Die Scheidentrockenheit ist ein Tabuthema, das nur selten in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Eigentlich seltsam, denn jede zweite Frau leidet während der Wechseljahre darunter. Die Dunkelziffer könnte sogar noch viel höher sein, da sich viele Frauen nicht getrauen, über ihre Scheidentrockenheit zu sprechen oder Hilfe zu suchen.  Dabei ist der Vorgang überaus natürlich: Die Hormone stellen sich um, die Östrogenproduktion nimmt ab, was zu einer Rückbildung der Vaginalschleimhaut führt.  Zusätzlich werden Vagina und Vulva weniger stark durchblutet. Dies mindert die Elastizität der Scheide, macht sie dünner, empfindlicher und anfälliger für Verletzungen.

Auch junge Frauen leiden
Nicht nur Frauen in den Wechsel­jahren, sondern auch junge Frauen leiden an Scheidentrockenheit. Ein typischer Grund ist Stress; es kann aber auch physische Hintergründe  haben. So trocknet eine Pilzinfektion die Scheide aus, da der Pilz die oberste Schleimschicht in der Vagina ablöst. Aber auch eine Chemotherapie, Bluthochdruck,eine Geburt oder ­Diabetes können die ­Übeltäter sein.

Entzündungen und Risse
Diese Trockenheit kann mehrere unangenehme Nebeneffekte haben. Da sich keine gesunde Scheidenflora entwickeln kann, drohen Blasenentzündungen, Infektionen, Pilze, Risse und Fissuren im Scheidenbereich sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Besonders Letzteres ist für viele Frauen mühsam, da die Freude am Sex deutlich getrübt wird und der Geschlechtsverkehr teilweise ganz gemieden wird.  Zudem empfinden es viele Frauen als unangenehm, mit dem Partner über das Thema zu sprechen, Schuld- und Druckgefühle verschlimmern die Situa­tion zusätzlich. Dabei sollte eine Frau auch während und nach den Wechseljahren ein erfülltes Sexualleben geniessen können, da sie eigentlich erst ab 30 ihre sexuell aktivste Phase erreicht.

Hormone und Sitzbäder
Die gute Nachricht: Es gibt viele Hilfsmittel gegen eine trockene Scheide. Geht es um den Geschlechtsverkehr, kann ein ausgedehntes Vorspiel bereits helfen. Die Frau sollte sich nicht davor scheuen, ihrem Mann die Bedürfnisse und erotischen Wünsche mitzuteilen – so fühlt sie sich gelöster und freier. Ist die Frau in den Wechseljahren, gibt es Arzneimittel, die den niedrigen Östrogenspiegel anheben sollen. Sie enthalten eine kleine Dosis des Hormons und werden lokal angewendet, entweder als Creme, als Zäpfchen oder als Ovulum. Wem das nicht weit genug geht, kann auch eine Hormonersatztherapie prüfen. Während des Sex helfen Gleitmittel oder Feuchtigkeitsgels; Kondome mit Gleitfunktion verstärken den Effekt zusätzlich.  Beckenbodengymnastik kann die Durchblutung im unteren Bauchbereich anregen und die Elastizität der Scheide erhöhen. In der Apotheke sind auch mehrere Naturheilmittel wie Globuli, Spagyrik oder Sprays gegen Scheidentrockenheit erhältlich. Wichtig ist, dass die Frau offen und ehrlich über das Thema sprechen kann – sei es mit dem Partner, dem Arzt oder dem Apotheker. Die Tabuisierung der Scheidentrockenheit führt schnell dazu, dass Frau sich mit ihrem Problem alleine fühlt. Das Wissen, dass die Hälfte der Frauen unter dem gleichen Problem leiden, sollte aber als Anstoss wirken, um sich Hilfe zu ­holen.