Die medikamentöse Behandlung ist ein wichtiger Baustein innerhalb der meisten Therapiepläne. Hierbei kommt heute eine völlig neue Generation von Medikamenten zum Einsatz. Es geht dabei nicht nur um die Entwicklung neuer Wirkstoffe und Wirkmechanismen. Vor allem verbesserte Verfahrenstechniken und Darreichungsformen sorgen für bessere Andockmöglichkeiten und eine präzisere Dosierung. So kann etwa die Wirkung innerhalb eines Tages durch die gezielte und verzögerte Freigabe der Substanzen gesteuert werden, und manche Medikamente können die passenden Zellen, die es zu beeinflussen gilt, sogar erkennen. Dennoch stellt sich die Frage: Sind neue Medikamente besser? PD Dr. med. Michael Linnebank von der Klinik  für Neurologie am Universitätsspital Zürich erklärt hierzu: «Sicher sind nicht alle Wirkstoffe in innovativen Medikamenten immer neu. Oft machen aber weitere Möglichkeiten der gezielten Therapie und der genaueren Dosierung einen wichtigen Fortschritt aus.»

Neuere innovative Medikamente verfolgen das gleiche Ziel, nur über andere Wege
Für die Behandlung der chronischen Erkrankung Hypertonie wurden beispielsweise lange Zeit bevorzugt Betablocker oder wassertreibende Medikamente eingesetzt. Diese sind heute immer noch wichtig, wurden aber durch eine gezieltere Wirkung und dadurch grösere Verträglichkeit verbessert. Vor allem aber wurden sie durch Wirkstoffe ergänzt, die zwar auch den Blutdruck senken, aber hierfür vollkommen andere Wirkmechanismen nutzen. Längst können gut wirksame und verträgliche Kombinationstherapien eingesetzt werden, die individuell auf Patienten abgestimmt sind.

PD Dr. med. Michael Linnebank beschreibt weitere Therapieansätze am Beispiel Multiple Sklerose: „Bei der Therapie von MS hat sich in wenigen Jahren vieles verändert: Mehrere verbesserte MS-Medikamente werden in den nächsten Monaten und Jahren auf den Markt kommen, bereits heute aber liegt eine grosse Auswahl an Medikamenten vor. Zusammen mit dem Patienten kann so die optimalste Therapie ausgewählt werden. (siehe auch Infobox rechts)

Eine der ganz grossen Herausforderungen für die Medizin- und Pharmaforschung in diesem Jahrhundert bleibt die Diagnostik und Behandlung von Krebs. Bei Brustkrebs und einigen anderen Krebsarten, die noch vor Jahren oder wenigen Jahrzehnten meist tödlich verliefen, können heute dank intensiver Forschung bessere Heilungserfolge erzielt werden. Das alles ist zwar sehr aufwändig und kostenintensiv, führt aber oft zu erheblichen Fortschritten wie zum Beispiel besseren Wirkstoffkombinationen wie auch Darreichungsformen und zu neuen Therapien mit gezielteren Wirkmechanismen. Die Therapie wird personalisierter: So können etwa durch die Analyse der Erbinformation des Tumors oft die vielversprechendsten Therapieformen und Medikamente mit dem besten Nutzen-Risiko-Profil ausgewählt werden.

Der grosse Einsatz von Medikamenten ist heute präziser möglich
Welches Medikament beziehungsweise welche Kombitherapie für den jeweiligen Patienten letztendlich optimal sind, hängt von einer Vielzahl an Parametern ab; das gilt für den Einsatz bei Medikamenten jeglicher Art gleichermassen. Dabei orientiert sich der behandelnde Mediziner auch an vorliegenden Langzeitdaten und klinischen Forschungsberichten. Selbstverständlich können altbewährte Produkte hier den Erfolg und die Sicherheit über einen längeren Zeitraum belegen. Doch selbst über Medikamente, die neu auf dem Markt sind, existieren bereits umfangreiche Protokolle, Statistiken und Auswertungen aus einem jahrelangen Zulassungsverfahren.

Patienten können daher recht gut auf die tatsächliche Wirksamkeit der neuen Präparate vertrauen, da viele mögliche Risiken und Nebenwirkungen bereits bekannt sind. Es bleibt die Frage: Sind neue Medikamente wirklich die erste Wahl? Linnebank erklärt abschliessend: «Altbewährte Medikamente sind nicht immer schlechter als die neuen. Die zunehmende Vielfalt an therapeutischen Möglichkeiten erlaubt jedoch eine immer mehr auf individuelle Faktoren abgestimmte Therapie. Hierdurch wird auch das Verhältnis zwischen Nutzen und Risiken verbessert.»