Kinder halten sich in der kalten Jahreszeit oft in geschlossenen und stark geheizten Räumen auf. Beim gemeinsamen Spiel, etwa im Kindergarten oder in der Spielgruppe, können sie sich rasch mit einem der über 200 Arten von Rhinoviren anstecken. Dies geschieht durch Tröpfcheninfektion, wenn sie sprechen und lachen, beim Husten, Niesen oder beim Kuscheln. Eine indirekte Gefahr geht aber auch von kontaminierten Oberflächen aus, zum Beispiel Türfallen oder Spielsachen. «Jede Erkältungskrankheit der oberen Atemwege unterstützt aber das noch unreife Immunsystem von Kindern. So betrachtet sind Erkältungskrankheiten durchaus sinnvoll», sagt die Fachärztin Camilla Ceppi. Mit dem Kindergarten- und im Schulalter treten diese Krankheiten seltener auf. Anders bei der Grippe. Hier, so Ceppi, handle es sich um eine ernsthaftere Erkrankung. Eltern und Kontaktpersonen wie zum Beispiel Mitarbeitende in Kinderkrippen oder Tagesstätten, die sich gegen Grippe impfen lassen, schützen die Kinder vor der Übertragung des Grippevirus. Für Kinder und Jugendliche selber wird die Grippe­impfung empfohlen, wenn sie zu einer Risikogruppe gehören und unter einer chronischen Krankheit leiden.

Regelmässig Fieber messen
«Kinder, die mit einer echten Grippe in die Praxis kommen, sind häufig schwer krank», betont Camilla Ceppi. Im Unterschied zu den bekannten Symptomen bei Erwachsenen wie plötzlich auftretendes, hohes Fieber, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, trockener Reizhusten und Halsschmerzen kann sich bei Kindern zusätzlich Unwohlsein und Erbrechen manifestieren. Wann aber muss man zum Arzt? «Wenn das Fieber bei einem über zwei Jahre alten Kind mit fiebersenkenden Mitteln zurückgeht und sich der kleine Patient woh­ler fühlt, können die Eltern auch einmal zuwarten», sagt Ceppi. Ein Arztbesuch ist hingegen bei Babys empfehlenswert, die über 38 Grad Fieber haben, sowie bei Kleinkindern unter zwei Jahren, bei denen das Fieber länger als einen Tag anhält. Ältere Kinder sollten dann zum Arzt, wenn das Fieber auch nach 3 bis 5 Tagen nicht sinkt.

Abschwellende Tropfen
Da Erkältungskrankheiten Viruserkrankungen sind, gibt es auch bei Kindern kein Heilmittel. Den Hauptanteil bei der Bekämpfung des Infekts übernimmt das eigene Immunsystem. «Während dieser Phase brauchen die Kinder Zuwendung und die Eltern Geduld, bis das Kind wieder gesund wird», so Ceppi. Fiebersenkende Medikamente sind dann sinnvoll, wenn es dem Kind schlecht geht. Um die Wärmeabgabe des fiebrigen Körpers zu erleichtern, sollte das kranke Kind nur leicht bekleidet sein. Ganz wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, damit die kleinen Patienten den Flüssigkeitsverlust, bedingt durch die erhöhte Körpertemperatur, kompensieren können und genügend Körperflüssigkeit zur Verflüssigung von zähem Schleim zur Verfügung steht. Kochsalzlösungshaltige und bei stark behinderter Nasenatmung abschwellende Nasentropfen verbessern den Lufteintritt in die Nase und die Abschwellung der Nasenschleimhaut. Therapeutisches Ziel ist, dass die Nahrungsaufnahme bei Säuglingen und der Schlaf, auch bei älteren Kindern, erleichtert werden.


 

Gut zu wissen
4 Facts über Erkältungsbeschwerden
Hustenmittel sollten zurückhaltend eingesetzt werden, da der Husten ein Selbstreinigungsreflex der Atemwege ist. Sinnvoll sind bewährte Hausmittel: Zwiebeln enthalten ätherische öle, die den Hustenreiz dämpfen. In Ringe geschnitten und auf einen Teller gelegt oder in einem Säckchen über das Kinderbett gehängt, dienen sie zur Dämpfung des Hustenreizes. Effektvoll sind auch Quark- oder Kartoffelwickel. ältere Kinder lutschen meist gerne ein zuckerfreies Hustenbonbon.
 
Erkältungskrankheiten treten umso häufiger auf, je jünger die Kinder sind. Oft werden Kleinkinder durch ältere Geschwister angesteckt. Im Kindergartenalter sind bis zu 12 unkomplizierte Infekte pro Jahr normal. Kinder, die Erkrankungen mit schweren Komplikationen wie Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder wiederholt eitrige Mittelohrentzündung haben, müssen zusätzlich abgeklärt werden.
 
Aufgepfropfte bakterielle Infektionen, so genannte Superinfektionen, wie etwa die eitrige Mittelohrentzündung, Nasennebenhöhleninfektionen, eitrige Mandelentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung, können zur anfänglich viralen Grippeinfektion dazukommen. Der Einsatz eines Antibiotikums ist deshalb sinnvoll und notwendig, um die Bakterien zu bekämpfen und das körpereigene Immunsystem bei der Bekämpfung des Infekts zu unterstützen.
 
Präventiv sind eine ausgewogene, abwechslungs- und nährstoffreiche Ernährung wichtig, die eine genügende Zufuhr von Vitaminen abdeckt, sowie ausreichend Schlaf und viel Bewegung an der frischen Luft. Es lohnt sich, in funktionelle, wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk zu investieren. Wichtig ist, die Kinder nicht zu warm anzuziehen, damit sie, wenn sie sich bewegen, nicht zu sehr ins Schwitzen kommen. Auch wiederholtes, kurzes Lüften der Innenräume und massvolles Heizen zahlen sich aus.