Wir haben beim Kardiologen nachgefragt, wann der Ballonkatheter genau zur Anwendung kommt. 

Dr. Leibundgut, was ist der Stand der medizinischen Erkenntnisse bezüglich Atherosklerose?
Während man früher dachte, dass die Gefässverengungen durch einfache Fettablagerungen entstehen, wissen wir heute, dass die Atherosklerose einen immunologischen Prozess darstellt.

Eine chronische Entzündung der Gefässwand führt schliesslich zu Verkalkungen der Gefässe und wird von verschiedenen Risikofaktoren wie Stress, genetischer Veranlagung, hohen Cholesterinwerten, Diabetes, Bluthochdruck oder Rauchen negativ beeinflusst.

Die Präventivmedizin versucht diese Faktoren positiv zu beeinflussen, um das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

Wie funktioniert die Primärprävention?
Hohe Cholesterinspiegel und die damit zusammenhängenden entzündlichen Prozesse lassen sich durch Medikamente beeinflussen. Auch Bluthochdruck und Diabetes sind gut behandelbar.

Nicht behandelbare Risikofaktoren sind das Geschlecht – Männer sind früher und häufiger betroffen als Frauen – und die familiäre Belastung. Eine grosse Herausforderung für die Forschung stellen die immunologischen Zusammenhänge im Entzündungsprozess dar, die sehr komplex sind. Ich bin jedoch zuversichtlich: Es gibt vielversprechende Produkte in der Entwicklung, die im nächsten Jahrzehnt in der Therapie eingesetzt werden könnten.

Unter welchen Umständen ist ein Ballonkathetereingriff erforderlich?
Die Ballondilatation dient der Wiederherstellung des Blutflusses bei einer Verengung oder einem kompletten Verschluss eines Blutgefässes. Ein plötzlicher Verschluss führt zum Herzinfarkt, wobei es bei einem stark verengten Gefäss häufig zu einem belastungsabhängigen Druckgefühl oder Atemnot kommt.

Belastungstests können bei unklaren Beschwerden weitere Hinweise geben.

Was muss man sich unter einer Ballondilatation vorstellen?
Die Ballondilatation ist eine rein mechanische Therapie. An der Grundkrankheit – der Atherosklerose – verändern wir nichts. Darum braucht es nach einer Ballondilatation auch eine Sekundärprävention, damit das Fortschreiten der  Krankheit an anderen Gefässstellen gebremst werden kann.

Wie verläuft die Untersuchung?
Bei der Herzkatheteruntersuchung wird unter örtlicher Betäubung ein dünner Katheter (Plastikschläuchlein) vom Handgelenk oder der Leistenbeuge bis zu den Abgängen der Herzkranzgefässe aus der Hauptschlagader vorgeschoben.

Anschliessend werden die rechte und die linke Herzkranzarterie mit Kontrastmittel gefüllt und Röntgenaufnahmen angefertigt (Koronarangiografie).

Falls eine Ballondilatation erforderlich ist, erfolgt diese in der Regel direkt im Anschluss an die Koronarangiografie. Die verengte Stelle (Stenose) wird zunächst mit einem feinen Draht passiert, über den dann ein Ballon an der Stenose platziert und aufgeblasen wird.

Anschliessend wird an dieser Stelle in der Regel eine sehr feine Gefäss-Stütze (Stent) eingesetzt. Der Stent hält das Herzkranzgefäss mechanisch offen und wächst allmählich in die Gefässwand ein. Das Ergebnis der Ballondilatation wird mit Kontrastmittel und einer Röntgenaufnahme kontrolliert.