Jedes zweite Paar leidet heute unter Schnarchproblemen. «Zunächst ist es meist der Mann, der schnarcht, denn die Frau wird durch Hormone vor dem Verlust der Muskelspannung im Rachenraum geschützt», erklärt Antoine Aschmann, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten. Nach der Menopause, der letzten Menstruation, schnarchen aber auch Frauen häufiger. Bei beiden Geschlechtern nimmt das Schnarchen mit dem Alter zu. Schnarchen ist häufig ein Symptom für tiefer liegende Ursachen und gehört wissenschaftlich betrachtet neben der Schlafapnoe zu den so genannten «schlafbezogenen Atemstörungen». Es handelt sich dabei ausschliesslich um Fehlfunktionen, die im Schlafzustand auftreten. «Aerodynamisch betrachtet, arbeitet unser Atemschlauch ähnlich wie ein Kamin. Solange der Schlauch frei ist, funktioniert er einwandfrei. Kommt es dagegen im Schlaf zu Verengungen, entstehen Luftturbulenzen, die akustisch als Schnarchen wahrgenommen werden», erläutert Aschmann anhand eines Vergleichs. Bei einem vorübergehenden Verschluss spricht man von einer Apnoe, einem Atemaussetzer. Die Folgen sind unter anderem eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen.
 

 


 

 
Das Leiden hat ein Ende
Hannelore F. hat ein Martyrium hinter sich. Jahrelang litt sie unter einer Schlafapnoe. Heute ist sie geheilt.


Patientinnen und Patienten mit einem Schlafapnoe-Syndrom leiden oft jahrelang unter unerklärlicher Tagesmüdigkeit, bis sie einen Fachspezialisten aufsuchen. Das war auch bei Hannelore F. der Fall. Bei ihr handelt es sich um eine aktive und lebenslustige Frau, die mehrmals im Schlaflabor wegen Atemaussetzer infolge einer Schlafapnoe untersucht wurde und die anschliessend eine Atemmaske verordnet bekam. «Wegen Unverträglichkeit wurde die Maske mehrmals ausgetauscht, allerdings ohne Erfolg», blickt Hannelore F. auf ihre Leidensgeschichte zurück. Sie, die zusätzlich unter Herzkreislaufproblemen litt, konnte nicht mehr schlafen und war mit ihrer Energie am Ende.

Wieder gut schlafen
Dann endlich die Wende zum Guten: Von einem Fachspezialisten wurde Hannelore F. ursachenorientiert behandelt. «Man konnte die Verengungsstellen finden und identifizieren und hat sie anschliessend minimal-invasiv operiert», zeigt sich Hannelore F. glücklich. Sie erfreut sich heute einer guten Gesundheit und kann endlich wieder gut schlafen. Auch ihre Energie ist zurückgekehrt. Die Untersuchung im Schlaflabor ergab keine Auffälligkeiten mehr, so dass Hannelore F. die Atemmaske nicht mehr benötigt. Die Krankheitsgeschichte von Hannelore F. zeigt, wie wichtig die Behandlung und Therapie von Atemaussetzern im Schlaf sind. Folgen des Schlafapnoe-Syndroms sind nämlich nicht nur eine ausgeprägte Tagesschläfrigkeit, sondern auch zum Teil schwerwiegende Herz-kreislaufkrankheiten.

 

Beachtenswerte Fortschritte

Mehrere Verengungsstellen, die sich im Schlaf kombiniert manifestieren können, bilden die Ursachen des Schnarchens. übergewicht, Alkoholkonsum und Rückenlage im Schlaf verstärken die Wirkung. Bei der Schlafapnoe bildet die klassische Therapie mit einer Atemmaske einen erfolgreichen Ansatz. Viele Betroffene haben jedoch Mühe damit, die Maske jede Nacht und lebenslang tragen zu müssen. In den letzten Jahren konnten beachtenswerte Fortschritte durch neue Therapieansätze erreicht werden. Ziel ist die Ursachenerkennung, kombiniert mit einer minimal-invasiven Behandlung. Eine neue Therapieform, der sogenannte Zungenschrittmacher, der nach der Erprobungsphase auch in der Schweiz angeboten wird, könnte gemäss Aschmann in speziellen Fällen zu guten Resultaten führen.


Komplikationen vermeiden

Darauf spezialisierte Ärzte verwenden zur Diagnostik eine Erfolg versprechende Untersuchungsmethode, die so genannte Sleep-Nose Endoskopy, bei welcher der Patient unter Anwendung eines Schlafmedikamentes in eine Tiefschlafphase versetzt wird. Die individuellen Verengungsstellen werden dann mit einer 360°-Kamera endoskopisch ermittelt und anschliessend minimal-invasiv operiert. Dadurch können Komplikationen, wie sie bei der früheren Schnarch-Operation am Gaumensegel auftraten, vermieden und die Erfolgschancen erhöht werden. Besonders bei Apnoikern konnten gute Erfolge mit dieser Therapie am Zungengrund erzielt werden. «Welche Patientinnen und Patienten von dieser Methode profitieren können, wird erst nach einer entsprechenden Untersuchung in den medizinischen Zentren abgeklärt, die sich auf solche Therapieansätze spezialisiert haben», betont Aschmann.


Unterschiedliche Krankheiten

Die Volkskrankheit Schnarchen ist immer noch ein Tabuthema. Der übergang zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen ist dabei fliessend. Schnarchen ohne Atemaussetzer belastet primär die Partnerbeziehung und kann später zur Schlafapnoe übergehen. Eine unbehandelte Schlafapnoe kann unterschiedliche Krankheiten auslösen, vom Herzinfarkt bis zum Schlaganfall. Zu Aschmanns Patienten gehören auch Sportler und andere Leistungsträger. «Ein verminderter Erholungsschlaf wirkt sich bei ihnen sowohl auf die körperliche als auch auf die geistige Verfassung negativ aus», weiss der Fachspezialist aufgrund langjähriger Erfahrung.

 

Christian Lanz
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