Vor allem eine abnehmende Sexualfunktion mit verminderter Libido sowie eine erektile Dysfunktion, oft begleitet von zunehmender Müdigkeit und Muskelschwäche. Gleichzeitig muss ein zweimalig am Morgen gemessenes tiefes Testosteron unter dem altersentsprechenden Normbereich vorliegen.

Wie lässt sich die Wirksamkeit einer Testosteronbehandlung belegen?
Vor allem klinisch. Im Falle einer erfolgreichen Therapie resultieren meist mehr Energie und Kraft, mehr Libido und weniger erektile Dysfunktion. Man muss aber auch den Placebo-Effekt im Auge behalten. Deshalb sind für eine zuverlässige Aussage Placebo-kontrollierte doppelblinde Studien wichtig. Diese haben gezeigt, dass unter einer Testosterontherapie beim älteren Mann die Muskelmasse ansteigt, in der Mehrzahl der Studien auch die Muskelkraft. Eine Zunahme der Knochendichte zeigt sich in den meisten Studien aber nur, wenn die Testosteronwerte vor Beginn der Therapie wirklich ganz klar erniedrigt waren. Die Resultate bezüglich Sexualfunktion sind sehr kontrovers, mit zum Teil negativen, zum Teil positiven Resultaten. Wichtig ist, dass ein Therapieeffekt sich in den allermeisten Studien nur nachweisen lässt, wenn auch wirklich ausschliesslich Männer mit klar erniedrigten Testosteronwerten behandelt werden.

Wie steht es um die Verträglichkeit und
therapeutische Sicherheit bei einer Testosteronbehandlung?

Leider gibt es dazu noch keine Langzeitstudien, was eine Aussage über die therapeutische Sicherheit erschwert. In den bisher vorhandenen Studien ist die Verträglichkeit relativ gut, als Nebenwirkung kann es zu einem Anstieg der roten Blutkörperchen kommen. Bisher konnte kein Anstieg der Inzidenz eines Prostatakarzinoms nachgewiesen werden. Was die kardiovaskulären Erkrankungen betrifft, so lassen sich bisher keine klaren Schlüsse ziehen. Allerdings musste eine vor kurzem publizierte Placebo-kontrollierte Studie frühzeitig abgebrochen werden, da in der Testosterongruppe eine signifikant höhere Anzahl Patienten kardiovaskuläre Ereignisse aufwiesen. Dies waren Patienten mit eingeschränkter Mobilität, deshalb wäre ich insbesondere bei älteren polymorbiden Patienten mit kardiovaskulären Grunderkrankungen extrem zurückhaltend mit einer Testosterontherapie.

Unter welchen Voraussetzungen beziehungsweise bei welchen Vorerkrankungen darf die Testosteronbehandlung nicht durchgeführt werden?
Eine Kontraindikation ist das Prostatakarzinom. Bei einer Prostatahyperplasie, einer gutartigen Vergrösserung der Prostata, liegt keine absolute Kontraindikation vor. Der Patient muss jedoch im Falle einer Testosteronbehandlung engmaschig kontrolliert werden. Bei Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen wäre ich wie erwähnt sehr vorsichtig und zurückhaltend, was eine Testosterontherapie betrifft. Man weiss auch, dass ein Schlafapnoesyndrom sich durch eine Testosteronbehandlung verschlechtern kann.

Mit welchem Ziel wird die Behandlung
durchgeführt. Anders gefragt: Wann ist sie überhaupt indiziert?

Es geht vor allem darum, die Symptome, die durch einen tiefen Testosteronspiegel verursacht werden können, zu vermindern und die Lebensqualität zu erhöhen. Eine Therapie ist dann indiziert, wenn mehrere klare Symptome vorliegen, auch wenn diese unspezifisch sein können, und gleichzeitig die Testosteronwerte zu tief sind. Wichtig ist, dass man bei älteren Männern nicht einfach die Referenzbereiche eines jungen Mannes beizieht, da die Testosteronwerte im Alter etwas abnehmen. Deshalb gibt es altersadaptierte Normwerte für ältere Männer. Wichtig ist auch, dass eine Testosteronbehandlung kontinuierlich und engmaschig kontrolliert beziehungsweise überwacht wird.

Sollte vor und während der Therapie eine Prostatauntersuchung durchgeführt werden – und wenn ja: weshalb?
Bei Männern über 50 Jahren wird dies empfohlen, also vor sowie drei bis sechs Monate nach Beginn der Therapie und dann jährlich. Die Prostata ist ein androgen-abhängiges Organ, deshalb liegt es nahe zu vermuten, dass durch eine Testosteronbehandlung die Prostata und möglicherweise auch ein bisher vorhandenes Mikrokarzinom wachsen könnten. Dies hat sich aber in den bisherigen Studien nicht verifizieren lassen. Allerdings wurden diese Studien während höchstens drei Jahren durchgeführt, was meines Erachtens als Beobachtungszeit nicht ausreicht.