Die heutige Schmerztherapie umfasst verschiedene therapeutische Ansätze. Eine etablierte und immer häufiger angewandte Behandlungsmethode ist die sogenannte TENS-Therapie (Transkutane Elektro-Neuro-Stimulation).

Das Therapieverfahren bekämpft Schmerzen mit Strom. Dr. Severin Burki, Leitender Arzt Anästhesie, erläutert das Prinzip der Elektrotherapie: «Der über Hautelektroden applizierte Strom wird zur lokalen Schmerztherapie genutzt. Dabei verändert beziehungsweise moduliert das übertragene elektrische Signal den vorhandenen Schmerz.»

Das Verfahren geht auf die beiden Schmerzforscher Ronald Melzack und Patrick Wall zurück, die in den Sechzigerjahren ein neues Konzept der Schmerzwahrnehmung – die Kontrollschranktheorie - entwickelten. Demnach blockieren elektrische Impulse die Erregungsleitung der Nervenfasern, sodass diese den Schmerz nicht an das Gehirn weiterleiten.

Eigenverantwortung stärken

Die TENS kann von einem Therapeuten oder besser noch  vom Patienten selbst angewandt werden. Durch die Selbstbehandlung kann der Patient selbst bestimmen, wie stark und wo er die Impulse spüren möchte. «Dieses Konzept bezweckt, die Eigenverantwortung des Patienten zu stärken und die Eigenstrategie zu fördern. Der Schmerzpatient erhält dabei die Möglichkeit, selber etwas gegen seine Schmerzen zu unternehmen», erklärt Burki.

Eine TENS-Behandlungssitzung dauert, je nach Programmierung des Gerätes, etwa 30 Minuten. «Der Patient kann das Gerät mehrmals täglich einsetzen.  Auch wenn der Gedanke an Strom etwas anderes impliziert, ist das Verfahren völlig schmerzfrei», wie der Facharzt erklärt: «Der vom Gerät ausgelöste Impuls löst beim Patienten ein angenehmes Kribbeln aus. Dieses Kribbelsignal überlagert die Schmerzwahrnehmung, wodurch es zu einer subjektiven Schmerzreduktion kommen kann.»

Ergänzende Therapieform gegen Nerven- und Muskelschmerzen

Die TENS-Methode ist Bestandteil der heute umgesetzten multimodalen Therapiekonzepte vor allem bei chronischen Schmerzen.  Das heisst, sie ist eine Ergänzung zu anderen therapeutischen Massnahmen, welche durch die repetitive Anwendung Schmerzen lindern kann.  Von Therapieerfolg spricht man bei der TENS-Anwendung folglich dann, wenn der Patient unter der Behandlung eine Schmerzlinderung wahrnimmt.

Die Begleittherapie eignet sich besonders auch für Patienten mit chronischen Schmerzen. «Das Verfahren wird oft bei Nervenschmerzen angewendet. Das können zum Beispiel schmerzhafte Nervenverletzungen, ausstrahlende Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall oder aber auch durch Nerven verursachte muskuläre Anspannungen sein», erklärt Burki.

Da die Wirkung auf die Muskulatur  sekundär auch eine Durchblutungsverbesserung und Muskelentspannung bewirken kann, zeigt die Therapie mit TENS auch eine gute Wirkung bei muskulären Problemen, die mit Schmerzen verbunden sind. «Kontraindikationen bestehen bei Schwangeren aufgrund der Wehen auslösenden Wirkung sowie bei Menschen mit implantierten elektrischen Apparaturen, da eine Interferenzgefahr bestehen könnte», so Burki.

Viele Erfolgsfaktoren

Die TENS-Therapie ist weit verbreitet. Im multimodalen Therapiekonzept wird die Wirksamkeit der Methode als sehr hoch eingeschätzt. Der steigende Gerätekauf spricht für eine grosse Akzeptanz.

Ein Hauptgrund für den Erfolg des Verfahrens ist seine einfache und nebenwirkungsfreie Anwendung. «Wirken Medikamente nicht wie erwartet oder besteht gar eine Unverträglichkeit, kann dieses periphere Schmerzlinderungstool durchaus eine Alternative zur lokalen Behandlung sein. TENS überzeugt zudem dadurch, dass es im Vergleich zu Medikamenten keine gesundheitsschädigenden Nebenwirkungen hat.»

Auch bei den Kosten vermag die Therapie zu punkten: «Schmerzpatienten können das TENS-Gerät für einen Zeitraum von vier bis acht Wochen testen. Entscheiden sie sich für diese Behandlungsform, unterstützt sie die Krankenkasse auf ärztliche Verordnung normalerweise bei der Miete oder beim Kauf des Geräts», weiss Burki.