Psychische Krankheiten sind in unserer Gesellschaft tabuisiert und mit vielen Vorurteilen behaftet. Zum Beispiel, die Erkrankung sei eine persönliche Schwäche oder man müsse sich dafür schämen. Oder auch, psychische Krankheiten seien kaum behandelbar und wer einen Therapeuten oder Psychologen aufsuche, sei ‹nicht richtig› im Kopf. Doch solche Vorurteile haben gravierende Folgen: Betroffene und auch ihre Angehörigen ziehen sich zurück und verschweigen ihr Leiden. Das macht einsam und kann die Krankheit zudem verstärken. Hinzu kommt: Massnahmen der Früherkennung und Behandlung setzen durch die Tabuisierung oftmals deutlich zu spät ein.

Psychische Erkrankung: Jeder Zweite ist mal davon betroffen

Dabei kann besonders eine frühe Behandlung die Heilungschancen steigern.
Viele weltweit anerkannte Studien haben in den letzten 20 Jahren verdeutlicht, dass die Zahl psychischer Erkrankungen die frühere Schätzungen deutlich übersteigt. Die hohe Zahl von Betroffenen wurde nicht zuletzt unterschätzt, weil psychische Krankheiten in den meisten Fällen über Jahre hinweg verschwiegen werden. Dabei leidet jeder zweite Mensch in der Schweiz im Laufe seines Lebens einmal an einer psychischen Erkrankung. Somit ist davon auszugehen, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens, sei es als Betroffener oder als Angehöriger, mit psychischen Krankheiten in Kontakt kommt.

Depressionen und Angsstörungen sind häufig

Der dritte Monitoringbericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums aus dem Jahr 2012 gibt an, dass mittlerweile sogar jeder sechste Schweizer Bürger dauerhaft unter einer psychischen Krankheit leidet. Dabei zählen depressive Erkrankungen und Angststörungen zu den häufigsten Erkrankungen. Aber auch Alkoholabhängigkeit, Essstörungen, Panik und Platzangst sowie Schizophrenie sind keine Seltenheit und beeinträchtigen zumeist alle Lebensbereiche der Betroffenen.

Darüber sprechen

Gesellschaftlich gesehen ist wichtig, dass die Betroffenen in Zukunft weniger ausgegrenzt werden. Hierfür müssen das Wissen über psychische Erkrankungen in der Öffentlichkeit verbreitet und negative Vorurteile abgebaut werden. Denn nur wenn über psychische Erkrankungen gesprochen wird, kann ein guter Umgang damit gefunden werden.Etwa im familiären und privaten Umfeld oder auch am Arbeitsplatz, wo man die geeignete Form von Entlastung finden muss. Ein hilfreicher Lösungsansatz ist die Psychotherapie. Diese ist bei fast allen psychischen Erkrankungen ein zentraler und zumeist vielversprechender Behandlungsansatz. Abhängig von der Schwere und Ausprägung einer psychischen Erkrankung kann zusätzlich zur Therapie eine medikamentöse Einstellung sinnvoll sein. Doch wer unsicher ist, wie ein derartiges Gespräch aufgenommen oder der Beginn einer Therapie in die Wege geleitet werden kann, sollte sich vorab im Internet informieren oder mit seinem behandelnden Arzt darüber sprechen.