Zuckersteuer?

Als Adipositas, das heisst starkes Übergewicht, wird eine chronische Krankheit bezeichnet, die gleichzeitig Ursache für zahlreiche Begleiterkrankungen ist.

Sie ist weiterhin auf dem Vormarsch, trotz weltweiter Bestrebungen, diese verhängnisvolle Entwicklung in den Griff zu bekommen. «Der Mensch ist genetisch nicht dafür ausgerüstet, Gewicht zu verlieren, die Fähigkeit, Fett als Reserve für Notzeiten anzusparen, hat ihm im Gegenteil früher das Überleben gesichert», erläutert Heinrich von Grünigen, Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung SAPS.

«Heute leben wir aber kalorienmässig im Überfluss.» Was die Prävention betrifft, setze die Schweiz nach wie vor voll auf die Eigenverantwortung des Individuums und auf freiwillige Massnahmen der Lebensmittelindustrie.

«Das ist eine fatale Strategie, denn die Umwelteinflüsse sind letztlich stärker als der gute Wille des Einzelnen», betont von Grünigen. Eine Zuckersteuer etwa, hätte unter den gegebenen politischen Voraussetzungen fast keine Chance. «Der Rohstoff Zucker wird aber über kurz oder lang besteuert werden müssen, wenn die Krankheit weiter fortschreitet», zeigt sich von Grünigen überzeugt.

Wirksame Therapie

Heute ist der chirurgische Eingriff am Magen-Darm-Trakt die wirksamste Methode gegen Adipositas, da eine konventionelle Therapie durch Verhaltensänderung erfahrungsgemäss in den seltensten Fällen einen Langzeit-Erfolg garantiert.

Von den rund 140'000 schwer Adipositas-Betroffenen mit einem BMI über 35 werden jährlich rund 6000 Patienten operiert. Wissenschaftlich geprüfte Alternativen sind derzeit noch nicht in Sicht.

Wenn jemand erfolgreich sein Gewicht reduziert hat, hänge in manchen Fällen die überschüssige Haut am ganzen Körper schlaff herunter, was die Lebensqualität massiv beeinträchtigt, sagt von Grünigen.

In der Regel würden sich die Krankenkassen weigern, die Kosten für eine Wiederherstellungs-OP zu übernehmen, da sie diese als «kosmetische Schönheits-Operation» einstufen. «Das ist eine inakzeptable Diskriminierung von Menschen, die so schon unter Vorurteilen zu leiden haben», moniert von Grünigen.