Damit ist der generelle Ausschluss von Menschen mit HIV aus der Lebensversicherung nicht mehr länger gerechtfertigt.

Wer an HIV erkrankt, hat heute die besten Möglichkeiten ein weitgehend normales Leben zu führen und seine Pläne und Ziele zu verfolgen. Dennoch gibt es noch immer Hürden, die für HIV erkrankte Menschen fast unüberwindbar scheinen. Etwa wenn es um Versicherungen geht: Ein Antrag auf eine Lebensversicherungspolice einer HIV-positiven Person wird in den meisten Fällen kategorisch abgewiesen. Damit bleibt etwa die Finanzierung eines Eigenheims oder eines eigenen Geschäfts für Menschen mit HIV oft ein unerreichbares Ziel. Denn um den nötigen Kredit bei der Bank aufzunehmen, braucht es meist eine Lebensversicherung als Garantie. Auch Krankenzusatzversicherungen oder Einzeltaggeldversicherungen bleiben HIV-Positiven verwehrt, obwohl über 70 Prozent dieser Menschen einer Erwerbstätigkeit nachgehen und kaum häufiger krank sind als ihre Arbeitskollegen. Hier soll sich nun einiges ändern.

Einschränkung ist nicht gerechtfertigt

So zeigt eine aktuelle Studie  (Kaulich-Bartz et al, AIDS, 2013), dass diese Einschränkung nicht mehr gerechtfertigt ist. Denn die meisten HIV-positiven Menschen haben unter antiretroviraler Therapie eine nahezu normale Lebenserwartung – auch wenn eine Heilung noch immer nicht möglich ist. Die Studie verglich die sogenannte relative Sterberate von HIV-Patienten, sechs Monate nach Beginn der antiretroviralen Therapie, mit versicherten Personen ohne HIV. Die Resultate zeigten, dass die Sterblichkeit der HIV-Patienten vergleichbar war mit Personen, die an anderen chronischen Krankheiten litten wie etwa Diabetes. Laut der Studie sind demnach über 50 Prozent der Menschen mit HIV versicherbar. Ihnen könnte eine Lebensversicherung über eine Laufzeit von 20 Jahren angeboten werden.

 

Mehr Lebensqualität für Menschen mit HIV

Die HIV-Diagnosen sind seit 2009 rückläufig - mit Ausnahme eines überraschenden Anstiegs im 2012. Gründe für diese klar abnehmende Tendenz sind neben der Wirkung der Aufklärungskampagnen die verbesserten Therapien von HIV-Patienten. Denn heute ist es möglich, die Menge der Hi-Viren im Blut soweit zu unterdrücken, dass das Risiko einer Übertragung des Virus wesentlich reduziert wird. Trotzdem ist es wichtig, dass die «Safer Sex»-Regeln weiterhin eingehalten werden, da es neben HIV ja auch noch andere Krankheiten gibt, die übertragen werden können. Die Therapiemöglichkeiten haben sich für HIV-Patienten in den letzten Jahren deutlich verbessert. So sind die Medikamente heute besser verträglich und müssen meist nur einmal täglich eingenommen werden. Trotz dieser Verbesserungen bleibt die lebenslange Einnahme der Medikamente eine Herausforderung im Alltag der Betroffenen. Für den Erhalt der Lebensqualität, stellt die HIV-Forschung bei der Entwicklung von Therapien deshalb deren Integration in den Alltag und eine optimale Langzeitverträglichkeit der Medikamente in den Vordergrund.