Die Menopause bezeichnet nicht - wie fälschlicherweise oft angenommen wird - die gesamten Wechseljahre, sondern lediglich den Zeitpunkt der letzten Menstruation. Wann die Wechseljahre beginnen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. «Eine wichtige Rolle spielt die Vererbung. Aber auch Operationen an den Eierstöcken, chronische Erkrankungen, eine Radio- oder Chemotherapie, Medikamente und das Rauchen können zu vorzeitigem Klimakterium führen. Bei Raucherinnen beginnen die Wechseljahre im Schnitt 2 Jahre früher», erklärt die Gynäkologin Dr. med. Cornelia Urech.

Wechseljahre als einschneidende Lebensphase

Erste Zeichen, dass die Wechseljahre beginnen, sind in den meisten Fällen Blutungsstörungen. «Oftmals ist der Menstruationszyklus verkürzt und die Blutungen sind stärker als gewohnt. Hinzu können Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Hitzewallungen kommen». Häufig bringen die Wechseljahre auch Ängste und Unsicherheiten mit sich. Die Frauen fürchten zum einen den Verlust der Jugendlichkeit, zum anderen aber auch die körperlichen Beschwerden durch die hormonellen Veränderungen. «Frauen empfinden die Menopause als Einschnitt in ihr bisheriges Leben.

Sie müssen sich mit dem Älterwerden auseinandersetzen und sich neu orientieren. Bei einem Mann um die 50 spricht man von «den besten Jahren», eine Frau in diesem Alter fürchtet um ihre Attraktivität.» Dabei können die Wechseljahre getrost als wertvolle und spannende Zeit betrachtet werden. Laut Urech erlebt jede Frau die Wechseljahre anders: Manche Frauen empfinden sie als Einschränkung ihrer Weiblichkeit, andere als Phase neuen Selbstbewusstseins.

Ein positiver Effekt ist für viele Frauen das Ausbleiben der Blutungen. Zudem sind die Kinder selbständig und unter Umständen bereits aus dem Haus, man hat endlich mehr Zeit für die eigenen Bedürfnisse und kann Neues in Angriff nehmen. Betrachtet man die Wechseljahre jedoch von der negativen Seite, so bedeuten diese das Ende der Fruchtbarkeit, veränderte Familienstrukturen, und in manchen Fällen Angst vor der neuen Lebensphase, vor Krankheiten oder der abnehmenden Leistungsfähigkeit.

«Die Wechseljahre sind aber ein langsamer Prozess über Jahre und die Frau hat genug Zeit sich auf den neuen Lebensabschnitt einzustellen. Wichtig ist, dass sie ihr Leben bewusst gestaltet. Denn die Zeit nach den Wechseljahren bietet so viel Potential.» Im Schnitt hat eine Frau nach der Menopause noch aktive 30 Jahre vor sich. Deshalb sind die Wechseljahre die beste Zeit sich zu hinterfragen, welche Ziele, Träume und Vorstellungen man hat und wie diese umzusetzen sind.

Körperliche Veränderung während den Wechseljahren

Viele Frauen befürchten eine Gewichtszunahme während den Wechseljahren. Diese Befürchtung sei laut Urech zum Teil berechtigt, denn die Frau nimmt mit Eintritt der Menopause im Schnitt 2–3 Kilo zu. «Wir Frauen setzen uns unter einen enormen Druck schlank zu bleiben und definieren die Attraktivität oft über das Gewicht. Wer dem Altern jedoch gelassen begegnen kann, trägt viel zu körperlichem und seelischem Wohlbefinden bei.»

Dies wiederum sind beste Voraussetzungen um auch im Alter attraktiv zu bleiben. Weiter verändern sich während den Wechseljahren oftmals die Schleimhäute, was sich in einer trockenen Vagina bemerkbar macht. «Wenn der Frau das Hormon Östrogen fehlt, kommt es nicht selten zu Problemen bei der Sexualität, da die trockene Vagina zu Schmerzen führt».

Dagegen lasse sich jedoch leicht mit speziellen Gleitgels oder einer vaginalen Östrogentherapie vorgehen. «Wichtig ist, dass die Frau das Problem bei der Frauenärztin äussert und auch mit ihrem Partner darüber spricht.» An Verhütung sollte bis zum Eintritt der Menopause unbedingt gedacht werden.

Wechseljahrbeschwerden lassen sich lindern

Gut ein Drittel aller Frauen spürt kaum Beschwerden, ein weiteres Drittel ist nur teilweise betroffen und ein Drittel leidet massiv unter Wechseljahrbeschwerden. «Viele Frauen versuchen zuerst mit natürlichen Präparaten zu behandeln, zum Beispiel mit Traubensilberkerze oder Soja, was teilweise auch gut funktioniert». Helfen diese Präparate nicht weiter, sollten Hormone eingesetzt werden.

«Diese Frauen leiden oft sehr stark und ihre Lebensqualität ist massiv eingeschränkt. Hier hilft eine Hormonersatztherapie mit Östrogen und einem Gestagen (Gelbkörperhormon). Leider hat eine 2002 veröffentlichte Studie, die einen Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Hormoneinnahme nachwies, die Frauen tief verunsichert. «Wir müssen bei einem grossen Teil der Frauen heute viel Überzeugungsarbeit pro Hormonersatz leisten.

Dabei zeigen neue Studien, dass die ersten 7 Jahre, in denen man Hormone einnimmt, kein zusätzliches Risiko für Brustkrebs darstellen». In jedem Fall sei es laut Urech wichtig, dass die Gynäkologin oder der Gynäkologe gemeinsam mit der Patientin individuell die beste Therapie findet.