Das Myelodysplastische Syndrom kann als Vorstufe der Leukämie gesehen werden, kommt den Menschen mit dieser schwer verständlichen Bezeichnung aber noch rätselhafter vor. Ähnlich wie bei der Leukämie funktioniert bei MDS die Blutbildung fehlerhaft. Allerdings geschieht dies als Teil eines Prozesses, an dessen Ende durchaus eine Leukämie-Erkrankung stehen kann.

Bei nur einigen Hundert betroffenen Schweizern ist MDS eine sehr seltene Krankheit. Diese haben gemein, dass bei der Diagnose nicht auf allzu viele Forschungsergebnisse zurückgegriffen werden kann. Da die Krankheit zudem schleichend beginnt, gestaltet sich die Diagnose von MDS recht schwierig.

Doch in den vergangenen Jahren haben sich hier Fortschritte gezeigt, wie der Präsident der Krebsliga Schweiz, Professor Jakob Passweg, erläutert: «Aufgrund klar definierter Diagnosekriterien können wir das MDS nun schneller erkennen, und auch die genetischen Defekte der Tumorzellen, welche die Krankheit auslösen, sind besser klassifiziert.»

Alter entscheidet über die Behandlungsform

Die Krankheit ist variabel und es zeigen sich im Frühstadium wenig Beschwerden. In ihrem Verlauf treten jedoch Blutungen in Mund und Nase oder auch Magen-Darm-Trakt auf. Zudem kommt es zu Hämatombildung am ganzen Körper. Aufgrund der geringen Lebenserwartung bei fortgeschrittener Krankheit heisst es, nach der Diagnose keine Zeit zu verlieren. Das Durchschnittsalter beträgt hierbei 68 Jahre.

Von MDS sind somit vorwiegend ältere Menschen betroffen. Es gibt Medikamente, welche das Fortschreiten der Krankheit verzögern und das Leben verlängern. Eine Heilung kann dabei mit Stammzelltransplantation erreicht werden, die Behandlung ist aber mit grossen Belastungen verbunden. Diese sind gerade für ältere Menschen nicht leicht zu verkraften. Deshalb ist manchmal nur das Lindern der Leiden das Ziel, besonders wenn ein sehr alter Mensch betroffen ist. Professor Passweg sagt jedoch: «Es gibt grosse Unterschiede beim Fitnesszustand der Erkrankten.

Ein 70-Jähriger kann in einer besseren Verfassung sein als ein zehn Jahre jüngerer Betroffener. Das biologische Alter ist also für uns entscheidend.» Die Entscheidung über die Behandlung kann man letztlich nur im offenen Dialog mit den Patienten treffen. Das ist manchmal sehr schmerzhaft, wenn die Wünsche des Patienten auf Heilung und die Möglichkeiten der Therapie auseinanderklaffen.

Behandlung auf Zeit   

Zudem werden die eingesetzten Medikamente nicht von jedem Menschen gleichermassen gut vertragen, auch die Nebenwirkungen sind individuell sehr unterschiedlich. Der Präsident der Krebsliga erläutert: «In manchen Fällen sind wir uns bei allen Voruntersuchungen und Gesprächen nicht sicher, wie der Patient auf die Behandlung reagiert. Dann spricht nichts dagegen, die Therapie zu beginnen und nach etwa zwei Monaten gemeinsam zu überlegen, ob es Sinn macht, fortzufahren.»

MDS ist nach wie vor eine gefährliche Krankheit. Durch die Forschung, die Entwicklung neuer Medikamente und die Zusammenarbeit von Medizinern hat sich die Situation im Hinblick auf Diagnose und Behandlung jedoch stark verbessert.