Durch andauernden Stress ausgelöste Erkrankungen gehören heute zu den weltweit schwerwiegendsten und bedeutendsten Krankheitsbildern. Dazu gehört auch das Burnout. Die Betroffenen fühlen sich ausgebrannt und erschöpft. «Das Denken, die Gefühle, der Körper, die sozialen Beziehungen, das ganze Leben sind dadurch beeinträchtigt», erläutert Martin Keck, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie.

Trotz der enormen Bedeutung werde Burnout nach wie vor häufig zu spät erkannt oder nur unzureichend behandelt. Zudem stelle Burnout einen Risikofaktor für das Auftreten anderer schwerwiegender Volkskrankheiten wie Depression, Herzinfarkt und Schlaganfall dar. Wichtig, so Keck, sei deshalb die individuelle, nachhaltige und wissenschaftlich fundierte Therapie und Begleitung. «Burnout ist heilbar. Es handelt sich dabei nicht um ein Versagen beziehungsweise eine Willensschwäche», betont Keck.

Typische Stressfolgeerkrankung

Die Fortschritte der vergangenen Jahre zeigen unterdessen ein neues und umfassenderes Bild der Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten des Burnouts. Dennoch besteht gemäss Keck noch immer ein Mangel an massgeschneiderten Vorbeugungs- und Behandlungskonzepten. Ein Burnout, so weiss man heute, wird durch andauernden Stress ausgelöst. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft in diesem Zusammenhang Stress mittlerweile als eine der grössten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts ein.

Mit gutem Grund: Aus einem Burnout kann sich unter Umständen eine Depression entwickeln. Diese kann in unterschiedlichen Formen auftreten. Typische Symptome sind aber immer eine anhaltende traurige Verstimmung oder Leere, der Verlust der Fähigkeit, sich zu freuen, sowie eine Verminderung der Energie. Weitere häufige Symptome manifestieren sich in Schlafstörungen, schlechter Konzentration, Gedächtnisstörungen, Schuldgefühlen, Appetitmangel und der Unfähigkeit, sich an Ereignissen in der unmittelbaren Umgebung emotional zu beteiligen.

«Manchmal besteht eine so schwere Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, dass der Lebenswille erlischt und Selbsttötungsgedanken auftreten – bis hin zur Planung und Durchführung von Suizidversuchen», warnt Keck. Nach den Prognosen der WHO werden Depressionen als typische Stressfolgeerkrankungen im Jahr 2030 in den Industrienationen die häufigste Erkrankung sein. «Die Depression ist eine Erkrankung, die man heute gut behandeln kann. Eine zeitnahe, wissenschaftlich fundierte und individuell abgestimmte Therapie mittels Psychotherapie, je nach Bedarf kombiniert mit Medikamenten, ist dabei essenziell, um die Lebensqualität rasch wiederzuerlangen», betont Martin Keck.

Starker Wunsch nach Leben

Eine Depression oder ein Burnout führen dazu, dass Betroffene sowohl auf persönlicher wie auch beruflicher Ebene nicht mehr einwandfrei funktionieren können. «Die Folgen von Burnout und Depression verunmöglichen oft ein klares strukturiertes Denken. Auch zeigen sich im sozialen Bereich zum Teil starke Beeinträchtigungen. In der Folge stellt sich meist ein markanter Verlust an Lebensqualität ein», warnt Keck.

Ein entscheidender Punkt für ihn sind die im Zusammenhang mit einem Burnout auftretenden kognitiven Störungen: «Betroffene sind bei der Arbeit in ihrem Handeln, Planen und Durchführen von Arbeitsschritten häufig eingeschränkt.» Zwar funktioniere ihr Antrieb wieder, die kognitiven Störungen würden sich aber nicht so einfach beheben lassen. «Hier müssen wir ansetzen, um IV-Fälle zu verhindern», betont Keck.

Obwohl viele Menschen den Begriff Burnout möglicherweise als weniger stigmatisierend empfinden als denjenigen der Depression, sei die Bezeichnung, die für das eine beziehungsweise andere Krankheitsbild verwendet wird, wohl zweitrangig, sagt Keck. «Betroffene haben unabhängig vom diagnostizierten Krankheitsbild den starken Wunsch, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.»

Daraus leitet Keck ab, dass ein Behandlungskonzept zum Tragen kommen müsse, welches Betroffenen ermöglicht, wieder ins Leben zurückzukehren. «Beruflich und privat muss es darum gehen, dass sie wieder ihren normalen Lebensrhythmus finden.»