1 von 1000 Personen

In der Schweiz leiden geschätzt 800000 bis eine Million Menschen unter Migräne, bei den Cluster-Kopfschmerzen trifft es 1 von 1000 Personen. «Cluster-Kopfschmerzen sind äusserst heftige, streng einseitige Kopfschmerzen.

Die Schmerzen treten in Attacken mehrfach täglich auf, oft auch in der Nacht», erläutert der Facharzt Andreas R. Gantenbein. Sie werden von Symptomen wie einem tränenden und geröteten Auge, einem geschwollenen Lid und einer laufenden Nase begleitet. Dabei empfinden die Betroffenen eine Bewegungsunruhe. Sie laufen umher und neigen dazu, mit dem Oberkörper zu schaukeln.

Cluster-Kopfschmerzen manifestieren sich in mehreren Symptomen. Dazu gehören halbseitige, sehr starke Kopfschmerzen, immer auf derselben Kopfseite. Die Beschwerden lassen sich oft örtlich begrenzen auf Auge, Stirn oder Nasenwurzel.

Sie treten zudem plötzlich und in Attacken auf. Dabei wird eine ausgeprägte Tagesrhythmik beobachtet: Am häufigsten kommt es ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen, in den frühen Morgenstunden und nach der Mittagszeit zu Anfällen.

Die Häufigkeit variiert zwischen jedem zweiten Tag und achtmal täglich, die Dauer der Attacken ist kurz und variiert zwischen 15 und 180 Minuten. Die Beschwerden treten typischerweise in Serien (Cluster-Periode) auf, mit beschwerdefreien Phasen von Monaten oder Jahren, und sie manifestieren sich vorzugsweise im Frühling und Herbst.

Verschiedene Ursachen

Die Ursachen des Cluster-Kopfschmerzes sind nicht geklärt. Mittlerweile vermuten Fachleute, dass mehrere Faktoren für die heftigen Schmerzen verantwortlich sind. «Zum einen scheint der Schlaf-wach-Rhythmus im Gehirn gestört zu sein, wofür die Häufung der Clusterattacken zu bestimmten Tages- beziehungsweise Nachtzeiten spricht, genauso wie die Häufung im Frühling und Herbst», erklärt Gantenbein.

Als weitere Ursache ziehen Forscher eine Art Netzwerkstörung in Bereichen der Schmerzverarbeitung des Gehirns in Betracht. Genaue Vererbungsfaktoren sind noch nicht bekannt, aber es scheint zu familiären Häufungen zu kommen.

So gaben bei verschiedenen Untersuchungen zwischen 5 und 7 von 100 Cluster-Kopfschmerz-Betroffenen an, dass nahe Verwandte ebenfalls unter den Kopfschmerzattacken leiden.

Reiner Sauerstoff wirkt

Diagnostiziert wird die Erkrankung anhand der auftretenden Symptome. Zur Erstabklärung gehört in der Regel auch ein MRI-Bild. Die Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen sollte unbedingt ärztlich begleitet werden, eventuell sogar von einem Facharzt. «Es gibt einige Medikamente, die sowohl in der Akutbehandlung wie auch in der Prävention gute Erfolge zeigen», sagt Gantenbein.

Die als Migränemittel zugelassenen Triptane sind oft bei Cluster-Kopfschmerzen wirksam – allerdings nur als Spritze und Nasenspray. In dieser Form umgehen sie den Magen-Darm-Trakt und wirken schnell genug für die kurze Attackendauer von Cluster-Kopfschmerzen.

Reiner 100-pozentiger Sauerstoff über eine Gesichtsmaske mit Rückatembeutel (Non-Rebreather-Maske) hilft bei acht von zehn Betroffenen.

Cluster-Kopfschmerzen schränken die Patienten in ihrem Alltag ein. «Einerseits durch den Schmerz während der Attacke, anderseits ist auch die Schlafphase gestört, da die Attacken oft auch in der Nacht auftreten», so Gantenbein.

Unterschied zur Migräne

«Migränekopfschmerzen können auch halbseitig auftreten, müssen aber nicht», erklärt der Facharzt für Neurologie. Doch anders als bei der Migräne, bei der die Betroffenen sich lieber ins Bett zurückziehen, befällt die Cluster-Kopfschmerz-Patienten ein Bewegungsdrang: Sie laufen umher. Ausserdem zeigen sie sogenannte autonome Symptome, wie ein tränendes, gerötetes Auge, eine Lidspaltenenge oder eine laufende Nase.

Allerdings scheinen 3 bis 5 von 100 Betroffenen keine der Begleitsymptome zu bekommen, was die Abgrenzung erschweren kann. Ebenso können auch bei Cluster-Kopfschmerzen migränetypische Symptome wie Übelkeit, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit auftreten.

Bei der Migräne kommt unterdessen ein neues Medikament in Form einer Spritze zur Anwendung. Sie soll Migräne-Patienten von ihrem Leiden befreien. Das Medikament ist derzeit ausschliesslich nur für Migräne-Patienten zugelassen.

Es wurde inzwischen aber auch an Cluster-Patienten getestet. Diese Spritze ist allerdings sehr teuer. Unter bestimmten Voraussetzungen kommen die Krankenversicherer bei Migräne-Patienten für die Kosten auf.

Studien haben gezeigt, dass die Spritze allerdings nicht bei allen Patienten wirkt. «Sie ist aktuell sicher nicht die erste Wahl für die Migränebehandlung», bestätigt Gantenbein. «Patienten, bei denen sie wirkt, profitieren aber von einer merklich gesteigerten Lebensqualität.»

Sind Migräne-Patienten, bei denen die Spritze wirkt – ähnlich wie Diabetiker –, ihr Leben lang auf diese Spritze angewiesen? Das wisse man derzeit noch nicht, so Gantenbein. Nach einem Jahr müsse eine Pause eingelegt und abgeklärt werden, ob die Spritze weiterhin indiziert sei.