Die Aufgabe des Hausarztes ist meist nicht nur eine optimale Einstellung des Blutzuckers. Menschen mit einer Zuckererkrankung im Alter haben häufig zusätzliche Probleme wie einen erhöhten Blutdruck, erhöhte Blutfette, Knochenschwund, Gelenkprobleme und Übergewicht. Alle diese Erkrankungen müssen mitbehandelt werden.

Gerade in Situationen, wo mehrere Probleme behandelt werden müssen, ist der Patient in hohem Masse unter Druck. Er sollte eine Diät einhalten, die fettarm, zuckerarm und kalziumreich ist, und er sollte abnehmen. Er sollte mit Rauchen aufhören und sich viel bewegen.

Gerade in Situationen, wo mehrere Probleme behandelt werden müssen, ist der Patient in hohem Masse unter Druck

Wir verlangen also viel von unseren Patienten. Häufig ist der Patient am Anfang motiviert, mit der Zeit sinkt aber die Motivation, denn diese Änderungen müssen den Rest des Lebens anhalten, da Medikamente alleine zur Behandlung nicht genügen.

Der Betroffene muss in die Behandlung einbezogen werden. Dinge, die ihm wichtig sind, sollten möglichst respektiert werden. Er muss spüren, dass seine Anliegen ernst genommen werden. Dafür ist ein Vertrauensverhältnis zum Arzt notwendig, das meistens in der Beziehung zum Hausarzt gegeben ist.

Zusammen kann ein Therapieplan erstellt werden, der den Wünschen des Betroffenen und den medizinischen Notwendigkeiten Rechnung trägt. Ein Kompromiss, bei dem beide Partner Abstriche machen müssen und der dem Betroffenen genug Lebensqualität ermöglicht.

Gerade eine solche individuelle Therapie ist die Stärke des Hausarztes und ermöglicht die in Studien bestätigten guten Langzeiterfolge der hausärztlichen Behandlung.

In eigener Sache:

Aus den obigen Ausführungen wird deutlich, wie vielfältig und komplex die Arbeit des Hausarztes ist. Fast jeder Hausarzt macht seine Arbeit gerne. Trotzdem ist die Zahl der Ärzte, die Hausarzt werden wollen, viel zu gering.

Einerseits ist die Arbeitsbelastung vor allem in ländlichen Regionen wegen des Notfalldienstes sehr hoch. Andererseits ist die offizielle Wertschätzung, sowohl vom Bund als auch von den Krankenkassen, die sich in der Entlöhnung äussert, gering, auch wenn offiziell das Gegenteil gesagt wird.

Es braucht deshalb für die Hausärzte eine deutliche Steigerung des Einkommens und Lösungen für den Notfalldienst.