Haarpracht auf dem Haupt – so sexy, so vital. Viele Männer leiden, wenn die Haare ausfallen und es sich auf dem Kopf allmählich lichtet. Wie unmännlich. Aber noch viel unmännlicher: sich einer Haartransplantation zu unterziehen. Schönheitseingriffe am Mann – dafür sind viele zu stolz. Oder sie waren es bis vor kurzem.
Wenn sich Hollywood-Stars wie Mel Gibson, Kevin Costner oder John Travolta sich zur Haartransplantation bekennen, ist das nichts Besonderes. Ebenso wenig, wenn es der deutsche Modezar und Paradiesvogel Harald Glööckler tut und dazu meint: «Sein Haus lässt man ja schliesslich auch renovieren.»

Rooney und Klopp
Erstaunlich ist aber, dass jetzt sogar Fussballer und Fussballtrainer öffentlich zum Eingriff stehen. Wayne Rooney, Torjäger von Manchester United, bullig und rüpelhaft – und so einer geht in die Haarklinik? Jürgen Klopp, Erfolgstrainer von Borussia Dortmund, Rumpelstilzchen am Spielfeldrand, nie um einen frechen Spruch verlegen – ist der nicht viel zu männlich für eine Haartransplantation? Nein!
Rooney erklärt den Gang in die Klinik so: «Man will doch nicht alle Haare verlieren, vor allem nicht mit zwanzig! Es hat mich zwar nie richtig deprimiert. Aber ich fand es ein bisschen stressig. Jeder Mann, der seine Haare verloren hat, weiss genau, was ich meine. Das ist kein Spass. Über das Resultat bin ich hocherfreut.» Auch Klopp ist zufrieden mit seiner neuen Mähne: «Cool!»

Richtig männlich
Dass heute viel mehr Männer sich einer Haartransplantation unterziehen lassen, liegt wohl einerseits daran, dass Eitelkeit generell salonfähiger ist und dass VIPs zum Eingriff stehen. Anderseits lässt sich der Boom auch mit dem natürlich aussehenden Resultat erklären: Dank neuster Technik sieht das Haar nach der Transplantation nicht mehr wie ein unregelmässig gemähter Rasen aus. Sondern sexy und vital – richtig männlich.

«Ich sehe viele Klobürsten»

Dr. Conradin von Albertini führt Haartransplantationen nach neuster Technik durch. Wird er künftig Haare klonen?

■ Für wen eignet sich eine Haartransplantation? für wen nicht?
In Frage kommen bei vererblichem Haarausfall Männer wie Frauen, wenn sie genügend Haar am Hinterkopf haben. Nur dieses wächst ein lebenslang nach und darf verpflanzt werden. Nicht geeignet sind Patienten mit dünnem, lichtem Haar oder krankhaftem Haarausfall.

■ Nehmen Sie alle Patienten an?
Bei ungenügender Spenderregion am Hinterkopf lässt sich nichts machen. Allzu jungen Patienten rate ich zu warten, bis der zukünftige Haarverlust abschätzbar wird.

■ Wie lange sieht man nach der Transplantation «komisch» aus?
Zweidrittel der Patienten können nach dem Eingriff direkt wieder unter die Leute. Beim Rest ist der Stirn-Augenbereich während zwei bis fünf Tagen etwas geschwollen.

■ Promis wie Berlusconi, Klopp oder Rooney haben die Haartransplantation salonfähig gemacht. Spüren Sie einen Effekt?
Die Nachfrage hat deutlich zugenommen, und zwar querbeet in allen Gesellschaftsschichten. Leider sehe ich auch mehr Fälle, die eine Korrektur nach einem Pfusch benötigen, z.B. wegen grob verpflanzter Haarinseln, der so genannten «Klobürste». Es sollten wirklich nur erfahrene, ärztlich ausgebildete Haarchirurgen den Eingriff durchführen.

■ Wie unterscheidet sich Ihre Methode von anderen?
Ich habe mich auf grosse Haartransplantationen mittels der Einzelhaarentnahme («FUE») spezialisiert. Ich entnehme und verpflanze an einem Tag bis zu 2000 und mehr einzelne Transplantate (FU), also rund 6000 Haare. Die mikroskopisch kleinen Entnahmestellen bleiben später auch bei Kurzhaarfrisuren unsichtbar. Anders bei der Streifenmethode: Hier entsteht immer eine längliche Narbe.

■ Wie sieht die Zukunft der Haartransplantation aus?
Seit Jahren wird über das Haarklonen gesprochen. Leider sind wir noch nicht so weit, dass man Haare züchten und danach implantieren kann.