Etwa rund jeder Vierte leidet gelegentlich oder auch häufig an Schlafstörungen. Manche können nicht einschlafen, manche nicht durchschlafen. Bei der Hälfte der Betroffenen ist der gestörte Schlaf eine Krankheit, die behandelt werden sollte. Ein gesunder Schlaf ist nämlich wichtig für das körperliche und geistige Wohlbefinden. Abgesehen von einer erhöhten Müdigkeit am Tag, die zu einer geringeren Konzentrations- und Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz und im Alltag führt, leiden Menschen mit schlechtem Schlaf häufig unter Stimmungsschwankungen. Bei Menschen mit erhöhter Tagesschläfrigkeit besteht zudem eine erhöhte Unfallgefahr bei der Arbeit mit Maschinen oder am Steuer. Experten gehen davon aus, dass fast jeder vierte Autounfall wird durch Sekundenschlaf, also kurzes Einnicken am Steuer verursacht wird.
Nebst verschiedenen schlafhygienischen Massnahmen wie Verzicht auf Koffein, eine ruhige Schlafumgebung, eine entspannende Gestaltung des Abends und anderes mehr gibt es auch die Möglichkeit, mittels Arzneien den Schlaf zu fördern. Schlafmittel unterscheiden sich in Sachen Wirkungsweise und Inhaltsstoffe stark voneinander. Neben den rein pflanzlichen Schlafmitteln werden Präparate mit synthetisch hergestellten, chemischen Wirksubstanzen eingesetzt.

Folgende Arzneimittel stehen zur Verfügung:

Pflanzliche rezeptfreie ­Arzneimittel
Schlafmittel auf pflanzlicher Basis enthalten beispielsweise Baldrian, Hopfen, Melisse oder Passionsblume. Diese Pflanzen wirken beruhigend und können so den Schlaf fördern. In der Regel tritt eine Wirkung aber erst nach längerer und regelmässiger Einnahme ein – es kann also schon ein paar Wochen dauern, bis sich der Schlaf verbessert. Und es kann auch vorkommen, dass genau das Gegenteil eintritt und man beispielsweise nach Einnahme von Baldrian noch munterer ist als zuvor. Nicht zuletzt spielt aber auch der Placebo-Effekt, also der Glaube, dass das Mittel wirkt, ­eine Rolle.

Nicht-pflanzliche rezeptfreie Arzneimittel
Dazu zählen die so genannten Antihistaminika. Diese wurden ursprünglich als Arzneimittel zur Behandlung von Allergien, vor allem von Heuschnupfen entwickelt. Die Antihistaminika der ersten Generation haben jedoch auch beruhigende und schlaffördernde Wirkung. Was für Allergiker eine unangenehme Nebenwirkung ist, wird aber von Menschen mit Schlafstörungen sehr geschätzt. Deshalb wendet man diese «alten» Medikamente heutzutage fast ausschliesslich als Schlafmittel an. Ein klassischer Wirkstoff dieser Gruppe ist Diphenhydramin, den es in Form von Tropfen und Tabletten gibt. Er ist sehr gut verträglich und wird deshalb rezeptfrei abgegeben. Man findet rasch in den Schlaf, denn bereits innerhalb von etwa 15 bis 30 Minuten tritt die Wirkung ein. Diese lässt wenige Stunden nach der Einnahme wieder nach und die natürlichen Schlafphasen bleiben nahezu unverändert. Dies hat den Vorteil, dass man am nächsten Morgen ohne Einschränkungen der gewohnten Arbeit nachgehen kann.

Rezeptpflichtige Präparate
Hierzu gehören unter anderem Benzodiazepine, Benzodiazepin-Analoga und niedrig dosierte Antidepressiva. Einige dieser Präparate haben zusätzlich eine angstlösende Wirkung. Manche von ihnen unterdrücken die Schlafphasen, welche für einen erholsamen Schlaf wichtig sind. Nebenwirkungen wie Tagesmüdigkeit (Hangover) und Entzugserscheinungen beim Absetzen (Rebound) können bei Einnahme mancher Präparate auftreten. Ein weiterer Nachteil: Einige verschreibungspflichtige Schlafmittel haben einen raschen Gewöhnungseffekt und können daher schnell abhängig machen. Die neue Generation der Benzodiazepine haben zwar ein geringeres Suchtpotenzial, trotzdem sind die Nebenwirkungen auch hier nicht zu unterschätzen. So wirken Benzodiazepine, aber auch Benzodiazepin-Analoga muskelentspannend, was bei älteren Menschen die Sturzgefahr erhöhen kann.