Schmerz und Schmerztherapie

Schmerz ist ein unangenehmes Erlebnis mit Gewebeschädigung. Diese Definition vereint die subjektiven und die objektiven Aspekte des Schmerzes. Schmerzen sind nicht zwingend objektiv mit Röntgenbildern oder evidenten Verletzungen nachweisbar.

In der Schmerzmedizin wird nach der Dauer des Schmerzes zwischen akuten und chronischen Schmerzen unterschieden, nach den Ursachen zwischen nozizeptiven und neuropathischen Schmerzen. Zudem werden Schmerzen auch nach ihrer Lokalisation klassifiziert: zum Beispiel Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen, Bauchschmerzen und so weiter.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen akuten und chronischen Schmerzen. Der akute Schmerz ist ein Warnsignal unseres Körpers. Wenn der Schmerz länger dauert spricht, man von chronischen Schmerzen. Diese Schmerzen haben ihre Funktion als Warnsymptom verloren. Chronischer Schmerz wird heute als Krankheit anerkannt.

In der Physiotherapie können dem Patienten Übungen gezeigt werden, deren konsequente Durchführung zu Hause zu einer Symptomlinderung beitragen kann

Nozizeptiver Schmerz entsteht durch mechanische, thermische, chemische oder elektrische Stimulation der Schmerzrezeptoren an den Nervenendigungen (Nozizeptoren); neuropathischer Schmerz ist ein chronischer Schmerzzustand, der durch Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems hervorgerufen wird.

Die Diagnosestellung findet meistens in einem interdisziplinären Rahmen unter Einbezug verschiedener Schmerzspezialisten statt: Rheumatologen, Neurologen, Anästhesiologen, Psychologen und anderer. Diese Zusammenarbeit ist auch wichtig für die Erarbeitung eines entsprechenden Therapievorschlags für den Hausarzt.

Für die Behandlung eines Schmerzpatienten sind folgende Punkte zentral: Schmerzlinderung, Verbesserung des Nachtschlafes, Verbesserung der Beziehungen zu anderen Menschen, Verbesserung der Stimmung des Patienten, Verbesserung seiner Alltagsaktivität, seiner Belastbarkeit und seiner Arbeitsfähigkeit.

Kommunikation zwischen Arzt und Patient

Das wohl Wichtigste ist, dass Arzt und Patient die gleiche Sprache sprechen. Der Patient muss klar verstehen können, was der Arzt ihm mitteilt. Andersrum darf der Patient keine Scheu haben, seinem Arzt das Ausmass seiner Schmerzen mitzuteilen. Und genau dort ist die Umsetzung in die Praxis äusserst schwer. Arzt und Patient beurteilen Schmerzen meist nicht gleich und haben somit einen ungleichen Ausgangspunkt für das Schmerzmanagement.

Ein essenzieller Punkt ist die gemeinsame Definition von realistischen Behandlungszielen. Dabei muss besprochen werden, in welchen Bereichen des Alltags dem Patienten eine Schmerzerleichterung besonders wichtig ist und wie sich diese erreichen lässt.

Der Patient muss auch über den eingeschlagenen Behandlungsweg informiert werden. Jede medikamentöse und interventionelle Behandlung kann Nebenwirkungen und Komplikationen verursachen, die den Patienten beunruhigen können. Deshalb betone ich die Wichtigkeit der aufklärenden Arbeit des Arztes.

Der Patient muss lernen, sich mit einem Restschmerz abzufinden und sich darauf einzustellen, so hart das klingen mag. Ansonsten werden Erwartungen gestellt, die nie erfüllt werden können und den Therapieverlauf negativ beeinflussen. Dank intensiver Forschung können wir heute die Symptome enorm verbessern. Dennoch bleibt ein Restschmerz, den es seitens des Patienten zu akzeptieren gilt.

Was kann der chronische Schmerzpatient selbst zur Verbesserung der Symptomatik beitragen?

Um das Therapieziel Verbesserung der Lebensqualität auf den beschriebenen Ebenen zu erreichen, ist eine multimodale Therapie erforderlich. Dabei spielen Physio- und allenfalls Psychotherapie sowie medikamentöse Behandlungen eine Rolle.

In der Physiotherapie können dem Patienten Übungen gezeigt werden, deren konsequente Durchführung zu Hause zu einer Symptomlinderung beitragen kann. Hier ist das persönliche Engagement des Patienten sehr wichtig.

Häufig sind chronische Schmerzen von depressiven Symptomen begleitet. Die Depression sollte unbedingt bekämpft werden, wenn notwendig mittels Psychotherapie. Wichtig ist, dass der Patient sozial aktiv bleibt und sich nicht zurückzieht. Auch dies dient der Bekämpfung der depressiven Symptome.

Ebenso ist die regelmässige Medikamenteneinnahme essenziell. Selbstständiges Absetzen des Medikamentes oder eine selbstständige Dosisreduktion können zu neuen Schmerzschüben führen.

Letztendlich muss der Patient seine individuelle Balance zwischen «zu viel» und «zu wenig» finden. Hier können Selbsthilfegruppen sowie verschiedene Broschüren zum Thema unterstützend wirken.

Eine entscheidende Rolle spielen natürlich auch die behandelnden Ärzte und Therapeuten wie auch die Kliniken, in denen die Schmerztherapie stattfindet. In dieser Beilage werden Sie viel darüber erfahren. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre.