Wie viele HIV-Positive leben in der Schweiz?
In der Schweiz sind etwa 10000 Menschen mit HIV in Behandlung. Das wissen wir ganz genau, da diese Menschen erfasst sind. Es gibt jedoch auch eine Dunkelziffer. Hier gibt es natürlich keine genauen Zahlen. Man geht aber davon aus, dass in der Schweiz etwa 12000 bis höchstens 15000 Menschen HIV-positiv sind.

Wie häufig sind Neu­infektionen?
Die neu entdeckten Infektionen belaufen sich in der Schweiz auf etwa 600 pro Jahr. In den frühen 90er-Jahren waren diese Zahlen bei 2000 neu entdeckten Infektionen. Seither sind sie bis auf das heutige Niveau kontinuierlich zurückgegangen. Die Zahl der neu entdeckten Infektionen ist im Moment ziemlich stabil. Man muss aber dazu sagen, dass diese Zahlen in den vergangenen Jahren bei allen Risikogruppen stark abgenommen haben, ausser bei den homosexuellen Männern.

Falls man ein Risiko ­ein­gegangen ist, was sind ­kurz­fristige und was langfristige ­Symptome einer Infektion?
In den Wochen nach einer Infektion kommt es häufig zu einer Krankheit, die jedoch nicht sehr spezifisch ist. Das können Halsschmerzen, Fieber, ein Ausschlag, geschwollene Lymphknoten oder auch Kopfschmerzen sein. Alles Symptome, die auch bei anderen Krankheiten, wie zum Beispiel einer Grippe, auftreten können. Danach passiert meist jahrelang gar nichts und der Patient fühlt sich gesund. Irgendwann ist das Immunsystem stark geschädigt und der Patient bekommt eine schwere so genannte opportunistische Erkrankung. Das heisst, eine Krankheit, die nur dann auftritt, wenn das Immunsystem beeinträchtigt ist. Das können Infektionen oder auch gewisse Tumore sein. Der Patient ist aber auch in den Jahren, in denen er sich gesund fühlt, ansteckend.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei HIV?
Es gibt ungefähr 25 verschiedene Medikamente, die immer in Kombination eingesetzt werden. Würde man das eine Medikament einzeln einsetzen, würde das Virus Resistenzen entwickeln und das Medikament verlöre die Wirksamkeit. Wenn die Medikamente aber kombiniert werden, dann kann sich das Virus nicht mehr vermehren und deshalb auch nicht resistent werden.

Welche Therapie wird heute am häufigsten angewendet?
Heute wird als erste Therapie meist ein Medikament verabreicht, bei dem drei Wirkstoffe in einer Pille enthalten sind. Wenn der Patient dabei keine Nebenwirkungen hat, kann man es bei dieser Therapie belassen. Ansonsten muss man es mit einem anderen Medikament versuchen.

Zu welchen Nebenwirkungen kann es kommen?
Es kann beispielsweise zu Schlafstörungen kommen, die aber meistens wieder verschwinden. Es gibt auch Medikamente, auf die gewisse Patienten allergisch reagieren. Andere können die Nieren angreifen oder es kann zu Blutarmut kommen. Trotzdem: Die Verträglichkeit der Medikamente hat sich gewaltig verbessert. Es ist heute keine besonders schwere Behandlung mehr und die meisten Patienten haben keine gesundheitlichen Probleme bei der Therapie.

Was hat sich denn in den ­letzten Jahren bei der Therapie verändert?
Früher musste man zwei Medikamente am Morgen mit der Mahlzeit einnehmen, dann auf nüchternen Magen wieder zwei Pillen, am Nachmittag wieder auf nüchternen Magen zwei Pillen, am Abend noch einmal zwei Pillen mit den Essen und vor dem Schlafengehen noch einmal zwei. Das war ein Programm, das schwierig durchzuhalten war und bei dem es auch häufig zu Nebenwirkungen gekommen ist. Heute müssen die Patienten nur noch eine Tablette täglich einnehmen und haben kaum Nebenwirkungen.

Was muss ein Patient ­wissen, der die Diagnose HIV-positiv ­erhält?
Er muss wissen, dass er nie krank werden wird wegen HIV und dass wir heute eine gute Therapie zur Verfügung haben. Aber er muss dafür die Medikamente regelmässig einnehmen. Und er muss wissen, dass er in regelmässigen Abständen zum Arzt gehen muss, damit man Nebenwirkungen erkennt und die Therapie gegebenenfalls angepasst werden kann.

Wie kann man die heutige ­Therapie in den Alltag einbetten?
Das ist heute kein Problem mehr. Früher musste man gewisse Medikamente kühl lagern. Das war natürlich gerade beim Reisen schwierig. Mit den heutigen Medikamenten ist vieles einfacher geworden.