«Die Gesundheitsversorgung ist im Umbruch.» Dr. Leser von Curaviva Schweiz, dem nationalen Dachverband von über 2500 Heimen, hält einen integrierten Versorgungsansatz daher für wichtig. Das Mitglied der Geschäftsleitung für den Fachbereich «Menschen im Alter» fügt hinzu: «Wir dürfen nicht so stark trennen zwischen ambulanten und stationären Leistungserbringern. Wichtig ist die ganzheitliche Betrachtung und die gute Zusammenarbeit der gesamten Versorgungskette», erklärt der promovierte Gerontologe. «Das klassische Altenheim, in dem es nur um eine Unterkunft ohne Pflege geht, hat ausgedient», so Leser. «Die Kunden sind heute anspruchsvoller und erwarten ein umfassenderes Service-Angebot aus einer Hand.»

Der Pflegeaufwand steigt

Zu den Trends zählt leider auch die steigende Zahl der Demenzpatienten, auch eine Folge der demografischen Veränderungen. Gleichzeitig fehlt der qualifizierte Nachwuchs in Pflegeinstitutionen, wenngleich der Pflegeberuf bei jungen Menschen auf grosses Interesse stösst. Doch gibt es mehr ältere Leute als junge Berufsanfänger. Erfreulich ist, dass sich auch immer öfter Quereinsteiger für eine Umschulung entscheiden. Zudem sind die Wiedereinsteigerinnen, das heisst meist Frauen nach der Familienphase, eine wichtige Gruppe von Berufsleuten im Betreuungs- und Pflegebereich.

Kosten dürfen nicht das alleinige Kriterium sein

Den Trend der sogenannten Care-Migranten in der Schweiz, das sind ausländische Pflegekräfte, die gezielt hier ihre Dienstleistung anbieten, beurteilt Leser grundsätzlich vorsichtig. Er fordert: «Es darf nicht nur um den Kostenvorteil gehen, auch die Qualität muss stimmen.» Wenngleich die Finanzierungsproblematik nicht wegzudiskutieren ist. Auch die Restfinanzierung, jener Differenzbetrag, der nach Zahlung von Krankenversicherung und Bewohner bleibt, belastet die Gemeinden stärker. Es gibt daher einen grossen Handlungsbedarf, um auch in Zukunft die Versorgung und die Pflege im Alter zu sichern. Hier sind alle Finanzierungsträger gleichermassen gefordert.