Wechseljahre, Menopause, Klimakterium – es gibt viele Begriffe für jene Lebensphase, der zahlreiche Frauen mit Unbehagen entgegenblicken. Aufgrund der Veränderung des Hormonhaushalts während der prämenopausalen Zeit lässt allmählich die Eierstuckfunktion nach, der Körper wandelt sich, die Regelblutung fällt aus. Dies geschieht meistens zwischen 45 und 55 Jahren. Medizinisch gesehen ist der Zeitpunkt der Menopause der Übergang von der fruchtbaren Phase zum Alter. Das Klimakterium kann jedoch mehr sein als nur eine lästige Erscheinung. Es kann einen Wendepunkt markieren.

Es wird heiss

Trotz der zahlreichen körperlichen Veränderungen sind Beschwerden nicht vorprogrammiert. «Die Menopause ist eine Zeit im Leben einer Frau, die sehr individuell ist. Es gibt Frauen, die keine oder nur wenige Symptome aufweisen, während andere enorm leiden», erklärt Franziska Maurer, Chefärztin der Frauenklinik Bürgerspital Solothurn und Präsidentin von Gynécologie Suisse (SGGG). Es sei folglich falsch zu glauben, dass die teils quälenden Symptome während der Menopause lediglich mit der persönlichen Einstellung zu tun hätten.

Eingeläutet wird die Menopause durch den Ausfall des Progesterons. Dieser Verlust hat nicht nur psychische Auswirkungen, wie etwa Unausgeglichenheit zur Folge, sondern macht sich auch physisch bemerkbar. Immer häufiger bilden sich Wassereinlagerungen oder es entsteht Bluthochdruck. Kurz darauf wird auch das Östrogen im Körper reduziert.

Für die betroffenen Frauen kann dies Schlafstörungen, Gelenkschmerzen, Hitzewallungen und Schweissausbrüche bedeuten. Von diesem wohl bekanntesten Phänomen der Wechseljahre – den Hitzewallungen – sind insbesondere Gesicht, Hände und Brust betroffen, die dann zwischen 30 Sekunden und drei Minuten überdurchschnittlich warm werden. Seelische oder körperliche Belastungen sowie der Konsum von Genussmitteln wie Kaffee, Zigaretten oder Alkohol können diese Symptome zusätzlich verstärken.

Erst einige Jahre nach Beginn der Wechseljahre fallen schliesslich auch die Androgene, also die männlichen Hormone, weg. Damit verbunden sind ein reduziertes Lustempfinden, ein verstärkter Schrumpfungsprozess an Haut und Organen und eine unvorteilhafte Veränderung des Verhältnisses zwischen Fett- und Muskelmasse.

Natürlich oder chemisch?

Um diese Beschwerden zu lindern, rät die Gynäkologin Franziska Maurer zu einfachen, alternativen Therapien wie etwa mittels der Heilpflanze Traubensilberkerze. Doch auch bei natürlichen Heilmitteln sollten nur qualitativ geprüfte und registrierte Produkte eingenommen werden. «Insbesondere sollten die Medikamente nicht im Internet gekauft werden. Bei diesen Präparaten fehlen jegliche Studien zu Langzeitnutzen, Nebenwirkungen und Risiken», so Maurer.

Sollten die natürlichen Therapieversuche nicht zum Erfolg führen, können Hormonersatzpräparate Abhilfe schaffen. Der Mangel an körpereigenen Hormonen wird durch die Verabreichung der Hormonersätze aufgehoben, wodurch die Symptome verschwinden. Wie jedes Medikament müssen auch Hormonersätze individuell eingesetzt werden, erklärt Maurer. «Eine Hormonersatztherapie soll nicht wie in vielen älteren Studien an Frauen abgegeben werden, die keine dieser Beschwerden hatten. Grundsätzlich gilt also: so tief wie möglich, so hoch wie nötig», so die Gynäkologin weiter. Die Dauer der Einnahme soll zudem regelmässig reevaluiert werden.

Obschon bei den meisten Frauen keine Nebenwirkungen auftreten, können Hormonersatztherapien je nach Dosis, Behandlungsdauer und -form verschiedene Begleiterscheinungen wie etwa minimer Gewichtsanstieg, Brustspannen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen, auslösen.

Erhöhtes Brustkrebsrisiko?

Ein grosser Studienarm der Women’s Health Intiative (WHI)-Studie musste vor zehn Jahren abgebrochen werden, weil von insgesamt 10 000 Frauen, die ein kombiniertes Präparat an Östrogen und Gestagenen eingenommen haben, 38 an Brustkrebs erkrankt sind. Erwartet wurden durch die normale Population 30 Erkrankungen. Zwei Jahre später konnte ein zweiter Studienarm, während dem nur Östrogene verabreicht wurden, mit weniger Brustkrebs-Fällen beendet werden.

Das möglicherweise mit einer Hormonabgabe verbundene erhöhte Brustkrebsrisiko betrage weniger als 0,1 Prozent und liege damit unter dem Risikoanstieg bei bekannten anderen Faktoren wie Übergewicht, Alkohol und Nikotin, gibt Maurer Entwarnung. «Übergewicht erhöht das Brustkrebsrisiko. Wenn aber eine übergewichtige Frau Hormone dazu nimmt, hat sie im Vergleich das kleinere Risiko als eine schlanke Frau, die zusätzlich raucht, Alkohol trinkt und Hormone einnimmt», sagt Maurer weiter.