Gemäss den beiden Organisationen der Arbeitswelt nutzen zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung in irgendeiner Weise Verfahren und Heilmittel aus dem Bereich der Komplementär- und Alternativmedizin.
 

Mit den beiden eidgenössisch anerkannten Diplomen wurde europaweit erstmalig ein staatlich anerkanntes Gütesiegel für die Alternativmedizin und die Komplementärtherapie geschaffen.
 

Wie verändert sich dadurch die Stellung gegenüber der Schulmedizin, Herr Allenspach und Frau Bürki?

«Durch die von den Branchenorganisationen definierten und überprüften, fundierten Ausbildungen und die vom Bund überwachten Prüfungen gestaltet sich in Zukunft ein Miteinander mit Ärzten/-innen und andern Gesundheitsfachleuten einfacher.»

«Schulmedizinische und komplementärmedizinische Behandlungen laufen oft parallel. Ein koordinierter Behandlungsplan und der fachliche Austausch zwischen Ärzten/-innen, Naturheilpraktikern/-innen und Therapeuten/-innen steigern den Erfolg des Therapieprozesses und helfen, Gesundheitskosten einzusparen. Schlussendlich kommt diese Zusammenarbeit dem/-r Patienten/-in zugute.»

Frau Bürki, wie arbeiten Komplementärtherapeuten/-innen?

«Der/die Therapeut/-in nimmt das Befinden und das Potenzial des/der Klienten/-in als Grundlage für eine individuelle, situationsbezogene Behandlung. Anleitung und Gespräch erfolgen immer in Verbindung mit Körperarbeit, je nach Methode mehr auf Berührungs-, Bewegungs-, Atem- oder Energiearbeit ausgerichtet. Ziel ist die Stärkung der Selbstregulation des Körpers und die Verbesserung des körperlichen und seelischen Wohlbefindens. Sie bezieht den/die Klienten/-in aktiv in den Therapieprozess mit ein und arbeitet im Gegensatz zum/-r Naturheilpraktiker/-in ohne technische Apparate und ohne Verordnung oder Abgabe von Heilmitteln. Menschen mit Beschwerden, Leistungsbeeinträchtigungen, Erkrankungen oder dem Wunsch nach Unterstützung in Veränderungsprozessen nutzen die Komplementärtherapie als alleinige Behandlung oder während oder nach einer schul- oder alternativmedizinischen Behandlung.»

Wann macht es Sinn, einen/-e Naturheilpraktiker/-in aufzusuchen, Herr Allenspach?

«Patientinnen und Patienten können sich bei allen Erkrankungen ausser bei Notfällen an einen/-e Naturheilpraktiker/-in wenden. Mit den Gesundheitssystemen der Naturheilpraktik können grundsätzlich alle Krankheiten selbst oder zumindest ergänzend zur Schulmedizin behandelt werden. Dabei werden Krankheiten ganzheitlich nach den Prinzipien des jeweiligen Gesundheitssystems behandelt, sei es bei der TCM zum Beispiel mit Kräutern oder Nadeln, bei der Ayurveda-Medizin mit Kräutern und manuell, bei der TEN mit Kräutern und manuell oder bei der Homöopathie mit Globuli. Eine Anamnese und naturheilpraktische Diagnose gehen der eigentlichen Behandlung voraus. Alle Systeme beziehen Körper, Geist und Seele ein und behandeln die Krankheitssymptome und die Ursachen der Erkrankung.»

Wie ist das Feedback auf die eidg. Abschlüsse und wie werden diese durch die Krankenversicherer bewertet?

«Das Feedback ist sehr positiv. Es wird als wichtig erachtet, dass die Berufe der Naturheilpraktik und der Komplementärtherapie jetzt auch eidgenössisch anerkannt sind und damit für eine hohe Qualität und Professionalisierung stehen. Das gilt selbstverständlich für die Patienten/-innen wie auch für die Krankenversicherer. Eine gute Ausbildung und ein anerkannter Abschluss sind für Patienten/-innen neben einer persönlichen Empfehlung ein wichtiges Kriterium bei der Wahl ihres/-r Therapeuten/-in oder ihrer Gesundheitsfachperson.»