Prostatakrebs ist unter Männern die am weitesten verbreitete Tumorart. Bei 40 Prozent aller 65-jährigen Männer finden sich Krebsdrüsen in der Prostata, bei etwa 12 Prozent wird irgendwann im Leben die klinische Diagnose Prostatakarzinom gestellt und bei rund drei Prozent aller Männer ist ein Prostatakrebs die Todesursache.

Fortgeschrittene Tumore
Ist ein Prostatakarzinom lokal fortgeschritten und hat Ableger gebildet, kann es nicht mehr definitiv geheilt werden. Dann hilft vor allem noch eine Hormontherapie. «Diese gibt es bereits seit den Vierzigerjahren», sagt Prof. Dr.med.Hans-Peter Schmid, Chefarzt für Urologie am Kantonsspital St. Gallen. «Bei dieser Behandlung werden die männlichen Hormone, Testosteron und Androgene dem Körper entzogen. Der Tumor braucht sie, um weiter wachsen zu können. Durch den Entzug können Tumor und Ableger eine Zeit lang kontrolliert werden.» Zwei Methoden führen zu diesem Ziel: Entweder wird die Quelle vernichtet und das Hormon produzierende Gewebe im Hoden operativ entfernt. «Das ist eine Kastration und wird vor allem aus psychologischen Gründen kaum mehr praktiziert», sagt Schmid. Der andere Weg ist eine Spritze ins Bauchfett, alle drei Monate, welche die Hormonproduktion bis auf Null senkt. Auch dies ist eigentlich eine Kastration, aber eine mit Medikamenten, was für die Patienten psychologisch wichtig ist.

Lebenszeit und -qualität
Doch irgendwann verliert die Hormontherapie ihre Wirkung, meistens nach zwei bis drei Jahren. Dann wachsen die Metastasen weiter und schliesslich sterben die Betroffenen. Allerdings gibt es Hoffnung. «Seit wenigen Jahren gibt es neuartige Hormontherapien, die viel stärker wirken», sagt Schmid. «Ein Präparat stoppt die Produktion der männlichen Hormone und ist deutlich potenter als bisherige Mittel. Ein zweites Präparat blockiert die Rezeptoren in den Zellen, wo diese Hormone andocken. Beide Medikamente führen erwiesenermassen zu einer Lebensverlängerung von einem knappen Jahr – immerhin.»

Zusätzlich gibt es neue Substanzen, die den Knochen schützen. Das ist wichtig, weil die Ableger eines Prostatakarzinoms vor allem in die Knochen wandern und ihn zerstören, was zu Knochenbrüchen und Knochenschmerzen führt. Hinzu kommt die klassische Chemotherapie, wo es speziell für Prostatakrebs zwei relativ neue Substanzen gibt. Die Kombination dieser Medikamente und der drei Säulen Hormontherapie, Chemotherapie und Knochen schützende Substanzen kann heute sowohl die Lebenszeit verlängern als auch die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Noch mehr Hoffnung
Und es gibt sogar noch viel mehr Hoffnung. «Derzeit werden vielversprechende Hormonpräparate entwickelt und erprobt. Sie könnten in wenigen Jahren auf den Markt kommen und den Prostatakrebs dann von einer tödlichen Bedrohung in eine chronische Krankheit umwandeln, ähnlich wie bei einem ­Diabetes oder chronischem Rheumatismus. Man hat den Krebs zwar, stirbt aber nicht daran», sagt Schmid. «Wir haben durchaus berechtigte Hoffnungen und gewinnen laufend mehr Kontrolle über diesen Tumor.»