Verschiedene Rekonstruktionsmöglichkeiten

«Die Brustkrebschirurgie hat sich in den letzten Jahren entscheidend weiterentwickelt», erklärt PD Dr. med. Jian Farhadi. Im Zentrum stehen immer die persönlichen Wünsche. Kommt es zu einer Sofortrekonstruktion, wird zuerst die sogenannte «hautsparende Mastektomie» durchgeführt. Das Brustdrüsengewebe wird über einen kleinen Schnitt um die Brustwarze herum entfernt, die gesamte Haut jedoch beibehalten.

Dann gibt es grundsätzlich drei Arten des Brustaufbaus: 1) mit einem Implantat aus Silikon, 2) kombiniert mit Eigengewebe vom Rücken oder 3) nur Eigengewebe vom Bauch, vom Oberschenkel oder vom Gesäss. Heute stehen Implantate von höchster Qualität in einer sehr breiten Palette von Grössen und Formen zur Auswahl, sodass das Resultat einer möglichst natürlichen Brust auch mit einem Fremdkörper realistisch ist.

Am meisten entwickelt haben sich in den letzten Jahren die Techniken mit Eigengewebe: «Da in den meisten Fällen kein Muskelmaterial, sondern Fettreserven zur Rekonstruktion der neuen Brust transplantiert werden, sind solche Eingriffe heute viel schonender und gleichzeitig dauerhafter geworden,» so Dr. Farhadi.

Krankheit behandeln und Lebensqualität bewahren

Für viele Patientinnen stellt sich die Frage einer Brustwiederherstellung erst zu einem späteren Zeitpunkt. Bei manchen Patientinnen wächst der Wunsch nach einem Brustwiederaufbau tatsächlich erst mit der Zeit –  oder sie hatten zum Zeitpunkt der Erkrankung noch keine Kenntnisse über heutigen Rekonstruktionsmöglichkeiten. Eine Brustwiederherstellung ist auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich, aber mit zusätzlichem Aufwand und weiteren Operationen verbunden.

«Die richtige Brustkrebsbehandlung soll onkologisch wirksam sein, das beste kosmetische Resultat erzielen und ohne Umwege zum Ende der Behandlung führen», sagt Dr. med. Cédric A. George. Dem Erhalt der Weiblichkeit und der Lebensqualität ist deshalb ebenso viel Wichtigkeit beizumessen wie der Behandlung der Grundkrankheit.

So endet nicht selten eine falsch indizierte oder nicht fachmännisch ausgeführte brusterhaltende Therapie wegen eines Rückfalls am Ende doch bei einer Mastektomie, was für die betroffene Patientin mit zusätzlichem Leid verbunden ist.

Brustentfernung aus präventiven Gründen

Angelina Jolie hat sich aufgrund eines nachweislich hohen, genetisch bedingten Brustkrebsrisikos vor kurzem beide Brüste prophylaktisch entfernen und mittels Implantaten sofort wieder aufbauen lassen. Sie gehört zu den wenigen Frauen, die als Hochrisikopatientinnen eingestuft werden, weil sie Trägerinnen des krankheitsauslösenden Gens BRAC1/BRAC2 sind.

«Daraus abzuleiten, dass sich jede Frau vorsorglich einem Gentest unterziehen sollte, wäre falsch», meint Dr. George. Richtig und wichtig ist, dass Frauen, in deren Familien bereits mehrfache Brustkrebsfälle aufgetreten sind, von dieser Möglichkeit Gebrauch machen können. Die Frage letztlich ist, was die Schlussfolgerungen eines solchen Befundes sind. Konnte das Gen nachgewiesen werden, sollte zuerst eine Zweitmeinung bei einem onko-plastischen Spezialisten eingeholt werden.

Genauso wesentlich: Nur ein erfahrener Chirurg soll die Operation durchführen.