Bei einem Burnout handelt es sich weniger um eine Diagnose als um einen stetig fortschreitenden Prozess. «Ein Burnout ist ein stressbedingter Prozess, der in einer völligen psychischen und körperlichen Erschöpfung enden kann. Anders als die klassische Depression weist das Burnout-Syndrom allerdings einen eindeutigen Bezug zu einem Leistungskontext auf», erklärt der Neurologe und Psychiater Christian Seeher. Dieser kann sowohl im Arbeitsumfeld als auch im privaten Kontext gefunden werden. Das Burnout-Syndrom entwickelt sich meist langsam und stufenweise und führt zu einem persönlichen «Ausbrennen».

Am Anfang steht in der Regel ein Überengagement für eine Sache, am Ende die völlige Erschöpfung, wobei sich die zunächst auf den Leistungskontext bezogenen Beschwerden auf das gesamte Leben ausweiten können. «Burnout ist ein Prozess, an dessen Ende eine Depression stehen kann. Allerdings muss diese klar von der klassischen Depression abgegrenzt werden. Ein Burnout endet nicht zwingend in einer Depression», sagt Christian Seeher. Gemäss dem Modell I-S-A-R lässt sich ein Burnout in vier unterschiedliche Phasen unterteilen.  

«Das Modell I-S-A-R zeigt einen typischen vierstufigen Phasenverlauf eines Burnouts und nennt die in der Forschungsliteratur am häufigsten beschriebenen Symptome. Daneben sind atypische Verläufe möglich – etwa bei Personen, die sich auch jenseits des Leistungskontexts als überfordert erleben», so der Psychiater.

«Wie man an diesem Phasenverlauf sehen kann, werden einige Stufen durchlaufen, bis es tatsächlich zu einer Depression kommen kann. Die Betroffenen merken häufig selbst, wenn es keine einfache Arbeitsüberlastung mehr ist, sondern in eine Depression übergeht», sagt Seeher. Im Vordergrund stehen oft Schlafstörungen, Gedankenkreisen, Erschöpfung  und Niedergeschlagenheit. Wichtig ist, dass man rechtzeitig die Notbremse zieht. Zu Beginn eines Burnouts reichen oftmals eine Veränderung der Arbeits- und Lebenssituation sowie eine Überprüfung der eigenen Einstellungen. Ist das Burnout schon weiter fortgeschritten, kommen verschiedene Therapieansätze wie Psychotherapie, Entspannungsverfahren sowie möglicherweise Medikamente zum Einsatz.

Hilfe annehmen

Für die Therapie des Burnout-Syndroms ist es wichtig, dass die Betroffenen rechtzeitig erkennen, dass sie Hilfe benötigen und diese auch für sich annehmen. Langfristig ist es für sie notwendig, bisherige Verhaltensmuster und Gewohnheiten zu ändern und Wert auf eine gesunde Lebensweise zu legen. Betroffene müssen lernen, eigene Bedürfnisse zu erkennen und zu beachten. «Je früher man mit einer Therapie beginnt, desto günstiger wirkt sich dies auf den Krankheitsverlauf aus.» Sind die Beschwerden im Rahmen eines Burnout-Prozesses so  stark ausgeprägt, dass eine Depression vorliegt, kann es sinnvoll sein, die psychotherapeutische Behandlung stationär in einer Klinik durchzuführen.

Für die intensive Behandlung einer Erschöpfungsdepression im Rahmen eines Burnout-Prozesses ist es wichtig, die unterschiedlichen Dimensionen eines Burnouts zu differenzieren. «Man unterscheidet eine objektive, subjektive und existenzielle Dimension. Bei der objektiven Dimension betrachtet man das reale Ungleichgewicht zwischen Ressourcen und Anforderungen. Bei der subjektiven Dimension beschäftigt man sich mich der Einschätzung der eigenen Einstellungen und Bewertung des jeweiligen Stresskontextes. In der Folge gibt es Einschränkungen auf der existenziellen Dimension, aus denen sich Konsequenzen der vorherigen beiden Dimensionen für das eigene Ich und den damit verbundenen Selbstwert und die Selbstwirksamkeit ergeben», erklärt Christian Seeher.

Das I-S-A-R-Modell

  • I = Idealismus

    Starkes Leistungsstreben, hohe Erwartungen an sich selbst, Drang, sich und anderen etwas beweisen zu wollen
     
  • S = Skepsis/Verunsicherung

    Wachsende Zweifel an sich selbst aufgrund von Überanstrengung, mangelnder Erholung, Vernachlässigung persönlicher Bedürfnisse und sozialer Kontakte
     
  • A = Apathie/Anhaltende Frustration

    Zunehmend mechanisches Verhalten, Verlust des Kontaktes zu sich selbst, vermehrte Unsicherheit und Ängstlichkeit, Gefühl der Wertlosigkeit
     
  • R = Resignation

    Andauernde Erschöpfung, depressive Symptomatik, Gefahr eines mentalen und physischen Zusammenbruchs, Suizidgedanken