Die komplementäre Schmerztherapie wendet unter anderem Naturheilverfahren an, die bewusst ohne Medikamente und operative Eingriffe auskommen. Manche dieser «sanften Heilverfahren», teilweise seit Jahrtausenden bekannt, werden auch in der medizinischen Forschung bestätigt.

Jeder Mensch mit funktionierendem Vorstellungs- und Sprachvermögen kann diese körpereigenen Ressourcen nutzen

Eine nicht abschliessende Aufzählung: Akupunktur, Elektrotherapie, Frequenztherapie, Hochtontherapie, Low-Level-Lasertherapie, Neuraltherapie, Softlaserbehandlung, Proliferationstherapie (Gelenk-Regeneration).

Die Einnahme von Vitalstoffen (Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe) soll die Behandlung optimieren. Den komplementären Schmerzbehandlungen ist gemeinsam, dass sie sich gegenseitig ergänzen. Das gilt auch für die Schmerzbehandlung durch Hypnose.

Gehirn ist lebenslang formbar

Mit der Hypnose wird in der Schmerzbehandlung kein neues Kapitel aufgeschlagen, ist doch bekannt, dass die hypnotische Analgesie in der Medizin lange vor Äther und Chloroform (1846/1847) zum Einsatz kam. Es gibt Zahnärzte, die ihre Behandlungen in Hypnose durchführen. Tatsächlich zählt die Schmerzkontrolle zu den ältesten Einsatzgebieten der Hypnose.

«Jeder Mensch mit funktionierendem Vorstellungs- und Sprachvermögen kann diese körpereigenen Ressourcen nutzen», erklärt Gerhard T. Meier, diplomierter Hypnosetherapeut, «ob in Selbsthypnose oder begleitet durch einen erfahrenen Hypnosetherapeuten.» Wissenschaftliche Studien stehen noch aus, ob der hypnotische Rekonditionierungsprozess Auswirkungen auf die neuronale Strukturveränderung hat.

Die These besagt, dass die Eigenschaft der lebenslangen Formbarkeit unseres Gehirns (neuronale Plastizität) genutzt werden kann, um unerwünschte Informationen im Unterbewusstsein positiv zu verändern. Im hypnotischen Zustand kann also ein effizienter Lernprozess stattfinden, um «installierte» Schmerzerinnerungen zu «deinstallieren». Diese Erinnerungen gehen jeweils auf eine Akutschmerz-Phase zurück und verursachen chronische Schmerzen.

Schmerz selektiv «ausknipsen»

Gemäss Gerhard T. Meier lässt sich unter Hypnose auch die akute Schmerzempfindung beeinflussen, sogar selektiv ausschalten, was in der Chirurgie bereits als Anästhesie-Alternative eingesetzt wird. Neurobiologen haben durch moderne Messmethoden nachgewiesen, dass Hypnose einen Effekt im Körper hat.

Das Schmerzgefühl ist ein psychophysiologisches Phänomen und gleicht darin seinem Gegenteil, dem Wohlgefühl. Und ist insofern genauso psychologisch beeinflussbar. So ist der Körper imstande, sein eigenes Schmerzmittel herzustellen: Endorphine, deren Wirkung 200 Mal so stark ist wie Morphium.

Das Phänomen, weshalb hypnotisierte Menschen schmerzunempfindlich werden, ist dokumentiert. Unter Hypnose gelangt zwar die Schmerzinformation zur Gehirnrinde. Die Verarbeitung dieses Signals wird jedoch so gesteuert, dass die Wahrnehmung sich verändert. Die ansonsten lebenswichtige Warnmeldung («Aua!») wird dann nicht gesendet. Therapeuten haben festgestellt, dass dazu eine tiefe Hypnose nicht nötig ist. Fast alle Menschen lassen sich in eine leichte bis mittlere Trance versetzen.

Mit der sogenannten Ablationshypnose, also der Eigenhypnose, kann es Schmerzpatienten gelingen, bei Bedarf Schmerzfreiheit herzustellen. In tiefer Hypnose lässt sich ein Codewort im Unterbewusstsein verankern, womit der Patient die Wahrnehmung ausschalten kann.

Allerdings spielt gerade bei chronifizierten Schmerzen das dem Schmerz zugrundeliegende Trauma eine grosse Rolle, das sich nicht einfach «weghypnotisieren» lässt. Auch darum ist vor der Hypnotherapie auf jeden Fall die medizinische Diagnostik notwendig.

Die genauen Zusammenhänge sind von der Wissenschaft noch nicht erklärt, was die Anwendungsmöglichkeit der Hypnose in der Schmerztherapie freilich nicht schmälert.