Es gibt viele Krankheiten, die nicht heilbar sind. Für Betroffene, aber auch für ihre Angehörigen ist diese letzte Phase in einem Leben belastend und schwierig. Bei Palliative Care geht es darum, die Leiden in diesem schwierigen Lebensabschnitt zu lindern und die bestmögliche Lebensqualität bis zum Ende zu erhalten. «Das Wohlbefinden der BewohnerInnen steht dabei im Mittelpunkt», sagt Ilona Schmidt, Pflegedienstleiterin des Hospiz Zürcher Lighthouse. Dazu gehören nicht allein die medizinaltechnischen Angebote, sondern auch eine psychologische, soziale und spirituelle Betreuung.

Ein Ort wie ein Zuhause
Ein grosser Teil der Menschen im Hospiz leidet unter Krebserkrankungen. «Daneben gibt es aber auch Menschen mit einer chronischen Erkrankung mit langsamem Verlauf», erzählt Ilona Schmidt. Dies können beispielsweise Menschen mit Lungenerkrankungen oder Multipler Sklerose sein. Auch Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist vertreten, dies ist eine Erkrankung des Nervensystems, die nicht heilbar ist und bei der die meisten Patienten nach drei bis fünf Jahren nach der Diagnose sterben. «Wir pflegen und betreuen BewohnerInnen jeden Alters», sagt Ilona Schmidt. Es gehe darum, auch jüngeren Menschen einen Ort anzubieten, an dem sie in ihrem letzten Lebensabschnitt ein Zuhause haben.

Selbstbestimmung im ­Vordergrund
Dies ist ein grosser Unterschied zwischen einem Hospiz und einem Spital oder Pflegeheim. «Die Betroffenen sollen noch ein letztes Zuhause haben, in dem sie sich wohl fühlen können», sagt Ilona Schmidt. Dabei werde die Betreuung individuell an die Bewohnenden angepasst, deren Autonomie möglichst lange aufrechterhalten werden solle. Sie sollen nicht von aussen fremdgesteuert werden, sondern selber entscheiden können, welches ihre Bedürfnisse sind. Für diese Betreuung brauche es vor ­allem viel Zeit. «Diese können und wollen wir anbieten», so Ilona Schmidt. «Wir beraten die BewohnerInnen zwar, aber sie sollen selber bestimmen, was sie möchten», sagt Ilona Schmidt. Das geht von der medizinischen Behandlung über die Gestaltung der Tagesstruktur.

Vielseitige Angebote
Um die Lebensqualität der Patienten möglichst aufrechtzuerhalten, müssen die Symptome gelindert werden. «Zu den Symptomen gehören oft Schmerzen, aber auch eine eingeschränkte  Atmung, Müdigkeit oder Übelkeit können Symptome sein», sagt Ilona Schmidt. Das Leiden zu lindern habe dabei oberste Priorität und dafür werde auf alle Möglichkeiten, die die Medizin bietet, zurückgegriffen. Um dies und auch eine psychologische, soziale und spirituelle Betreuung bieten zu können, ist viel Personal notwendig. «Wir haben bei uns von jedem Fachbereich jemanden im Haus», so Ilona Schmidt. So gebe es beispielsweise neben der Psychologin, der Sozialarbeiterin und dem Seelsorger auch eine Kunst- und  eine Atemtherapeutin. Welche Angebote die Betroffenen in Anspruch nehmen, steht ihnen frei und sie entscheiden selbst.

Man bekommt viel zurück
Oft haben die Bewohnenden Angst vor dem Tod. Doch es gehe nicht darum, ihnen diese zu nehmen, sagt Schmidt. «Unsere Aufgabe ist es, diese Angst der BewohnerInnen ernst zu nehmen, sie zu unterstützen und zu begleiten sowie ihnen zu zeigen, dass sie mit ihrer Angst nie alleine sind», so Schmidt. Die ständige Konfrontation mit Leiden und Tod ist auch für die Mitarbeitenden im Hospiz eine stetige Belastung. «Hier ist es wichtig, dass man sich gegenseitig unterstützt und austauscht», sagt Ilona Schmidt. Zudem habe man im Hospiz mehrere Rituale, die die Psychohygiene unterstützen sollen. Doch auch wenn es belastende Situationen gebe, die Arbeit mit sterbenden Menschen sei auch etwas sehr Schönes. «Man ist nicht einfach nur am Geben, sondern bekommt auch sehr viel von den BewohnerInnen und Angehörigen zurück», sagt Ilona Schmidt.