Die Prostata ist eine kastanienförmige Drüse, die unterhalb der Harnblase liegt und den oberen Teil der Harnröhre umschliesst. Der Aufbau der Prostata gleicht dem einer Orange. Das Innere der Vorsteherdrüse, das Prostatagewebe, ist mit dem Fruchtfleisch einer Orange vergleichbar und die äussere Orangenschale mit der Prostatakapsel. Ein Tumor entsteht meist in der Prostatakapsel. Anfangs ist der kleine Tumor bei der Tastuntersuchung nicht fühlbar und verursacht in der Regel keine Beschwerden beim Wasserlassen. Im zweiten Stadium wird der Tumor grösser. Auch wenn er sich noch innerhalb der Prostatakapsel befindet, ist er bei der Tastuntersuchung bereits rektal fühlbar. Im dritten Stadium durchbricht der Tumor die Prostatakapsel. Im letzten Stadium wächst er auch ausserhalb der Prostata, er befällt Nachbarorgane und bildet Metastasen.  

Neue Therapiemöglichkeit mit hochintensiv fokussiertem Ultraschall (HIFU)

Patienten mit Prostatakrebs im Anfangsstadium können eine fokale Behandlung mit einem hochintensiv fokussierten Ultraschall (HIFU) in Erwägung ziehen. Bei dieser fokalen Therapie wird nur der Tumor behandelt. Gesunde Zellen werden nicht zerstört. Derzeit operiert in der Schweiz einzig das Universitätsspital Zürich ohne Skalpell nach dieser Methode. Die Behandlung mit HIFU erfolgt mit einem hochpräzisen Gerät, das aus einer Computerkonsole mit zwei Bildschirmen, einer Rektalsonde mit einem Kühlungssystem und verschiedenen Sicherheitseinrichtungen besteht.

Behandlungsablauf

Während der Behandlung liegt der Patient unter Vollnarkose in der Seitenlage auf dem Operationstisch und wird über ein Koppelungssystem mit dem Gerät verbunden. Die Sonde wird in den Enddarm des Patienten eingeführt und auf die Höhe der Prostata platziert. Der Urologe erstellt ein präzises 3-D-Ultraschallbild der gesamten Prostata und liest zuvor erstellte MRT-Bilder in das Gerät ein. Dann fügt er diese mit dem 3-D-Ultraschallbild zu einem Bild zusammen. Auf dem Bildschirm plant der Arzt den Eingriff und markiert die Grenzen der Prostata. Er legt fest, welche Bereiche behandelt werden sollen. Der Computer setzt diese Vorgaben automatisch um. Sollte es zu einer Abweichung von mehr als einem Millimeter kommen, wird die Operation automatisch unterbrochen. Die Behandlungssonde erzeugt hochintensive Ultraschallwellen, sie erhitzt die markierten Stellen auf 80 Grad Celsius und zerstört das erkrankte Gewebe. Das Gerät kann bis zu acht individuell festgelegte Fokuspunkte einzeln hintereinander verbrennen. Dann verschiebt sich die Sonde automatisch, um den nächsten Bereich zu behandeln, den der Arzt zuvor festgelegt hat. Je nachdem wie gross der zu behandelnde Tumor ist, kann der Eingriff bis zu zwei Stunden dauern.

Chancen und Risiken

Bei einer fokalen Therapie wird nur ein kleiner Bereich behandelt. Daher kommt es seltener zu Verletzungen. Nebenwirkungen wie eine Inkontinenz oder Impotenz fallen geringer aus als nach einer Operation oder nach einer Bestrahlung der Prostata. Das grösste Risiko einer fokalen Behandlung besteht darin, dass nicht alle Krebsherde erkannt werden. Durch eine regelmässige Nachsorge können allfällig wachsende Tumore entdeckt und wenn nötig behandelt werden.