Der GIST (gastrointestinaler Stromatumor) ist ein selten auftretender Weichteilkrebs, meist im Bereich des Magens (60 Prozent) oder des Darmtraktes. Er tritt etwa zehn Mal auf eine Million Einwohner auf; die Schweiz verzeichnet im Jahr etwa 70 bis 80 Neuentdeckungen, sagt Dr. med. Donat Dürr, leitender Arzt der Onkologie/Hämatologie am Zürcher Stadtspital Triemli, einem der drei Schweizer GIST-Kompetenzzentren.

Patientinnen und Patienten suchen den Arzt auf, weil sie Blut im Stuhl entdecken, oder wegen Atemnot, Müdigkeit, unspezifischen Bauchschmerzen. GIST ist keine Wohlstandserkrankung infolge ungesunden Lebenswandels. Bis vor etwa 30 Jahren war es nicht einfach, GIST von anderen Weichteiltumoren zu unterscheiden, weil moderne, spezifische Untersuchungsmethoden wie die Immunhistochemie den Pathologen noch nicht zur Verfügung standen.

Dank den Bildgebungs-Techniken wie der Computer-Tomografie (CT) oder der Magnetresonanz-Tomografie (MRI) kann GIST häufig frühzeitig entdeckt werden, manchmal sogar dann, wenn Patienten ohne entsprechende Beschwerden und aus anderen Gründen untersucht werden. Eine Gewebeprobe führt zur Diagnose, und es wird untersucht, ob der Tumor etwa bereits in anderen Körperteilen Ableger verursacht hat.

Beurteilung des Rückfallrisikos

Zeigt die Bildgebung keine Ableger, so ist eine Operation angezeigt. Mit der Entfernung eines Teils des Magens oder des Dünndarms wird zwar der gesamte Tumor entfernt, es ist aber dennoch nicht sicher, ob nicht bereits auf dem Blutweg bösartige Zellen gestreut wurden. Postoperativ lässt sich das Rückfallrisiko zum Beispiel mit dem Miettinen-Index berechnen. Das heisst: Je grösser der Tumor war, desto eher müssen bösartige Zellen in der Blutbahn vermutet werden.

Auch die Lokalisierung spielt eine Rolle: «Das Rückfallrisiko bei einem GIST im Magen ist deutlich kleiner als zum Beispiel im Dünndarm», sagt Donat Dürr. Im Weiteren spielt die Wachstumsgeschwindigkeit (mitotischer Index) eine wichtige Rolle bezüglich des Rückfallrisikos. «Bei hohem Rückfallrisiko entscheiden wir uns für eine adjuvante Therapie mit Tabletten, um das Risiko für einen Rückfall zu senken», erklärt der Onkologe. «Bei mittleren Risiken wägen wir ab, ob wir diese Nachbehandlung beginnen, weil wir die betreffenden Patienten nicht unnötig durch Nebenwirkungen belasten wollen.»

Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit, Blutbildveränderungen und Wassereinlagerungen in der Augenregion. Letzteres kann besonders für junge Frauen eine Belastung sein. «Die Übelkeit können wir mit einem Trick aushebeln», so Donat Dürr, «indem wir den Patienten raten, die Tabletten abends einzunehmen. Im Schlaf werden sie die Übelkeit deutlich weniger wahrnehmen.»

Vielleicht länger als drei Jahre

Skandinavische Studien haben gezeigt, dass die adjuvante, also zur Operation ergänzende Therapie mit Tabletten mindestens drei Jahre lang durchgeführt werden sollte. Diese Zeitspanne verspricht eine bessere Überlebenschance. Dürr: «Ob eine noch längere Therapie etwas bringt, wissen wir noch nicht, weil hier noch Studien im Gang sind. Die meisten Onkologen neigen allerdings dazu, weil wir sehen, dass ein gewisser Prozentsatz der Patienten einen Rückfall erleidet, sobald die Tabletten abgesetzt werden.»

Die Behandlung und Nachbehandlung von GIST erfolgt im Spital durch ein interdisziplinäres Team, das sich ausser Onkologen auch aus Pathologen, Radiologen und Chirurgen zusammensetzt. Gemeinsam werden Chancen und Risiken erwogen und die Therapien festgelegt, von der Operation bis zur adjuvanten Nachbehandlung. Die adjuvante Nachbehandlung unterscheidet sich von der palliativen Nachbehandlung. Wenn eine Heilung nicht möglich ist, stehen mehrere moderne Tabletten, sogenannte Multikinase-Inhibitoren, zur Verfügung.

Für die adjuvante Senkung des Rückfallrisikos gibt es eine einzige Tablette namens Imatinib, die vor zehn Jahren einer Revolution gleichkam. Seitdem kann, anders als bei einer flächendeckenden Chemotherapie, gezielt bei relativ erträglichen Nebenwirkungen auf den Tumor eingewirkt werden. Die Patienten tragen durch ihre Therapietreue, also die durch den Arzt empfohlene ,regelmässige und wie Medikamenteneinnahme, entscheidend zum Erfolg der Behandlung bei.

Gute Information ist wichtig
Wer sich einer adjuvanten Therapie unterzieht, ist in regelmässigem Kontakt mit den Medizinern. Vor dem Start der Therapie soll eine sogenannte Mutationsanalyse durchgeführt werden, mit der untersucht wird, ob der Tumor genetische Veränderungen durchgemacht hat und auf die Therapie anspricht. Dies kommt in 80 Prozent der Fälle vor. Neben der medikamentösen Therapie gehören auch regelmässige Bildgebungen zur Behandlung, obwohl deren optimales zeitliches Intervall noch unklar ist. Als sehr wichtig erachtet Dr. Dürr die GIST-Gruppe Schweiz, eine Vereinigung, die GIST-Patienten umfassend informiert: «Wer mit der GIST-Gruppe in Kontakt getreten ist, weiss häufig sehr viel über diese Krankheit.»