Die depressive Störung ist eine der am meisten verbreiteten psychischen Erkrankungen. Die einzelnen Symptome im Verlauf der Krankheit sowie die unterschiedlichen Behandlungsbedürfnisse von Betroffenen sind es, die auch immer wieder zu Missverständnissen führen.

Eines dieser weitverbreiteten Missverständnisse ist die Ansicht, dass eine Depression immer direkt mit einer klinischen Behandlung im Zusammenhang stehen muss. Grundsätzlich aber ist die klinische Behandlung einer Depression eine jener Therapieformen, die nur in seltenen Fällen von einem Arzt als Notwendigkeit angesehen wird.

Intensive Betreuung

Der Aufenthalt in einer Klinik und somit die ständige klinische Behandlung der Depression ist in der Regel nur dann indiziert, wenn der Schweregrad der Depression oder aber einzelne Symptome ein eigenständiges Leben unmöglich machen. Ist ein Patient aufgrund seiner Depression nicht mehr in der Lage, seinen Alltag alleine zu bewältigen oder aber droht gar die Gefahr eines Suizids, ist die klinische Behandlung auf jeden Fall nötig.

Die Vorteile der klinischen Behandlung liegen in der intensiven Betreuung der Betroffenen. Die Klinik bietet zudem zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten, und die Behandlungsziele sind oft sehr rasch zu eruieren. Weiter können die akuten Auswirkungen der Depression in der Klinik rund um die Uhr überwacht und behandelt werden. Daneben gibt es auch Krankheitsverläufe, die einen Klinikaufenthalt nicht zwingend, aber vorteilhaft erscheinen lassen.

Wenn eine Depression zum Beispiel schon sehr lange besteht und die regelmässigen Therapiesitzungen beim Facharzt nur bedingt weiterhelfen, dann kann ein zeitlich begrenzter Klinikaufenthalt durchaus seine Vorteile mit sich bringen. Beispielsweise in Form einer Kur. Hier werden die Betroffenen über einen Zeitraum von vier bis acht Wochen gezielt behandelt, um so die Depression an sich wie auch deren Ursachen gezielt therapieren zu können.

Typisch ist diese Form der klinischen Behandlung einer Depression insbesondere im Bereich des sogenannten Burnout-Syndroms.

Die Entscheidung für eine klinische Betreuung ist oft das letzte mögliche Mittel zum Schutz des Patienten.

Schutz des Patienten

Zwingend nötig wird die Behandlung in einer Klinik jedoch erst dann, wenn der Schweregrad der Depression derart zunimmt, dass der Alltag von Betroffenen ohne ständige Betreuung nicht mehr vertretbar ist.

Diese Situation kann von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Die Entscheidung für eine klinische Betreuung ist oft das letzte mögliche Mittel zum Schutz des Patienten.

Gründe für eine nötige klinische Behandlung sind etwa ein Selbstmordversuch des Betroffenen, die Unfähigkeit von Betroffenen, ihren Alltag selbstständig zu bewältigen, oder akute körperliche Begleiterscheinungen der Depression. Erst wenn diese oder weitere ähnlich akute Faktoren eintreten, ist der Aufenthalt in einer Klinik zwingend nötig.

BETROFFENENBERICHT: LEONIE W.*

Kapitel 3

Schutz vor sich selbst

Zu Beginn meiner Depression waren meine Familie und ich überzeugt, dass wir es gemeinsam schaffen. Ich lebte die ersten Wochen bei meinen Eltern und wurde von ihnen betreut. Es ging mir jedoch immer schlechter und meine Selbstmordgedanken wurden zunehmend stärker. Meine Eltern konnten die Verantwortung für mich nicht mehr tragen. An den Moment, als ich in die Klinik gekommen bin, kann ich mich nur vage erinnern.

Mir war zu diesem Zeitpunkt alles egal, ich erlebte mein Leben wie durch einen Nebel hindurch. Ich hatte keine Kraft und Energie mehr, war wie gelähmt. In der Klinik realisierte ich, dass sich mein Zustand nicht von heute auf morgen ändern wird und dass ich sehr viel Geduld brauchen werde. Trotz Medikamenten hatte ich starke Selbstmordgedanken. Für mich war besonders hart, da ich durch die Isolation der Klinik meine Familie nicht um mich hatte.

Sie waren das Einzige, was mich bisher am Leben gehalten hatte. Insgesamt war ich ein halbes Jahr in der Klinik. Rückblickend war ich permanent in diesem Nebel und habe in einer Parallelwelt, einem geschützen Kokon gelebt. Dieser Schutz vor der Aussenwelt war in diesem Moment existenziell für mich. Endlich konnte ich Verantwortung abgeben und musste nichts, ausser mich darum zu kümmern, dass ich wieder gesund werde.

Der Aufenthalt in der Klinik hat mir geholfen zu erkennen, dass ich Grundlegendes in meinem Leben ändern muss, damit ich überleben kann.Glücklicherweise kam ich in der Klinik an sehr gute Psychologen und fasste das Vertrauen, dass ich mein Leben ändern kann und dass es Menschen gibt, die mich auf diesem Weg begleiten. Gleichzeitig habe ich unter anderem eine Kunsttherapie gemacht und das Malen für mich entdeckt. Auch heute verarbeite ich noch vieles in meinen Bildern. 

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*Name von der Redaktion geändert.