Haare sind aus biologisch-medizinischer Sicht unnötig, soziologisch jedoch sehr wichtig. Wer möchte schon auf volles Haar verzichten? Eine dicke, schöne Haarpracht steht für Vitalität, Gesundheit und sexuelle Anziehungskraft. Doch kein Haar ist für ewig. Haare haben eine begrenzte Lebensdauer. Irgendwann hören sie auf zu wachsen, fallen aus und im Normalfall wachsen neue Haare nach. Es ist völlig normal, dass bis zu 100 Haare pro Tag ausfallen. Gehen jedoch mehr Haare verloren, spricht man von krankhaftem Haarausfall (medizinisch Effluvium).

Ursachen von krankhaftem Haarausfall
Haarausfall führt zu Haarverlust (Alopezie) und kann jeden treffen. Männer leiden häufiger darunter als Frauen. Schätzungsweise jeder dritte Mann über 30 Jahre und fast jeder zweite über 50 ist von sich lichtendem Haar betroffen. Bereits junge Erwachsene können Haarprobleme haben. Bei Männern ist der Haarausfall in den meisten Fällen anlagebedingt (hormonell-erblich). Androgene, männliche Hormone sind für die Ausdünnung des Haarfollikels verantwortlich. 80 Prozent aller Männer, aber auch bis zu 40 Prozent der Frauen leiden unter dieser Form des Haarausfalls. Kreisrunder Haarausfall sowie diffuser Haarausfall sind nebst der anlagebedingten Erscheinungsform weitere häufige Arten von Effluvium. Die Experten unterscheiden zudem zwischen «dauerhaftem» und «zeitlich begrenztem» Haarausfall.

Männer bekommen Geheimratsecken oder Glatzen, bei Frauen schwindet das Haar eher nur im Scheitelbereich. Und während bei Männern die Ursache des Haarausfalls meistens genetisch ist, fallen Frauen die Haare, wenn nicht aufgrund einer erblichen Veranlagung, vor allem in der Schwangerschaft, in den Wechseljahren oder während einer Pillenpause hormonell bedingt aus. Aber auch psychische Belastungen, Medikamente, Chemikalien, einseitige Ernährung, Umwelteinflüsse und Krankheiten wie Schilddrüsenprobleme, Infektions- und Stoffwechselerkrankungen, Verbrennungen und andere können bei beiden Geschlechtern zum Haarverlust führen.

Effektive Mittel gegen Haarverlust
Wer glaubt, an übermässigem Haarausfall zu leiden, sollte lieber einen Arzt aufsuchen, - der Spezialist für sogenannte Hautanhangsgebilde ist übrigens der Dermatologe -, als das Geld für viele unnütze Haarwuchs- und Heilmittelchen zu verschwenden. Stellt der Arzt zum Beispiel eine Überfunktion der Schilddrüse oder einen chronischen Eisenmangel fest, lässt sich das verlorene Haar mit der entsprechenden Therapie zurückgewinnen.

Für die Behandlung gilt generell: je früher, desto besser. Aktuell sind vor allem zwei effektive Wirkstoffe bekannt, die bei anlagebedingtem Haarausfall helfen: Minoxidil und Finasterid. Durch die orale Einnahme von Finasterid wird die Umwandlung von Testosteron in das auf die Haarfollikel wirkende DHT-Hormon gehemmt, wodurch die Haarwurzel kräftig bleibt. Alternativ kann man das gefässerweiternde Mittel Minoxidil auf der Kopfhaut einmassieren. Forscher nehmen an, dass die Tinktur die Haarwurzel stimuliert. Sowohl Finasterid als auch Minoxidil vermögen den Haarausfall bei neun von zehn Personen zu stoppen. Bei jedem Zweiten verdichten sich die Haare zudem sichtbar. Minoxidil in der niedrigeren Konzentration eignet sich auch für Frauen, ansonsten eignen sich beide Therapieformen für volljährige Männer, mit leichtem bis mittelstark ausgeprägtem erblich bedingtem Haarausfall. Die Medikamente müssen ein Leben lang täglich angewendet werden, ansonsten setzt der Haarausfall wieder ein. «Ein kleines Opfer», mag sich so mancher denken, dessen Haar sich allmählich verabschiedet.