«Clusterkopfschmerzen können die Betroffenen an den Rand der Verzweiflung treiben. Die Schmerzattacken sind unerträglich und bei manchen Patienten zeigen Medikamente keine oder nur geringe Wirkung», erklärt Reto Agosti, Neurologe am Kopfwehzentrum Hirslanden. Eine Möglichkeit zur Schmerzlinderung kann hier die invasive Schmerztherapie darstellen. «Zur Anwendung kommt die invasive Schmerztherapie, wenn alle konservativen Therapiemöglichkeiten bei chronischer Migräne und chronischen Clusterkopfschmerzen ausgeschöpft sind», so Agosti.

«Eine Möglichkeit zur Schmerzlinderung kann die invasive Schmerztherapie darstellen.»

Elektrische Reize unterdrücken Nervenreize

Bei der invasiven Schmerztherapie sollen elektrische Reize die schmerzhaften Nervenreize unterdrücken und so die Häufigkeit und Schwere der Schmerzattacken verringern. Hierzu bieten sich verschiedene invasive Verfahren an. «Die sogenannte Okzipitale Nervenstimulation (ONS) ist ein Nervenstimulationsverfahren zur Behandlung von Clusterkopfschmerzen und Migräne. Bei diesem Verfahren werden zumeist unter Vollnarkose kleine Stimulationselektroden im Bereich des 1. Halswirbelkörpers oder ins Hinterhauptuntergewebe implantiert. Diese Elektroden werden mit einem programmierbaren Schmerzschrittmacher verbunden.» So werden elektrische Impulse direkt an die Hinterhauptnerven oder ans obere Rückenmark gesendet, die dadurch stimuliert werden. Diese Stimulation wirkt sich positiv auf die Migräne und auf Clusterkopfschmerzen aus und bei einem Grossteil der Patienten kann die Schmerzintensität und Attackenfrequenz deutlich reduziert werden. «Über ein externes Steuergerät kann der Stimulator vom Patienten selbst ein und ausgeschaltet sowie die Stimulationsintensität verändert werden», erklärt der Neurologe. Ein weiterer Stimulationsort befindet sich gleich neben dem Nasenflügel im Knochen unter der Augenhöhle. Dieser Stimulator in der Grösse einer Medikamentenkapsel, kann bei einer Attacke von Clusterkopfschmerzen helfen. Sobald der Patient den Beginn einer Cluster-Attacke verspürt, kann er mit der Fernbedienung, die er gegen die Wange hält, die Neurostimulationsbehandlung beginnen.

TENS-therapie

Elektrisch, aber nicht eigentlich invasiv, funktioniert die transkutane elektrische Nerven-Stimulation, kurz TENS: Durch auf die Haut geklebte Elektroden fliessen Ströme durch die Haut und die darunterliegenden Muskeln und Nerven. Dies erzeugt ein Gegensignal zu den Schmerzimpulsen, was schmerzlindernd ist. Der Aufwand ist gering, doch ist der Effekt nur solange vorhanden, wie die Elektroden angebracht sind und stimuliert werden. Die meisten Physiotherapien bieten heute TENS an und leihen Geräte zum Ausprobieren aus.

Deep brain stimulator

Bei der tiefen Hirnstimulation soll die Aktivität des Hypothalamus, der als Auslöser für Clusterattacken verantwortlich gemacht wird, mit elektrischen Impulsen dauerhaft beeinflusst werden. Bei dieser Operation werden kleine Elektroden über ein Bohrloch in der Schädeldecke in den entsprechenden Bereich eingeführt. Angesteuert werden diese Elektroden durch einen Impulsgeber, der wie ein Herzschrittmacher, unter dem Schlüsselbein eingepflanzt wird. Über diesen Impulsgeber lassen sich später die Stromstärke und Frequenz anpassen. «Diese Implantation bedarf jedoch einer hochspezialisierten Hirnoperation», so Agosti abschliessend.

Dr. med. Reto Agosti
Chefarzt am Kopfwehzentrum Hirslanden