Menschen mit psychischen Störungen leiden oft unter verminderter Konzentrationsfähigkeit, ihr Selbstvertrauen ist reduziert und sie haben Mühe, auf andere zuzugehen. Ihre Arbeitsleistung ist dadurch stark beeinträchtigt. «Auch für die Sozialversicherungen spielen psychische Krankheiten eine enorme Rolle», sagt Urs Hepp, Chefarzt Externer Psychiatrischer Dienst der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG).

«1990 wurden noch 25 Prozent der IV-Renten wegen psychischer Erkrankungen gesprochen, 2009 waren es 41 Prozent. Deshalb zielte die 5. IV-Revision in erster Linie auf eine rasche Reintegration ab.»

Doch weshalb sind psychische Erkrankungen und damit die IV-Bezüge so stark gestiegen? Die Anforderungen in der Arbeitswelt hätten zugenommen, maximale Leistung werde verlangt, so Urs Hepp. Zudem nehme die Toleranz gegenüber nicht voll belastbaren Mitarbeitern stetig ab.

Unterstützung am Arbeitsplatz wichtig

Der Wiedereinstieg nach einer psychischen Erkrankung sei viel schwieriger als bei einer körperlichen und der Heilungsprozess weniger vorhersehbar. «Mit jedem Tag sinken die Chancen auf einen erfolgreichen Wiedereinstieg», erklärt Urs Hepp.

Deshalb sei es entscheidend, dass jemand rasch an den Arbeitsplatz zurückkehre und dabei Unterstützung erhalte. Früher galt, zuerst trainieren, dann integrieren. Heute weiss man, dass der umgekehrte Weg bessere Ergebnisse bringt. «First place, then train» heisst das Motto. Die Betroffenen sollten unter realen Bedingungen den Wiedereinstieg proben, auch wenn sie noch nicht voll leistungsfähig sind.

«Dies bedingt eine enge Zusammenarbeit zwischen Betroffenem, Behandlungsteam und Arbeitgeber. In den Psychiatrischen Diensten Aargau AG haben wir Arbeitscoaches angestellt, die die Koordination zwischen Behandlung und Arbeitswelt gewährleisten.» Der Coach begleitet die betroffene Person an den Arbeitsplatz, bespricht mit dem Arbeitgeber, welche Unterstützung sie braucht, zeigt umgekehrt dem Arbeitgeber auf, was er an Unterstützung durch die IV zu erwarten hat.

Über längere Zeit begleitet er den Rehabilitationsprozess und kann so rechtzeitig intervenieren. «Studien belegen, dass so die Chancen auf Erfolg wesentlich höher sind», sagt Urs Hepp.