Unter einem Burnout versteht man eine stressassoziierte Störung, die bei starker Ausprägung durchaus Krankheitswert hat. «Eine solche Störung stellt einen Risikozustand dar, der bei Chronifizierung der Stressbelastung zu psychiatrischen und somatischen Folgeerkrankungen führen kann», betont die Fachärztin Barbara Hochstrasser.

Zusammen mit einer Fachperson sollten Patienten die Faktoren bewerten, die zum Problem beitragen, um in der Lage zu sein, dieses zu lösen.

Bei einem schweren Burnout weisen über 50 Prozent der Betroffenen eine Depression auf. Im Allgemeinen handelt es sich um eine Major Depression.

Eine Major Depression ist nach der klassischen Definition eine biologische Erkrankung mit den typischen Symptomen von Energie- und Antriebslosigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Appetitverlust, reduziertem sexuellem Interesse und unter Umständen Suizidalität.

Depressionen können sowohl aufgrund einer genetischen Sensibilität als auch äusserer Faktoren entstehen. «Eine Erschöpfungsdepression geht als Ausdruck der stressbedingten Auslösung einher mit multiplen vegetativen Beschwerden, einer ausgeprägten Erschöpfung und einer deutlich reduzierten Belastbarkeit auch bei geringen Beanspruchungen», erläutert Hochstrasser.

Falls eine Depression vorhanden ist, sei die leitliniengerechte Therapie mit einer antidepressiven Medikation angezeigt. Die Rolle der Psychologin oder des Psychiaters bleibt dabei gleich, unabhängig davon, ob jemand wegen einer Depression oder eines Burn-outs Hilfe sucht.

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Zusammen mit einer Fachperson sollten Patienten die Faktoren bewerten, die zum Problem beitragen, um in der Lage zu sein, dieses zu lösen. Die Unfähigkeit der Patienten, adäquat mit Stress umgehen zu können, muss gleich zu Beginn der Behandlung beziehungsweise Therapie angesprochen werden.

«Regelmässige Bewegung reduziert Stress und kann die allgemeine Stimmung verbessern und leicht antidepressiv wirken», empfiehlt Hochstrasser. Das Trainingsprogramm muss der Belastbarkeit angepasst werden. Zudem ist es wichtig, Phasen von Aktivität mit Phasen von Erholung abzuwechseln und dabei genussvolle Aktivitäten zu bevorzugen.

Depressionen gehen mit Schlafstörungen einher. Manche Depressive schlafen zu viel, andere können nicht einschlafen oder wachen zu früh wieder auf. «Es geht darum, einen gesunden Schlaf wieder in sein Leben zu integrieren», erläutert Hochstrasser.

Wichtig sei dabei ein regelmässiger Zeitplan: Jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit zu Bett gehen, zahle sich aus. Nickerchen tagsüber sollten vermieden werden. Vor dem Zubettgehen ist es wichtig abzuschalten, indem man sich zum Beispiel mit einem guten Buch oder beruhigender Musik entspannt.

Ein verbesserter Schlaf trägt dazu bei, dass man am nächsten Tag fit und bereit für neue Aktivitäten ist. Dies ist eine der Grundvoraussetzungen, um sich von einem Burn-out oder einer Depression erholen zu können.

Zeit für Entspannung nutzen

Wichtig sei es, sich regelmässig zu entspannen, zum Beispiel durch Entspannungsübungen oder Meditation. Auch eine gesunde Ernährung sei relevant, betont Barbara Hochstrasser. Es gibt zwar keine Diät, die eine Depression heilen oder verhindern könnte.

Entscheidend ist es, die richtige Balance der verschiedenen Nahrungsmittel zu beobachten, um die nötigen Vitamine, Spurenelemente, Eiweisse und Fette zu erhalten. Dazu sind Vollkornprodukte, Gemüse und Früchte sowie wenig Fleisch, Milchprodukte oder pflanzliche Eiweisse geeignet.

«Fragen Sie Ihren Arzt, wie eine gesunde Ernährung für Sie aussehen könnte», rät Hochstrasser. Bei Stressbelastung greifen manche Menschen zu Alkohol oder Drogen. Diese sollten aber vermieden werden, da solche Substanzen eine Depression verschlimmern oder ihre Heilung verhindern können.

Um aus einer Depression herauszufinden, sind positive Dinge im Leben wertvoll. «Man sollte sich deshalb Zeit für Dinge nehmen, die man geniessen kann, sei dies, Zeit mit Freunden oder der Familie zu verbringen oder ein Hobby zu betreiben, an dem man Freude hat», so Hochstrasser.

Antidepressiva verhelfen zu einer Normalisierung der biologischen Störungen einer Depression, und parallel dazu verbessert sich auch die Stimmung. Ein «Time-out» von wenigen Minuten pro Tag kann dazu beitragen, dass man sich besser fühlt. «Nutzen Sie diese Zeit für Entspannung oder dazu, persönliche Bedürfnisse zu erfüllen, um Ihre Batterien wieder aufzuladen», empfiehlt Barbara Hochstrasser.

Zentraler Baustein der Therapie einer Erschöpfungsdepression oder eines Burn-outs sei die Psychotherapie. «Diese dient der Verarbeitung des Krankheitsprozesses, der Aufarbeitung der Stress auslösenden Faktoren, der Reflexion und Korrektur dysfunktionaler Kognitionen und Verhaltensweisen sowie dem Ressourcenaufbau für eine verbesserte Stressbewältigung und Lebensbalance», fasst Hochstrasser zusammen.