Die Stimulation kann dem Krankheitsverlauf angepasst werden
Wenn bei chronischen Schmerzen Medikamente keine Linderung bringen oder inakzeptable Nebenwirkungen haben, kann der Arzt einen Neurostimulator empfehlen. In diesem Fall geben Neurostimulatoren schwache elektrische Impulse an den Epiduralraum in der Nähe des Rückenmarks ab und verändern so die Schmerzsignale an das Gehirn. Seit über 30 Jahren tragen Neurostimulatoren dazu bei, dass Menschen mit chronischen Schmerzen zu mehr Lebensqualität finden. Angewendet wird die Therapie insbesondere bei chronischen Rücken- und Beinschmerzen, beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom, einem chronischen Schmerzzustand, der meistens an Armen, Beinen, Händen oder Füssen auftritt, und bei schmerzhaften Neuropathien, einer neurologischen Störung, die mit starken, chronischen Schmerzen durch eine Nervenschädigung einhergeht.

Kleinere Batterien
Derzeit profitieren erst 5 bis 15 Prozent der Patienten, die dafür in Frage kommen, von der Neurostimulation. Die technische Entwicklung zielt deshalb zum Beispiel auf vereinfachte, weniger invasive Implantationsverfahren, auf kleinere Stimulatoren mit längerer Lebensdauer und auf einfache Programmiergeräte für die Patienten ab, die eine individuelle Therapieanpassung ermöglichen. Verfeinerte Stimulationsverfahren wie zum Beispiel eine lageabhängige Stimulation oder spezielle Stimulationsprogramme tragen ebenfalls zu einer Optimierung der Therapie bei. «Generell handelt es sich um testbare, anpassungsfähige und reversible Therapien, welche die Nebenwirkungen und den Verbrauch von Medikamenten reduzieren können», erklärt Paolo Pollak. Der Therapieerfolg kann dabei in einer ein- bis zweiwöchigen Testphase ziemlich genau vorhergesagt werden. Ein erfolgreicher Test ist auch Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die Krankenversicherer. Die Stimulation kann immer wieder dem Krankheitsverlauf angepasst und die Systeme können jederzeit ausgebaut werden. Im Zentrum der aktuellen Forschung steht die Erweiterung der Indikationen, etwa bei Kopfschmerzen, Suchtkrankheiten oder Alzheimer.

Seltene Risiken
Das Ziel sei, noch mehr Patienten den Zugang zu diesen Therapien zu ermöglichen, mit verbesserten Technologien die Anwendung zu vereinfachen und die Wirksamkeit zu erhöhen, sagt Paolo Pollak. Gleichzeitig wird eine verbesserte Wirtschaftlichkeit angestrebt, zum Beispiel eine verkürzte Liegedauer sowie reduzierte Kosten für Medikamente und Arztbesuche. Die Operationsrisiken sind vergleichbar mit den Risiken bei anderen operativen Eingriffen. In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen wie Blutungen oder Infektionen kommen. Bei der tiefen Hirnstimulation können ebenfalls in seltenen Fällen sprachliche Einschränkungen wie eine verminderte Sprachflüssigkeit und Verständlichkeit auftreten.