Facts

- Patient mit hoher Tetraplegie und 24 Stunden Beatmungspflicht: Hier kann ein implantierter Zwerchfellstimulator es ermöglichen, ohne externes Beatmungsgerät mit dem implantierten System zu atmen.
- Durch die Implantion eines Stimulators kann die Blase elektronisch gesteuert entleert werden. Mit diesem technischen Hilfsmittel, das selbst oder durch eine Hilfsperson in Gang gesetzt wird, lässt sich die Blase annähernd normal entleeren.

Wo kommen Elektrostimulatoren heute überall zur Anwendung?
Einerseits im Bereich der Physiotherapie und Ergotherapie zur Funktionsverbesserung und zum Funktionsersatz der oberen und unteren Extremitäten sowie des Rumpfes. Anderseits zur Neuro-Modulation: der Bewegung und Stimulation der Nerven des Rückenmarks zur Anregung sowie der Tonusregulation, der Behandlung der Spastik mittels Robotik, also mit Maschinen, die eine künstliche Bewegung erzeugen. Eine weitere Möglichkeit ist das so genannte FES-Cycling, das Radfahren mit funktioneller Elektrostimulation. Elektrostimulatoren werden auch bei Patienten mit sehr hoher Tetraplegie zur Zwerchfellstimulation und Regulierung der Atmung eingesetzt. So sind diese nicht mehr auf ein externes Beatmungsgerät angewiesen. Die Neuro­urologie-Modulation schliesslich zielt auf die Beeinflussung und Stimulation von Blase sowie Schliessmuskel zur Verbesserung und Wiederherstellung der Funktion ab. Auch zur Behandlung der Inkontinenz und Schutz der Nierenfunktion werden heute Elektrostimulatoren eingesetzt.

Welche Optionen bestehen in der praktischen Anwendung?
In der Regel erfolgt die funktionelle Elektrostimulation, also der Ersatz oder die Unterstützung bestimmter Funktionen, über das Anbringen von Oberflächenelektroden. Externe Stimulationssysteme können etwa in Unterschenkelschienen eingepasst werden, so dass sie das Gehen verbessern. Neben den externen Systemen gibt es auch Implantate, das heisst Stimulatoren für die Blase und das Zwerchfell. Es wird individuell entschieden, welcher Patient was benötigt und wovon er profitieren kann. Dieser Entscheid ist abhängig vom Krankheitsbild und dem Lähmungsgrad.

Wo stösst die Anwendung an Grenzen?
Der Zeitaufwand in der praktischen Anwendung ist sehr hoch. Bei den externen Systemen ist es nicht realistisch, dass alle Patienten dies nach stationärem Aufenthalt selbstständig weiter durchführen können. Sie benötigen dazu Hilfspersonen, etwa beim Anbringen der Elektroden. Es wäre wünschenswert, wenn sich die technischen Möglichkeiten bei der Anwenderfreundlichkeit verbessern würden. Für die Industrie ist die Gruppe der Querschnittgelähmten eine relativ kleine Zielgruppe. Oft ist die Finanzierung schwierig. Weiterentwicklung und Forschung sind jedoch auf finanzielle Mittel angewiesen.

Welche Chancen eröffnen sich für querschnittgelähmte Patienten?
Ein Patient mit einer inkompletten Querschnittlähmung hat in der Fortbewegung einen Fallfuss. Der Fuss kippt nach unten und kann beim Gehen nicht über die eigene Muskelkraft hochgezogen werden. Die Stimulation des Fusshebers in der Fortbewegung ermöglicht ihm das Gehen ohne Unterschenkelschiene. Oder ein Patient mit starker Spastik in den unteren Extremitäten und im Rumpf benutzt ein Velo, kombiniert mit funktioneller Elektrostimulation, um damit seine Spastik zu reduzieren. Er kann durch den reduzierten Tonus sich sicherer etwa vom Rollstuhl auf das Bett, auf den Autositz oder aufs Sofa verschieben. Er ist damit weniger sturzgefährdet und kann unter Umständen die Medikamente gegen die Spastik reduzieren. Muskulatur, die nicht mehr willkürlich angesteuert werden kann, kann mit der funktionellen Elektrostimulation trainiert werden, zum Beispiel zur Verbesserung der Funktion des Armes und der Greiffunktion der Hand. Dies eröffnet den Betroffenen die Möglichkeit, zum Beispiel die Funktion bei gelähmter oder teilweise gelähmter Muskulatur zu verbessern und zu trainieren. Ausserdem kann man Druckstellen vorbeugen und den Stoffwechsel verbessern. Zudem können auch optische Aspekte wie der Form-Erhalt der Beinmuskulatur für den Einzelnen eine Rolle spielen.