissenschaftlich relativ wenige Belege. Bei Frauen, die im Blasenbereich empfindlich sind, können diese Faktoren dazu beitragen, dass die Immunabwehr herabgesetzt ist, und sollten deshalb vermieden werden.
 

Wie wird eine Blasenentzündung behandelt?

Klassischerweise mit Antibiotika. Es gibt aber eine zunehmende Resistenzentwicklung der Bakterien, weswegen wir immer wieder auf andere Massnahmen zurückgreifen, etwa auf entzündungshemmende Medikamente. Zudem haben Blasenentzündungen ein hohes Potenzial von selber wegzugehen, wenn man etwas Geduld hat. Dabei sollte man viel trinken und den Blasenbereich mit einer Wärmflasche warm halten. Die meisten Blasenentzündungen sind nach drei Tagen ausgeheilt.
 

Besteht nicht die Gefahr, dass ein unbehandelter Blaseninfekt eine Nierenbeckenentzündung nach sich zieht?

Nein, wenn man keine Risikofaktoren wie eine angeborene Fehlbildung der Nieren hat oder eine Schwangerschaft besteht, muss man davor keine Angst haben.
 

Während der Schwangerschaft kann eine harmlose Blasenentzündung schwere Folgen haben. Auf was sollte man hier achten?

In der Schwangerschaft ist der Harnleiter weiter gestellt als sonst und es kommt daher häufiger zu Blaseninfekten. In der Schwangerschaft muss eine Blasenentzündung immer antibiotisch behandelt werden, da eine Nierenbeckenentzündung zur Frühgeburt führen kann.