• Typ 1
  • Typ 2
Prof. Dr. med. Roger Lehmann
Leitender Arzt und Leiter Diabetologie Stv. Leiter Transplantations-
zentrum, Leiter Inseltransplantations-
programm

Diabetes Typ 1

Der Diabetes Typ 1 ist eine chronische Erkrankung, die lebenslange Therapie erfordert. Die Forschung läuft auf Hochtouren und gibt Hoffnung, dass in Zukunft eine bessere Therapie eventuell sogar Heilung des Diabetes Typ 1 möglich sein könnte. Prof. Dr. Roger Lehman ist Diabetologe und selbst Diabetesbetroffener.

Beim Diabetes Typ 1 hat man in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme festgestellt. Welche Gründe gibt es hierfür?

Über die Ursachen wird bislang nur spekuliert. Möglich ist, dass Kinder durch zunehmende Hygiene viel weniger mit natürlichen Krankheitserregern in Kontakt kommen und sich dadurch mehr Autoimmunerkrankungen entwickeln. Es gab eine Studie, die gezeigt hat, dass Kinder auf dem Land seltener an Diabetes erkrankt sind als Kinder in der Stadt.

Was weiss man über die Entstehung eines Typ-1-Diabetes?

Beim Typ-1-Diabetes greift das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an. Warum das geschieht, ist noch nicht genau geklärt. Eine gewisse Rolle spielen sicher Erbanlagen. Zudem vermutet man, dass möglicherweise Virusinfektionen die Entstehung eines
Typ-1-Diabetes auslösen.

In welchem Alter tritt ein Diabetes Typ 1 gehäuft auf?

Grundsätzlich kann ein Diabetes Typ 1 in jedem Alter auftreten. Meine älteste Patientin mit einem neu entdeckten Diabetes Typ 1 ist 93 Jahre alt ! 50 Prozent der Erkrankungen zeigen sich jedoch im Kindes- und Jugendalter.

Welche Fortschritte wurden in den letzten Jahren bei den Behandlungsmöglichkeiten erzielt?

Obwohl es weltweit viele Forschungsansätze gibt, Typ-1-Diabetes zu heilen, ist dies bisher nicht gelungen. Zwar wurde die Transplantation von Pankreas-Inseln vor einigen Jahren in den USA und Kanada als solche gefeiert. Mit einer Transplantation kann es funktionieren, dass der Körper den Blutzuckerspiegel wieder eigenständig regelt. Dennoch eignet sich die Transplantation nur für eine kleine Gruppe Betroffener.

Einerseits übersteigt die Nachfrage bei weitem die verfügbaren Spender. Andererseits muss bei einer Transplantation das Immunsystem durch Medikamente unterdrückt werden, damit das neue, «fremde» Organ nicht abgestossen wird. Die Immunsuppressiva wiederum machen den Empfänger infektionsanfällig und haben oft Nebenwirkungen. Deshalb kommt die Transplantation nur für Patienten in Frage,

Prof. Dr. Marc Y. Donath
Chefarzt Endokrinologie, Diabetologie und Metabolismus

Diabetes Typ 2

Heute leiden acht Prozent der weltweiten Bevölkerung an Diabetes Typ 2. Der Diabetologe und Endokrinologe Prof. Dr. Marc Y. Donath wies als Erster nach, dass beim Typ-2-Diabetes zu viel Zucker im Blut die Insulin produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse umbringt.

Beim Diabetes Typ 2 hat man in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme festgestellt.  Welche Gründe gibt es hierfür?

Ein Hauptgrund sind die veränderten Lebensgewohnheiten. Wenig Bewegung, schlechte Ernährungsgewohnheiten und Übergewicht sind die wesentlichen Risikofaktoren eines Diabetes Typ 2. Damit er zum Ausbruch kommt, braucht es zusätzlich eine genetische Veranlagung.

Was weiss man über die Entstehung eines Typ-2-Diabetes?

Diabetes Typ 2 entwickelt sich schleichend und meist über viele Jahre hinweg. Die Symptome sind weit weniger ausgeprägt als beim Diabetes Typ 1 und werden leicht übersehen. Beim Diabetes Typ 2 wehrt sich das Immunsystem gegen ein Zuviel an Nahrung.

Wird der Organismus mit einem Überangebot an Nahrung strapaziert, lösen die Nährstoffe im Immunsystem ein falsches Signal aus. Es wird übermässig gebraucht und dadurch überaktiviert.

Es ist heute gut belegt, dass sich das Immunsystem bei übergewichtigen Menschen in einer chronischen Überaktivierung befindet; dies wiederum führt zu einer Verschlechterung der Insulinproduktion und der Insulinwirkung (sogenannte Insulinresistenz).

Welche Fortschritte wurden in den letzten Jahren bei den Behandlungsmöglichkeiten erzielt?

Unser Ziel ist es, in diesen Immunprozess einzugreifen und die übermässige Immunreaktion zu stoppen. Dazu werden zurzeit verschiedenste Immuntherapien zur Behandlung des Diabetes und seiner Komplikationen untersucht. 

So werden etwa Antikörper eingesetzt, die ein bestimmtes Molekül blockieren. Diese haben den Vorteil, dass sie lediglich einmal im Monat oder sogar noch seltener verabreicht werden müssen. Wir erwarten, dass durch die direkte Beeinflussung der Krankheitsentstehung ein breiter und tief greifender Effekt erzielt wird.

Dennoch dürfen uns diese vielversprechenden Aussichten nicht von einer Änderung unseres Lifestyles mit körperlicher Aktivität, ausgewogener Ernährung und Gewichtsregulierung abhalten. Im  Gegensatz zum Diabetes Typ 1 haben wir es bei Typ 2 weitgehend selbst in der Hand.

In welchem Alter tritt ein Diabetes Typ 2 gehäuft auf?

In der Vergangenheit wurde der Typ-2-Diabetes als «Alterszucker» bezeichnet. Tatsächlich erkranken in erster Linie ältere Menschen daran. Immer häufiger stellen Ärzte die Krankheit auch bei Kindern und Jugendlichen fest.