Aus der Grundstruktur der Natur

Wir leben in einer Zeit, wo vieles möglich ist und dennoch auf althergebrachtes Wissen nicht verzichtet werden kann. Die Pflanzenheilkunde gehört zu den grossen Säulen der Naturheilkunde. In der sogenannten Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) werden Pflanzen, Pflanzenteile und deren Zubereitungen zu therapeutischen Zwecken verwendet.

Gemäss Beat Meier, Geschäftsstellenleiter der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie SMGP, zählt die Phytotherapie zu den ersten und ältesten Heilmethoden der Menschheit. «Seit Jahrhunderten werden Pflanzen auf der ganzen Welt zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Dadurch konnte ein umfangreiches sowie breit gefächertes Erfahrungswissen gesammelt werden.»

Meier geht gar einen Schritt weiter: «Die heutige Schulmedizin gäbe es ohne die Phytotherapie nicht. Erst im 19. Jahrhundert konnten pflanzliche Reinstoffe isoliert und neue chemisch-synthetische Substanzen entwickelt werden, wie sie heute in der Schulmedizin vorwiegend eingesetzt werden. Eine Vielzahl von Wirkstoffen, die heute eine grosse Bedeutung haben, stammt zumindest bezüglich ihrer Grundstruktur aus der Natur.»

Anwendung Phytotherapie

In der Phytotherapie werden die wirksamen Bestandteile der Pflanzen in Zubereitungen (Extrakte, Tees, Tinkturen etc.) überführt.

Besonders wichtig erscheint Professor Meier dabei, dass der Extrakt als Ganzes, das sogenannte Vielstoffgemisch, den Wirkstoff darstellt: «In der Phytotherapie ist keine Einzelsubstanz einer Pflanze für die Wirkung verantwortlich; erst das Zusammenspiel der Inhaltsstoffe einer Zubereitung führt zur beobachteten Wirkung.» Die Anwendungsgebiete der Pflanzen sind vielfältig.

Beispiele sind unter vielen anderen virale Erkältungskrankheiten, Venenbeschwerden, menopausale Beschwerden, prämenstruelles Syndrom, Beschwerden beim Wasserlösen, Hautprobleme, Heuschnupfen, Schlaf- und Befindlichkeitsstörungen Verdauungsbeschwerden, Durchfall und Verstopfung, Entzündungen vor allem der Schleimhäute, rheumatische Beschwerden.

Dabei sieht Meier einen Vorteil darin, dass die Phytotherapie oft als nebenwirkungsarme Ergänzung zur sogenannten Schulmedizin angewendet werden kann.
Pflanzenheilkunde anerkannt

«Die Phytotherapie ist heute ein Bestandteil der modernen Medizin. Seit der Aufnahme der Phytotherapie in die Krankenpflegeleistungsverordnung zu Beginn des Jahres können Ärztinnen und Ärzte mit Fähigkeitsausweis die Methode in ihrer Praxis anwenden.

Sämtliche Ärztinnen und Ärzte können pflanzliche Arzneimittel der Spezialitätenliste oder mithilfe einer Rezeptur verschreiben. Viele Apotheken und Drogerien führen ein breites Sortiment an pflanzlichen Arzneimitteln und können beratend bei deren Anwendung helfen», meint Meier abschliessend.