Typisch für Multiple Sklerose ist, dass die Betroffenen im Verlauf ihrer Krankheit mehrere Symptome erleben und dazwischen symptomfreie Phasen haben können. Die Symptome sind einerseits von der Lage und andererseits vom Ausmass der Schädigungen in Gehirn und Rückenmark abhängig. Anfängliche Anzeichen werden oft übersehen oder einem anderen Krankheitsbild zugeschrieben. Deshalb vergeht in den meisten Fällen einige Zeit, bis die Diagnose gestellt wird.

 

Sichtbare und unsichtbare Symptome

Dennoch gibt es einige typische Zeichen, die an eine MS denken lassen. Dazu gehören Symptome wie Gangunsicherheit, Zittern, Sprech- oder Sehstörungen. Diese Symptome sind für Angehörige und Dritte sichtbar, andere sind unsichtbar. Zu diesen unsichtbaren Symptomen zählen Müdigkeit, Schmerzen, Blasenstörungen oder kognitive Einschränkungen. Diese unsichtbaren Beschwerden können für die Betroffenen im Alltag jedoch genauso belastend sein wie die sichtbaren Symptome. Insbesondere Schmerzen können die Lebensqualität massiv einschränken. Denn über die Hälfte der MS-Patienten leiden vorübergehend oder dauerhaft unter Schmerzen, welche als direkte Folge der MS-Aktivität im Gehirn auftreten oder aufgrund eines anderen MS-Symptoms erscheinen. Schmerzen können aber auch durch eine verkrampfte Muskulatur und Haltungsfehler ausgelöst werden. Zusätzlich zu Schmerzen an Muskeln, Gelenken, Haut und Sehnen sind auch starke Missempfindungen wie Brennen oder stichartige, unregelmässig auftretende Schmerzen bekannt. Auch eine Trigeminusneuralgie (Gesichtsnervenschmerz) kann durch MS ausgelöst werden.

 

Schmerzen rechtzeitig erkennen

Werden Schmerzen nicht rechtzeitig erkannt, so kann sich ein fataler Teufelskreis entwickeln. In manchen Fällen tragen die konstanten Schmerzzustände dazu bei, dass sich Depressionen, Ängste und Müdigkeit entwickeln. Dies wiederum führt zu einer deutlichen Verminderung der Lebensqualität. Ebenso kann eine Chronifizierung der Schmerzen drohen, wenn diese nicht rechtzeitig behandelt werden. Denn anhaltende Schmerzen bringen Veränderungen im Körper aber auch im Fühlen, Denken und Handeln mit sich. Auf der Körperebene verändert Schmerz die schmerzverarbeitenden Systeme. Das heisst, dass diese immer schneller auf Schmerzimpulse reagieren und dass sich das Schmerzgedächtnis vertieft.

 

Schmerzursachen müssen abgeklärt werden

Wichtig ist deshalb eine genaue Abklärung der Schmerzursachen – denn diese bietet die Grundlage für eine individuell angepasste Schmerztherapie. Die Schmerzbehandlung soll die Schmerzen zum Verschwinden bringen oder diese lindern. Die Palette der Angebote ist breit: Medikamente, Bewegungs- oder Haltungstraining, Entspannungstechniken, Wahrnehmungsübungen, Techniken zur Beeinflussung der mit Schmerzen verbundenen Gefühle und Gedanken, Wärme- und Kälteanwendungen, entsprechend den Bedürfnissen des Patienten und der Art des Schmerzes.

 

Akupunktur als komplementäre Therapieform

Das Angebot der Komplementärmedizin ist gross und kann bei Schmerzen zum Einsatz kommen. Dabei ist besonders die Akupunktur eine verbreitete Behandlungsmethode. Diese kann zur Behandlung sowohl akuter wie chronischer Schmerzen angewendet werden. Allerdings muss festgestellt werden, dass Akupunktur nicht immer und nicht bei jedem Patienten gleich wirksam ist.

Anna Birkenmeier
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