Hausärztinnen und Allgemeininternisten bilden die Triage der medizinischen Versorgung. Als wichtige Ansprechs- und Vertrauensperson evaluieren sie zusammen mit den Betroffenen, wie die Versorgung bei chronischen Schmerzleiden weitergeht.

Aufgrund ihrer breiten Weiterbildung haben sie die Fähigkeit, aus vielen diagnostischen Einzelteilen zusammen mit dem/r Patienten/-in ein für ihn/sie relevantes Ganzes zu schaffen.

Sie eruieren erstinstanzlich das Beschwerdebild und grenzen die Ursache ein. Je nach Verdachtsdiagnose nehmen Allgemeininternist/-innen die Therapie selbst in die Hand oder sie kümmern sich um die Überweisung an einen ausgewiesenen Spezialisten/-in in Schmerztherapie, Orthopädie oder anderen Disziplinen.

Drohender Ärztemangel

Die Allgemeine Innere Medizin bildet die zentrale Säule eines modernen und effizienten Gesundheitssystems, welches eine hervorragende medizinische Versorgung für alle Menschen in der Schweiz garantiert.

Handkehrum kennt die AIM sowohl im ambulanten wie auch im stationären Bereich ein Nachwuchsproblem. Gemäss der Studie «Work Force Hausarztmedizin 2015» werden über 60 Prozent der aktuell tätigen Hausärztinnen und Hausärzte in den nächsten zehn Jahren ihre Praxistätigkeit altershalber einstellen.

Nach Schätzungen des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums ist damit zu rechnen, dass ohne entsprechende Massnahmen 2030 bis zu 40 Prozent der Konsultationen in der ambulanten Grundversorgung nicht mehr abgedeckt werden könnten. Dazu kommt, dass auch im stationären Bereich in den kommenden Jahren viele erfahrene Chef- und Kaderärztinnen und -ärzte in Pension gehen werden und auch ein Mangel an akademisch tätigen Allgemeininternist/-innen besteht.

Demografische und gesellschaftliche Entwicklungen als Herausforderung

Eine 2015 vom Berner Institut für Hausarztmedizin durchgeführte Erhebung bei den Jungen Hausärztinnen und Hausärzten Schweiz (JHaS) zeigt, dass für die neue Generation – sowohl für Männer wie für Frauen – mehr noch als Salärbedingungen eine ausgewogene Work-Live-Balance zentral ist. Viele wünschen sich eine Teilzeitanstellung. Hinzukommt eine zunehmend älter werdende Bevölkerung, die Gesellschaft und Sozialversicherungen vor neue Probleme stellt.

Eine Schätzung der Gesundheitsligen aus dem Jahr 2008 kam auf 2,8 Millionen chronische Krankheitsfälle in der Schweiz, wobei Multimorbidität die Regel ist. Für die Begleitung und Behandlung dieser Patient/-innen ist nicht nur ein ganzheitlicher und kontinuierlicher Betreuungsansatz erforderlich, sondern auch eine enge interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit.

Gerade deshalb wird den Generalist/-innen zukünftig eine noch zentralere Rolle zukommen. Das Schweizerische Gesundheitswesen ist jedoch aktuell durch seine zunehmende Ausrichtung auf Spezialisierung und die daraus resultierende Fragmentierung der Behandlung von Patient/-innen, Weiterbildung und Lehre ungenügend auf diese Entwicklung vorbereitet.

Beim Nachwuchs ansetzen

Was bedeutet diese schwierige Konstellation für das Gesundheitswesen? Gemäss der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM) werden in den nächsten Jahren deutlich mehr Allgemeininternist/-innen sowohl für den stationären wie auch für den ambulanten Bereich ausgebildet werden müssen, damit eine qualitativ hochstehende Basisversorgung in der Schweiz weiterhin flächendeckend garantiert werden kann.

Die SGAIM hat die Dringlichkeit der Lage frühzeitig erkannt und ein grosses Nachwuchsförderungsprojekt sowie eine breite Imagekampagne lanciert.

Wichtigste Zielgruppe der Kampagne für mehr medizinischen Nachwuchs im AIM-Fachbereich sind Medizinstudierende und Studienabgänger/-innen, die sich entscheiden müssen, welchen Weg sie in der Weiterbildung einschlagen werden.

Eine eigens für das Förderungsprojekt angesetzte Arbeitsgruppe zeigt sich davon überzeugt, dass zur Nachwuchsförderung dringend die beruflichen Rahmenbedingungen der AIM attraktiver gestaltet und langfristige Zukunftsperspektiven geschaffen werden müssen.

Dazu gehören auch flexiblere Arbeitszeitmodelle wie Jobsharing und Teilzeitstellen. Ziel ist es, den Allrounder-Beruf den Nachwuchsmediziner/-innen bekannter zu machen, um auch in Zukunft eine verantwortungsvolle und korrekte erstinstanzliche Behandlung von Patienten/-innen gewährleisten zu können.

Weitere Infos

Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin

www.sgaim.ch