Der Begriff «Mittelmeerfieber» lässt auf den ersten Blick vermuten, dass da jemand zu viel Sonne von einer Kreuzfahrt abbekommen haben könnte ...

Der Eindruck täuscht. Das familiäre Mittelmeerfieber (FMF) heisst so, weil diese Erkrankung vor allem Personen aus dem Mittelmeerraum und dem mittleren Osten betrifft. Man spricht auch von einer Seidenstrassen-Erkrankung. Sie kommt in anderen Weltgegenden noch seltener vor.

Was sind die besonderen Symptome dieser Krankheit?

In den meisten Fällen tritt eine schwere Bauchfellentzündung auf. Die Hauptsymptome sind heftigste Bauch-, auch Gelenk- und Brustschmerzen sowie Fieber. Die Schübe dauern jeweils ein paar wenige Tage und hören dann von selbst wieder auf.

Die Bauchschmerzen sind aber so stark, dass die Betroffenen medizinische Hilfe suchen. Weil die Symptome ähnlich wie bei einer akuten Blinddarmentzündung sind, wird gelegentlich unnötigerweise der Blinddarm entfernt.

Wird FMF vererbt?

Ja, FMF ist eine Genkrankheit, das heisst, sie ist auf einen kleinen Fehler (Mutation) in der Erbsubstanz (DNS, englisch DNA) zurückzuführen. Dies ergibt eine ungenügende Steuerung von Entzündungen, die leicht ausser Kontrolle geraten können und zu den erwähnten Attacken führen. Ein Kind kann aber die Krankheit bekommen, ohne dass die Eltern selber Krankheitssymptome aufweisen.

Um an FMF zu erkranken, muss man meistens zwei veränderte Gene haben, eines von der Mutter und eines vom Vater. Die Erkrankung wird typischerweise auch in der Verwandtschaft gefunden, zum Beispiel bei Onkeln oder Geschwistern.

Ist FMF ansteckend?

Nein, in keinem Fall.

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Es gibt erstens eine klinische Verdachtsdiagnose. Bei wirklich heftigen und sich nach ruhigen Tagen bis Wochen wiederholenden Bauchwehattacken mit hohem Fieber sollte man FMF in Betracht ziehen.

Das Aufsuchen eines ausgewiesenen Spezialisten ist dann sehr empfehlenswert. Er wird genauere Laboruntersuchungen in die Wege leiten.

Kann man FMF heilen?

Nein, aber es gibt eine äusserst wirksame und gleichzeitig kostengünstige Therapie ohne grössere Nebenwirkungen: Durch eine lebenslange Einnahme von Colchicin lassen sich wiederkehrende Schübe verhindern, wenn dieser Wirkstoff in der richtigen Dosierung eingenommen wird.

Colchicin entstammt der Pflanze Herbstzeitlose. In den allermeisten Fällen hilft dieses seit Langem bekannte Medikament. Wenn Colchicin nicht genügend wirkt, steht ein gentechnisch erzeugter Antikörper, ein Biotherapeutikum, zur Verfügung. Diese Therapie ist allerdings sehr teuer.

Welche Komplikationen sind bei einem unbehandelten FMF zu erwarten?

Bei einer verspäteten Diagnose oder einer Nichtbehandlung steigt vor allem das Risiko einer gefährlichen Amyloidose, eines krankhaften Ablagerungsprozesses eines Entzündungsstoffes, der je nach betroffenem Organ zu grossen gesundheitlichen Schäden und sogar zum Tod führen kann.