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Was bedeutet «evidenzbasiert»? Die sogenannte saisonabhängige Depression (SAD) tritt meistens in der kalten und dunklen Jahreszeit auf, beginnt in den Herbstmonaten und endet in den Frühjahrsmonaten. Die Hauptursachen für eine Winterdepression sind der Mangel an Tageslicht, die geringere Lichtintensität im Winter, die niedrigeren Temperaturen als im Sommer und die geringere Tageslänge. Als Ursache wird vermutet, dass im Winter zu wenig Tageslicht auf die Netzhaut trifft. Die Folge ist, dass in einem bestimmten Bereich des Gehirns (Zirbeldrüse, Epiphyse) vermehrt das «Schlafhormon» Melatonin ausgeschüttet wird. Dieses Hormon regelt die biologische Uhr und den Tagesrhythmus. Bei übermässiger Konzentration wird man müde, antriebslos und schlecht gelaunt. Gegen diese Form der Depression helfen Bewegung, frische Luft und vor allem Licht.

Die Winterdepression ist ein häufiges Phänomen. Auslöser für die saisonale affektive Störung ist Lichtmangel. Denn ohne genügend Licht wird das Hormon Melatonin, das in der Dunkelheit ansteigt und den Schlaf fördert, nicht genügend unterdrückt. Das kann zu Müdigkeit, einer Störung der Schlafregulation und einer Beeinträchtigung der Stimmung führen. Wir werden müde und schlapp. Typisch für eine saisonal abhängige Depression ist deren Verlauf. «Eine Winterdepression beginnt meist im Herbst. Kennzeichnend für eine Winterdepression ist, dass die Symptome im Frühling, wenn die Betroffenen mehr Tageslicht haben, wieder verschwinden», erklärt Dr. med. Barbara Hochstrasser, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefärztin an der Privatklinik Meiringen.

Winterdepression, Symptome?

Die Symptome einer Winterdepression sind gleich wie jene bei einer «normalen» Depression. «Die Betroffenen leiden häufig unter Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit und Konzentrationsschwierigkeiten. Sie fühlen sich unausgeglichen, grundlos traurig, freud- und motivationslos und kommen morgens kaum aus dem Bett. Zusätzlich können Appetitstörungen dazu kommen», erklärt Hochstrasser. Auch körperliche Beschwerden ohne organische Ursache wie zum Beispiel Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Probleme können Anzeichen für eine Depression sein.

Licht gegen die Winterdepression

Gegen eine Winterdepression lässt sich jedoch einiges tun. In erster Linie sollte man auf keinen Fall die Decke über den Kopf ziehen und sich im Haus verkriechen. Im Gegenteil Licht, Spaziergänge an der frischen Luft und Sport normalisieren die Melatoninsekretion, unterstützen den Körper in der Regeneration und tragen damit zu einer besseren Stimmung bei. Eine Lichttherapie ist bei einer Winterdepression die erste Wahl. «Eine Lichttherapie hilft den Betroffenen in den meisten Fällen, ihre Depression in den Griff zu bekommen. Eine tägliche Lichtdusche von 30 Minuten ist optimal», sagt die Psychiaterin. Bei einer Lichttherapie lassen sich die Betroffenen morgens von einer hellen Lampe bestrahlen aus einem Abstand von 50 Zentimetern. Dabei kann man lesen, arbeiten oder frühstücken. Wichtig ist, dass die Augen stets geöffnet sind, damit das Licht über die Netzhaut eingefangen werden kann. Um eine Winterdepression therapieren zu können, ist laut Barbara Hochstrasser eine Therapielampe mit einer Beleuchtungsstärke von 10 000 Lux nötig. Zum Vergleich: an einem trüben Wintertag liegt die Beleuchtungsstärke bei etwa 1000 Lux, in geschlossenen Räumen mit künstlichen Lichtquellen bei etwa 300 bis 500 Lux. Die Therapielampen sind im Fachhandel erhältlich. «Bevor man sich eine Lampe anschafft, sollte man aber unbedingt mit einem Arzt sprechen und die Augen von einem Augenarzt untersuchen lassen», rät Hochstrasser. Ein Vorteil der Lichttherapie ist, dass sich der Erfolg bereits nach wenigen Tagen einstellt. «Die Lichttherapie sollte aber unbedingt weiterhin regelmässig durchgeführt werden. Am besten bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Tage wieder heller werden. Sonst ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls recht hoch.»

Medikamentöse Therapie möglich

Halten die Beschwerden dennoch an oder verschwinden nicht vollständig, sollte man mit dem Arzt nach weiteren Therapiemöglichkeiten suchen. Dabei kommen klassische Antidepressiva oder auch pflanzliche Heilmittel wie ein Johanniskraut-Extrakt in Frage. Beide regen die Regeneration des Nervensystems an und wirken stimmungsaufhellend. Bei Johanniskraut wird die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöht, weshalb hier Vorsicht geboten ist. Bei Sonnenexposition sollte stets eine Sonnencrème benützt werden. «Menschen mit sehr heller Haut sind besonders gefährdet, eine komplexe Hautreaktion zu entwickeln, und sollten den Gebrauch von Johanniskraut unbedingt mit einem Arzt absprechen», rät Barbara Hochstrasser.